Das Problem mit Modern Horizons

Modern Horizons 1 und 2 waren zwei extrem starke Sets mit kreativen Designs, teils sehr begehrten Reprints, neuen Artstyles und gelungenen Anspielungen. Und jetzt erzähle ich euch, warum diese Sets dem Spiel geschadet haben und es weiter tun werden.

Was ist überhaupt Modern?

Um das Problem mit Modern Horizons zu verstehen, muss man zunächst wissen, was Modern ist. Das Format wurde 2011 vorgestellt und enthält alle Karten, die in der achten Edition (2003) oder später herauskamen. Einfacher kann man die Legalität aber am Kartenrahmen erkennen: Mit der achten Edition erschien ein neuer Kartenrahmen, der bis zum Core Set 2015 verwendet wurde. Karten müssen außerdem in einem standardlegalen Set, ab der achten Edition erschienen sein. Karten aus Commander Sets oder sowas wie Conspiracy oder Battlebond sind damit nicht standardlegal.

Wozu führt das?

Etwas überspitzt konnte man Modern bis vor einer Weile als „Standard All Stars“ bezeichnen. Es wurden die Karten gespielt, die bereits im Standard eine gute Figur gemacht haben und mit Karten aus völlig anderen Standard-Formaten kombiniert. Man konnte Arcbound Ravager mit Master of Etherium und Frogmite kombinieren und erhielt so Affinity. Decks wie Jund, die einfach die besten Karten aus diversen Sets gespielt haben, pickten sich die Stars aus jeden Standard-Format zusammen und erhielten so ein Deck, das vielleicht nicht die besten Synergien hatte, wo aber jede Karte wahnsinnig stark war. Kreative und teilweise schlichtweg zu starke Karten wie True-Name Nemesis haben zwar Legacy beeinflusst, aber nicht Modern. Die Beschränkung auf standardlegale Sets sorgte dafür, dass das Power Level im Standard das im Modern beschränkte und dass die Spielstärke der Decks entweder durch Synergien zwischen zeitlich weit entfernten Decks oder durch Rosinenpickerei der besten Sets entstand.

Und was macht Modern Horizons?

Die Karten aus Modern Horizons sind schlichtweg stark. Stark genug, um mit den Stars aus Modern mitzuhalten und diese sogar zu ersetzen. Es reicht ein Blick auf die zwanzig meistgespielten Karten (ohne Länder), um das zu erkennen: Fury, Ragavan, Nimble Pilferer, Prismatic Ending, Unholy Heat, Solitude, Archmage’s Charm, Wrenn and Six, Force of Negation, Dragon’s Rage Channeler und Endurance sind alle aus Modern Horizons, dazu kommen Shardless Agent und Counterspell, die durch Modern Horizons in das Format eingeführt wurden. Das sind zwölf von zwanzig Karten. Dazu kommen Decks wie Izzet Aggro: Playsets von Ragavan, Murktide Regent und Dragon’s Rage Channeler machen den Kern des Decks aus. Arcum’s Astrolab und Hogaak, Arisen Necropolis mussten gebannt werden. Kurzum: Modern Horizons dominiert das Format.

Die Probleme:

Auf den ersten Blick mag das vielleicht sogar gut erscheinen. Das Set, das Karten ins Modern bringen sollte, tut genau das. Mission erfüllt, oder? Es mag sein, dass die Mission erfüllt wurde, aber gut ist das kaum.

Problem 1: Schneller Formatwandel

Was sind solide Modern Decks? Joar, Infect geht doch immer und ist nett und Affinity sowieso. Das Format hatte Dauerbrenner, die zwar immer mal wieder angepasst wurden, die aber dauerhaft gute Decks blieben. Das Metagame im Modern hat sich also nur sehr langsam geändert. Hier lag auch die Abgrenzung zum Standard: Dort hat jedes neue Set und jede Rotation Einfluss auf das Metagame. Modern Horizons, vor allem die zweite Version, hat das auf den Kopf gestellt: Das Set kommt und plötzlich gibt es Decks wie Izzet Aggro und Crashing Footfalls Cascade, die jetzt knapp 20% des Metagames ausmachen. Das Metagame ändert sich mit jedem Modern Horizons enorm und ist damit weitaus schnelllebiger als früher. Für Standard-Spieler mag das vielleicht sogar positiv klingen, für Modern-Spieler ist es allerdings mindestens eine große Umstellung

Problem 2: Power Creep

Die vielleicht offensichtlichste Antwort. Modern war und ist ein starkes Format. Es kommen immer mal wieder neue Karten hinzu, sodass es auch langsam immer stärker wird. So weit, so gut. Das Problem fängt nur da an, wo massig Karten in das Format kommen, die andere verdrängen. Immer, wenn neue, stärkere Karten rauskommen, werden alte verdrängt, und zwar oft mehr, als neu hinzugekommen sind. Der Pool an kompetitiv spielbaren Karten und Decks wird dadurch kleiner. Auch beeinflusst es Karten, die aus dem Standard dazukommen: Wenn das Format schnell deutlich stärker wird, steigen damit die Ansprüche an neue Karten im Format. Karten aus dem Standard müssen damit stärker werden, um neue „All Stars“ für Modern zu produzieren. Ob das zu Power Creep im Standard führt oder ob einfach weniger Karten aus Standard Sets einen Platz im Modern finden, ist ein Thema für einen anderen Artikel, aber der Konflikt bleibt.

