Yugioh – Die Herrinnen der Elemente 

WASSER, ERDE, FEUER, LUFT. Vor langer Zeit lebten alle vier Eigenschaften zusammen in Harmonie. Doch dann erklärte uns die kompetitive Spielerschaft den Krieg und alles änderte sich. Nur die Spirit Charmers, Herrinnen der 4 Elemente, hätten die Turnierspieler aufhalten können. Aber als die Welt sie am meisten brauchte, verschwanden sie. Einhundert Jahre vergingen und die Fangemeinde entdeckte ein neues Deck, ein Produkt namens THE CHRONICLES DECK: Spirit Charmers. Auch wenn es über enorme Fähigkeiten verfügt, muss es noch eine Menge lernen. Aber ich glaube fest daran, dass das CHRONICLES DECK das Spiel retten kann – oder?

THE CHRONICLES DECK – Ein kurzer Abriss

Mittlerweile haben wir also zwei Produkte aus der recht neuen Reihe der CHRONICLES DECKS. Generell sieht es derzeit mit Structure Decks etwas mau aus, 2024 war absolute Flaute und es sieht so aus, als hätte Konami das Konzept grundlegend modernisiert. Das letzte richtige Structure Deck haben wir Anfang 2025 bekommen, dort im Gewand der Blauäugigen weißen Drachen. Wobei, auch hier gab es Neuerungen in Gestalt der Promo-Karte. Seither erweitert Konami sein Produktportfolio um die Legendary Decks, die dieses Jahr ebenfalls in die zweite Runde gehen werden und eben um die CHRONICLES DECKS, die im Herbst vergangenen Jahres mit The Fallen and the Virtuous ihr Debüt feierten. 

Das besondere an diesen Decks ist, dass sie komplett aus Holos bestehen, genauer gesagt aus Ultra Rares. Zum verhältnismäßig geringen Preis von etwa 20 Euro erhaltet ihr also ein All Foil Produkt mit 50 Karten. Mit dabei sind stets auch zwei neue Karten, die den Archetype erweitern und Reprints im alternativen Artwork, eben auch dem Deckthema entsprechend. 

Außerdem erhaltet ihr pro Deck eine Promo-Karte, die dann eine Secret Rare ist oder in seltenen Fällen auch eine Starlight Rare sein kann. 

Wir schauen uns jetzt einmal an, was das neue Spirit Charmers Deck so mitbringt.

Die neuen Karten

Zugegeben, quantitativ sind die CHRONICLES DECKS mit nur zwei neuen Karten immer etwas schwach auf der Brust, für das jeweilige Deckthema sind diese Karten spieltechnisch gesehen dafür absolut relevant. 

Magiebuch des großen Kreises

Die neue Zauberkarte des Archetypes ist absurd gut, denn sie lässt euch vier Verzaubererinnen-Monster vom Deck, dem Friedhof oder aus der Verbannung auf die Hand nehmen, solange diese unterschiedliche Eigenschaften haben. Anschließend mischt ihr zwar zwei Karten zurück ins Deck, aber ich glaube, es ist deutlich, wie wichtig diese Karte für das Deck ist und wie unverzichtbar ein derartig potenter Sucher in einem Deck mit eher durchschnittlicher Spielstärke ist. 

Zusätzlich könnt ihr Magiebuch des großen Kreises vom Friedhof verbannen und dann eine Fusionsbeschwörung durchführen, indem ihr dafür die Verzaubererinnen oder ihre Vertrauten vom Spielfeld oder der Hand nutzt. 

Verzaubererinnen des großen Kreises

Eine neue Zauberkarte, die Fusionen durchführt, benötigt natürlich auch eine passende Fusion und die kommt in Gestalt von Verzaubererinnen des großen Kreises daher, die als Material zwei oder mehr Verzaubererinnen oder deren Vertraute braucht. Abhängig davon, wie viele unterschiedliche Eigenschaften ihr für die Fusion benötigt habt, erhält diese Karte ihre Effekte. Nutzt ihr lediglich zwei Monster mit unterschiedlicher Eigenschaft, erhaltet ihr demnach auch nur zwei Effekte der nachfolgenden Liste und so weiter. 

Als erstes könnt ihr dieses Fusionsmonster 800 ATK auf seine eher beschauliche Grund-ATK von 1850 erhalten lassen.

Oder ihr fügt eurer Hand eine Besessen Zauber- oder Fallenkarte hinzu.

Alternativ könnt ihr auch eine Karte auf dem Spielfeld auf die Hand zurückgeben oder, als letztes, einen Hexer vom Friedhof spezialbeschwören. 

Spannend ist, dass ihr jeden der vier Effekte auch mehrmals auslösen könnt, wenn euch also vier Effekte zur Verfügung stehen, könnt ihr auch viermal eine Karte vom Feld auf die Hand geben, oder Verzaubererinnen des großen Kreises viermal 800 ATK erhalten lassen, was sie dann auf stolze 5050 ATK pusht. 

