Magic – Challenger Decks 2022 Review

Jedes Jahr erleben wir neue Magic the Gathering Challenger Decks. In 2022 drehen sich diese um Standard. Auch wenn das Format ein wenig Spielerschaft verloren haben dürfte, ist es doch immer noch die erste Wahl für alle, die ein sich schnell änderndes Metagame mit verhältnismäßig bezahlbaren Decks und gut erhältlichem Kartenpool mögen.

Aprospos gut bezahlbar: Genau das sollen die Challenger Decks unterstützen. Hier sollt ihr für etwa 30 €, teilweise sogar weniger, ein Deck erhalten, welches zwar vielleicht nicht optimal ist, aber stark genug, um auf kleineren Turnieren erfolgreich mitzuspielen oder mit wenigen Upgrades sogar noch mehr erreichen kann. Schauen wir mal, ob oder wie gut das gelingten kann.

Mono White Aggro

Den Anfang macht ein Deck in Mono Weiß. Das zugrunde liegende Deckkonzept ist aktuell das drittgrößte Deck im Standard und erzielt regelmäßig Turniererfolge. Auffällig ist hier erstmal Faceless Haven, welche inzwischen im Standard gebannt ist. Zwar gibt es eine Sonderregel, dass man das Deck exakt so, wie es aus der Box kommt, noch spielen dürfte, aber auf diese sollte man kaum zurückgreifen.

Was ist drin?

Wir finden Playsets von Usher of the Fallen und Luminarch Aspirant, zweier grundlegender Karten des Decks. Dazu kommt ein guter Kern von drei Elite Spellbinder und zwei Reidane, God of the Worthy. Zwei Thalias sind nett, wenn auch etwas wenig, genau wie nur ein Intrepid Adversary. Im übrigen sind viele Karten leider eher Füllmaterial.

Was fehlt?

In der Manabase fehlen Cave of the Frost Dragon und Eiganjo, Seat of the Empire neben Crawling Barrens. Man muss nicht alle davon spielen, aber jeweils zwei wären schön gewesen. Hier hat das Design-Team aber auch Pech gehabt, dass es zum Bann von Faceless Haven kommen musste.

Bei den Kreaturen fehlt dagegen viel mehr: Adeline, Resplendent Cathar wird fast immer zwei bis drei Mal gespielt, Hopeful Initiate ist inzwischen auch absoluter Standard geworden und hätte hier gut die anderen Karten für ein Mana ersetzen können, während Legion Angel auch komplett fehlt. Neben den Kreaturen wird auch The Wandering Emperor vermisst. Ich verstehe, dass man davon nicht die üblichen drei bis vier Exemplare in so ein Deck tun möchte, aber eine wäre doch schön gewesen.

Was kann das Deck?

Inhaltlich kann ich viel meckern, aber trotzdem sollte das Deck gut spielbar sein. Die Kreaturen sind nicht schlecht, nur jeweils nicht die optimale Wahl. Im längeren Spiel dürfte dem Deck durch den Mangel an Planeswalkern und Möglichkeiten, Mana auszugeben, wie Intrepid Adversary und Legion Angel, schnell die Puste ausgehen. Gerade das Mirror Match ist so kaum spielbar. Gegen Control Decks dürfte es dagegen besser aussehen, da der aggressive Gameplan weiter funktioniert.

Dimir Control

Dimir Control ist leider im Standard gar kein relevantes Deck. Man sieht es sehr selten auf kleinen Turnieren, aber eigentlich spielt man Orzhov, Esper oder Jeskai. Ein Upgrade zu Esper lohnt sich auch kaum, da die Decks fundamental anders funktionieren. Im Vergleich zu Azorius Control, das auch noch einigermaßen beliebt ist, findet man immerhin einige gemeinsame Karten: Iymrith, Desert Doom und Hullbreaker Horror passen da gut, genau wie Memory Deluge, Hall of the Storm Giants und manche blauen Uncommons und Commons. Praktischerweise sind gerade das die Karten, die einen Großteil des Decks ausmachen. Das Challenger Deck ist damit an sich kaum spielbar, bietet aber immerhin den Grundstock der teureren Karten für ein anderes, besseres Deck.