Alternative Artworks

Wir kennen das ja bereits von The Fallen and the Virtuous, daher überrascht es nicht, dass auch hier alternative Artworks mit dabei sind. 

Wie beim Vorgängerprodukt sind es auch hier vier, diese sind aber, das muss man eingestehen, deutlich unspektakulärer als beim Albaz-Deck: Eria, die Wasserverzaubererin, Hiita, die Feuerverzaubererin, Wynn, die Windverzaubererin und Aussa, die Erdverzaubererin erhalten hier ein alternatives Artwork. Das sieht schön aus und transportiert die über 20 Jahre alten Karten zumindest artworktechnisch in die Gegenwart – aber leider eben nicht effekttechnisch. Die alternativen Artworks sind also nett, leider aber eben nicht spielrelevant. Das fand ich beim ersten Deck der Reihe deutlich besser gelöst: da gab es zwar auch archetypeeigene alternative Artworks in Gestalt von Ecclesia und Fleurdelis (die nur halt leider echt hässlich sind), aber eben auch spielrelevante und generische Karten wie Fusionsentsendung und Stoß der drei Taktiken. Generell mag ich es einfach, wenn eine generische Karte durch ein alternatives Artwork plötzlich einem konkreten Deckthema zugeordnet werden kann und das fehlt mir hier sehr. 

Nun erhalten die vier Verzaubererinnen aber nicht nur ein neues Artwork, sondern sind auch alle vier mögliche Promokarten, die ihr in Secret Rare oder sogar in Starlight Rare ziehen könnt. Auch hier hätte ich mir gewünscht, dass wenigstens eine generische Karte diesen Promo-Status erhält, so wie es The Fallen and the Virtuous eigentlich schon ganz richtig vorgemacht hat. 

Hier nun kann man nur Karten des Verzaubererin-Archetypes als Promos bekommen. Um das gut zu finden, muss man schon großer Fan der kleinen Elementarhexen sein. 

Reprints 

Mehr gibt es über den Archetype selbst und den neuen Support eigentlich schon gar nicht zu sagen, daher wenden wir uns direkt den Reprints zu. Gemessen am Vorgänger dürfen wir hier spielrelevante Reprints und günstigen Zugriff auf einzelne, teure Karten erwarten und dahingehend werden wir auch nicht enttäuscht.

Die Horus-Engine

Starten wir direkt mit dem großen Verkaufsargument dieses Produkts: Dem Reprint der kompletten Horus-Engine. Die ehemals teuerste Karte der Engine ist zugleich die teuerste Karte des Sets, wenn man einmal von den Promos absieht: Amset, Ehre des Horus. Mit ihr sucht ihr euch die Permanente Zauberkarte Sarkophag des Königs und könnt außerdem zusätzlich noch eine Karte ziehen. Dafür müsst ihr allerdings erst Amset und eine andere Handkarte auf den Friedhof legen, was extrem anfällig für Aschenblüte oder Dominus-Säuberung ist. Amset benötigt ihr dreimal, wenn ihr die Horus-Engine spielen wollt, dennoch kommt ihr hier in der Summe wirklich günstig weg, denn die anderen Karten der Engine Duamutef, Segen des Horus, Kebechsenuef, Schutz des Horus und Hapi, Führung des Horus kosten euch fast nichts. 

Nun ist die Engine selbst zwar durchaus stark, weil sie euer Feld mit Monstern der Stufe 8 zuspammen kann, birgt aber eben auch einige Risiken. Amset selbst ist, wie erwähnt, sehr anfällig für Handtraps und generell birgt die Egine ein recht hohes Potenzial zu bricken. Und dann bleibt auch noch die Frage, ob die Synergie zwischen Horus und den Verzaubererinnen wirklich so dynamisch ist, dass dieser Reprint an dieser Stelle logisch ist.

Versteht mich nicht falsch, ich freue mich sehr übe reinen günstigeren Reprint der Horus-Engine, möchte nur hinterfragen, ob der Reprint in diesem Produkt wirklich so sinnvoll positioniert ist. 

Der Zombievampir

Der Zombievampir war lange eine völlig unterschätzte Karte, taucht in letzter Zeit aber vermehrt auf. Als Material benötigt ihr mindestens zwei Monster der Stufe 8, was hier durch die Horus-Engine ja problemlos gegeben ist. Zugleich ist dieses Xyz-Monster auch ein potenzieller Banlist-Kandidat, obwohl ich nicht glaube, dass er so schnell verboten wird, nachdem er jetzt gerade erst einen Reprint bekommen hat. Teuer war er zwar auch davor nicht und wer ihn haben wollte, konnte ihn sich längst zulegen, dennoch vergeht bestimmt noch etwas Zeit, bevor Der Zombievampir auf die Banlist wandert – wenn überhaupt. 

Silhouhute-Hase

Tja, und das war es eigentlich auch schon mit nennenswerten Main Deck Reprints. Man könnte vielleicht noch Herrn des himmlischen Gefängnisses anführen, aber der hat in der Quarter Century Bonanza so viele Reprints bekommen, dass der Wert dieser Karte auch nicht mehr der Rede wert ist und ihr aus sieben verschiedenen Seltenheitsstufen euch einfach die hübscheste aussuchen könnt.

Ein wenig anders ist es da bei Silhouhute-Hase. Als generisches Link-Monster kann er zusammen mit der Falle Engelsstatue – Azurrune eine gegnerische Beschwörung verhindern, was eine nette Sache ist. 

Azurune ist übrigens auch mit dabei und erhält ein Rarity Upgrade von Super Rare auf Ultra Rare. 

Zugleich möchte ich als Apophis-Spieler daran erinnern, dass Statue der Schmerzmuster seit bald 10 Jahren keinen Reprint mehr bekommen hat und bisher nur in Common verfügbar ist. Da hätte ich auch gerne mal einen Holo-Reprint, damit endlich das ganze Deck glitzert. Aber das tut hier eigentlich gar nichts zur Sache.

Zugangskodier-Sprecher

Auch eine Karte, die lange teuer war und durch ihren Rarity Collection Reprint gnadenlos entwertet worden ist. Sie in ein Structure Deck zu packen, ist also eigentlich nur die logische Konsequenz und ich finde es richtig und wichtig, dass diese Karte als generische Extra Deck Karte gerade Decks auffüllt, die eben nicht alle 15 Slots dringend benötigen. Selene, Königin der Meistermagier ist übrigens auch dabei, was Zugangskodier-Sprecher natürlich besonders elegant beschwörbar macht und in einem Deck mit so vielen Hexern ja nur logisch ist. 

Fazit

Wie gut ist aber das neue THE CHRONICLES DECK: Spirit Charmers nun wirklich? Die Antwort ist keine ganz einfache: Fans der kleinen Hexen werden hier vollumfänglich auf ihre Kosten kommen und großen Spaß mit dem neuen Deck haben. Es gibt neue Karten, es gibt alternative Artworks und es gibt viel glitzernde Pappe. Die zusätzlichen Promos schaffen einen Kaufanreiz und sind vor allem für Sammler interessant. 

Alle anderen werden vermutlich auch hier, wie so oft, auf Einzelkarten setzen. Ich selbst zum Beispiel habe mir gezielt die Horus-Engine gekauft. Nicht, weil ich die gerade explizit benötige, sondern weil ich sie einfach gerne in meinem Engine-Ordner habe. Zwischen Unterweltlerschmied und Abgeheuerlichen fühlen sich Amset und Co. sicher wohl. Aber ja, genau das ist bei Yu-Gi-Oh! ja oft das Problem: Sealed Products sind nicht attraktiv genug und auch wenn ich hier durchaus Kaufargumente erkenne, bleibt das Produkt selbst eben wieder etwas für eine gewisse Nische. 

Das mag beim Vorgängerset The Fallen and the Virtuous nicht so viel anders gewesen sein, natürlich richtete sich auch das vor allem an Albaz-Enthusiasten. Aber dort war der generische Wert einfach sehr viel größer und allein schon eine Meta-Karte wie Stoß der drei Taktiken in alternativem Artwork UND der Chance als Secret oder Starlight Rare war ein sehr viel größerer Kaufgrund. Auch die neue Karte Der Gefallene und die Tugendhafte wurde von der Spielerschaft begeistert aufgenommen und gehört mittlerweile in jedes Deck, das irgendwie mit Albaz zu tun hat und da fällt eben auch ein Meta-Deck wie Drachoschwanz darunter. 

Diese universellen Kaufargumente fehlen dem neuen Spirit Charmers Deck und das liegt nicht einmal daran, dass der Archetype deutlich schwächer ist als beim ersten Produkt der neuen Reihe. Was Spirit Charmers gebraucht hätte, wäre eine bis dato teure Meta-Staple, die vielleicht zusätzlich auch noch als Promo enthalten sein kann. Ich denke da zum Beispiel an Mulreizendes Miauls oder die gute alte Aschenblüte, die nämlich bisher auch noch keinen Starlight-Print hat, was ein echter Leckerbissen für Sammler wäre. 

Es muss einfach wieder attraktiver werden, verpackte Produkte zu kaufen und das gelingt dann, wenn ein Produkt so viele gute Karten beinhaltet, dass der gezielte Kauf einzelner Karten einfach nicht sinnvoll ist. 

Konami macht dahingehend in den letzten Monaten wieder deutlich mehr richtig und ich hoffe sehr, dass sich dieser Trend auch 2026 fortsetzen wird.

Euer

Hyozan

Über Hyozan

Yu-Gi-Oh!-Veteran der ersten Stunde

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