Gruul Stompy

Gruul Stompy wird im Standard zwar nicht extrem viel gespielt, macht aber dennoch immerhin drei Prozent des Metagames aus.

Was ist drin?

Goldspan Dragon ist hier wohl die größte Nummer. Die Karte kostet selbst nach Release der Challenger Decks noch 15 €. Einer ist zwar viel zu wenig, aber immerhin bekommt man ihn hier. Ansonsten gefallen die Playsets von Magda, Brazen Outlaw und Ranger Class und die beiden Halana and Alena, Partners neben Tovolar, Dire Overlord im Sideboard (auch wenn sie ins Main Deck gehört). Auch Rockfall Vale und Lair of the Hydra sind sehr gern gesehen.

Was fehlt?

Gruul Aggro hat keine allzu klar definierten Decklisten, aber ein paar Karten fallen auf: Reckless Stormseeker ist mittlerweile üblich, genau wie Werewolf Pack Leader, Esika’s Chariot und Shatterskull Smashing. In der Manabase fehlt vor allem Rockfall Vale und auch Sokenzan, Crucible of Defense hätte ich gerne gesehen.

Was kann das Deck?

Mit dem mitgelieferten Sideboard kann man schon viel ausbessern: Tovolar, Dire Overlord und Froghemoth können Tovolar’s Huntmaster und Light up the Night ersetzen. Trotzdem fehlt dann noch einiges. Karten sind hier auch nicht so ersetzbar wie in Mono Weiß, sondern exakt so ausgewählt, weil sie oft Kartenvorteil oder ähnliches bieten. Man muss aber auch sagen, dass die Upgrades hier sehr bezahlbar sind. Verkauft den Goldspan Dragon und ihr bekommt ein paar Esika’s Chariots, Reckless Stormseeker und Werewolf Pack Leader, womit das Deck sehr gut da stehen sollte.

Rakdos Vampire

Spielt im Standard mit einer Beteiligung von nur zwei Prozent eine sehr untergeordnete Rolle. Das Deck dreht sich eigentlich nicht um Vampire, sondern um Bluttoken, die für diverse Synergien geopfert werden.

Was ist drin?

Das Interessante an dem Deck ist, dass fast alle Schlüsselkarten Commons und Uncommons sind. Man könnte hier loben, dass die recht vollständig vorhanden sind, aber für Playsets von Uncommons kauft man sich wohl kaum ein Challenger Deck. So sind für das Deck nur die beiden Den of the Bugbear und Blightstep Pathway wirklich von Wert.

Was fehlt?

Tatsächlich fehlen hier mal relevante Commons und Uncommons: Oni-Cult Anvil muss auf ein volles Playset aufgestockt werden, Deadly Dispute fehlt genau wie Experimental Synthesizer. In der Manabase braucht es vor allem mehr Blightstep Pathways und Haunted Ridge. Am meisten fehlt allerdings eine aktuell viel zu teure Karte: The Meathook Massacre. Davon werden mindestens drei benötigt.

Was kann das Deck?

Gehen wir mal davon aus, dass ihr die fehlenden Commons und Uncommons (und vielleicht auch Länder) dazukauft. Was ihr dann bekommt, ist ein solides, aber nicht allzu metarelevantes Deck, dem eine seiner besten Karten fehlt. Für kleine Turniere wird das auf jeden Fall ein sehr spaßiges Deck mit vielen Synergien sein, für größere Turniere fehlt einfach die Schlüsselkarte.

Finanzielles

Wenn man jede Karte mit einem Wert von einem Euro oder mehr miteinbezieht, ergiben sich für die Decks etwa folgende Werte:

  • Mono-White Aggro: 14,00 €
  • Dimir Control: 30,00 €
  • Gruul Stompy: 28,00€
  • Rakdos Vampire: 19,00 €

Dabei muss man natürlich bedenken, dass die Preise kurz nach Release sind, wo sehr viele der Decks geöffnet werden. Gerade Karten, die nicht von der nächsten Rotation betroffen sind oder die eine Heimat in anderen Decks finden, dürften eher wieder ansteigen. Im Übrigen muss ich auch den üblichen Hinweis bringen: Solltet ihr alle Karten der Decks einzeln kaufen, seid ihr durch die ganzen Commons und Versandkosten usw. immer deutlich teurer dabei.

Setzt man diese Werte in Relation zu den Preisen der Decks auf Gate to the Games (23 € für Mono-White Aggro und Rakdos Vampire, 28 € für Dimir Control und Gruul Stompy), merkt man, dass zumindest zwei der Decks allein in wertvollen Karten ziemlich genau ihren Preis treffen oder gar leicht übertreffen.

Fazit für jedes Deck

Das weiße Deck hat zwar die spielstärkste Vorlage, aber sonst nicht viel zu bieten. Es fehlen mindestens bei den Kreaturen einige Karten, die zusammen nochmal mindestens so viel kosten wie das Deck selbst. Dann muss auch noch die Manabase angepasst werden und The Wandering Emperor wäre auch noch gern gesehen. Wenn ihr Mono Weiß im Standard spielen möchtet, bietet das Deck trotzdem einen guten Grundstock an Karten, auch wenn ihr hier absolut kein Geschäft macht.

Dimir Control hat den besten Wert, ist aber spielerisch sehr schwierig. Im Grunde kauft ihr hier ein Playset Shipwreck Marsh und Memory Deluge neben den Hall of Storm Giants und Hullbreaker Horror und vergesst den Rest des Decks. Wenn ihr unbedingt Control in Schwarz und Blau spielen wollt, könnt ihr das mit dieser Basis ziemlich gut machen, aber das Deckkonzept an sich wirkt im Moment einfach suboptimal. Hier sind die Teile mehr als das Ganze, aber jedenfalls genug, dass sich das Deck lohnen kann.

Ähnlich sieht es in Gruul Stompy aus. Hier möchte ich nochmal meinen Vorschlag wiederholen: Kauft es, verkauft den Goldspan Dragon und gönnt euch davon die Karten, die das Deck braucht. Macht ihr das, bekommt ihr für unter 30 € ein sehr solides Midrange Deck. Die eine, sehr wertvolle Karte macht das Deck in meinen Augen sehr begehrenswert, um mit den restlichen Karten für einen sehr kleinen Preis viel Spaß zu haben.

Rakdos Vampire gefällt mir irgendwie am besten. Klar, das Deckkonzept ist nicht zu stark, aber okay und ihr bekommt hier ein ziemlich vollständiges Deck, bzw. müsst nur wenige sehr günstige Karten kaufen, damit es vollständig wird. Drei Euro Verlust zum Deckpreis sind auch in meinen Augen okay, da gerade die Länder durch EDH eher wieder im Preis steigen. Meathoof Massacre fehlt schmerzlich, aber das Deck sollte auch ohne sie für kleinere Turniere okay sein.

Das waren dann die Challenger Decks. In meinen Augen sind sie dieses Jahr weder besonders herausragend noch wirklich schlecht. Das spielerisch beste Deck, das eines der besten Decks aktuell widerspiegelt, braucht kostspielige Upgrades und das finanziell beste Deck macht spielerisch kaum Sinn. Die Kaufempfehlung hängt damit ganz von euch ab: Wollt ihr in Standard einsteigen? Dann kann ich Mono White Aggro, Gruul Stompy oder (wenn ihr ein kreativeres Deck spielen wollt) Rakdos Vampire empfehlen. Wollt ihr die Karten aus Dimir Control, um ein anderes Deck zu bauen? Dann kann ich auch dieses Deck empfehlen. Habt ihr mit Standard nichts am Hut, sind diese Decks aber auch kein Grund, dies zu ändern.

Wie findet ihr die Decks? Welches ist eurer Favorit?

Schreibt es gern in die Kommentare!

Euer Berkut

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