Problem 3: Mangelnde Historie

Das letzte Problem ist ehrlicherweise ein subjektiveres. Wenn ihr einfach nur Magic spielen wollt, könnt ihr es ignorieren, aber in meinen Augen ist es für das „Gefühl“ des Formates relevant. Path to Exile, Snapcaster Mage, Dark Confidant, Lightning Bolt oder Scavenging Ooze haben Geschichte. Sie haben sich aus dem Standard als besonders starke Karten herauskristallisiert, wurden im Modern erst getestet, entpuppten sich weiter als erfolgreich und wurden so langsam zu All Stars. Ein jüngeres Beispiel ist Liliana, the Last Hope. Sie wirkte zunächst einfach wie eine etwas schwächere Liliana of the Veil, wurde aber, dann mal probiert und neben dem Planeswalker für drei Mana aus Innistrad getestet und ist steht mittlerweile neben ihrem Vorbild. Ragavan war halt einfach da und dominierte das Format. Die Karte hatte keine Erprobungsphase, keine Experimente. Jeder konnte sehen, wie stark sie ist und jeder spielt sie. Das erinnert irgendwie an klassische Kung Fu Filme: Es gibt die Charaktere, die von Anfang an stark sind und sich darauf ausruhen können und die, die sich ihren Erfolg noch erarbeiten müssen. Ihr wisst alle, wer die Antagonisten sind. Wie gesagt, das ist ein sehr subjektives Argument und wenn ihr auch absichtlich sehr starke Karten genauso gerne spielt, liegt da kein Problem, aber gerade, wenn man viel Wert auf die Historie der Karten legt, ist das schon irgendwie unangenehm.

Warum ist das in Legacy kein Thema?

Man könnte entgegenhalten, dass Legacy diese Angelegenheiten schon kennt. Diverse „Spezial“ Sets wie Conspiracy oder Commander bringen schon seit längerem frische Karten ins Legacy, die keinen Abstecher ins Standard hatten. Manche davon, wie etwa Leovold oder True-Name Nemesis, hatten auch einigen Einfluss auf das Format. Der wesentliche Unterschied liegt aber in der Spielstärke des Formats im Ganzen: Klar kommen mal Karten raus, die stark genug für das Format sind, aber keine ganzen Sets. Wenn aus Conspiracy zwei oder drei Karten stark genug für Legacy sind, ist das etwas anderes als bei Modern Horizons. Dadurch, dass nur einzelne Karten neu in das Format kommen, kommt es auch zu keinem schnellen Wandel des Metagames. Auch das dritte Problem wird gemindert: Es wird keine Karte „offensichtlich“ für Legacy designed, sodass trotzdem ein Entdeckungsprozess stattfindet. Karten aus Modern Horizons haben zwar auch einen Einfluss im Legacy, mehr sogar als viele andere Sets, aber sie sind immerhin nicht offensichtlich dafür gedacht.

Was kann Wizards dagegen machen?

Zuerst einmal ist das Kind schon in den Brunnen gefallen. Klar, man könnte jetzt diverse Karten bannen und so Modern Horizons ungeschehen machen, aber das wäre einfach nur ungeschickt. Auch muss man ehrlicherweise sagen, dass zumindest Problem 3 sich von selbst reguliert. Irgendwann hat man sich an Ragavan gewöhnt und die Karte hat, dann ihre eigene Geschichte.

In meinen Augen sollte es aus den oben aufgeführten Gründen keine weiteren Modern Horizons mehr geben. Auch sollte man sich nochmal genau die Banlist anschauen. Murktide Regent als Schlüsselkarte ist wohl okay, aber braucht man Ragavan und Fury? Was genau gebannt werden sollte, können andere Leute besser entscheiden, aber ich vermute, dass einige Bans nötig sind. Teilweise wird vorgeschlagen, dass die Karten im Standard einen Reprint erfahren um sie so zu legitimieren, aber das halte ich für einen schlechten Vorschlag. Wenn Karten wie Ragavan schon Modern dominieren, wird es im Standard nicht anders aussehen. Der Schaden würde sich also nur auf das nächte Format ausweiten. Für schwächere, fairere Karten, etwa Prismatic Ending, könnte man aber sicherlich über diesen Ansatz nachdenken.


Etwas weniger Aufmerksamkeit haben hier ja die Reprints aus Modern Horizons bekommen, die vorher nur in Legacy und co legal wären. Hier muss ich persönlich sagen, dass ich das lockerer sehe. Klar können auch bei diesen Karten Probleme auftreten, aber bisher hat Counterspell keine übertriebenen Auswirkungen gehabt. Hier könnte die Lösung in Modern Masters liegen: Man könnte in diesen Sets Karten reprinten, die vorher nicht legal im Modern waren. Für manche mag das ein fauler Kompromiss sein, aber Counterspell im Modern könnte doch tatsächlich okay sein..

Was kann man als Spieler machen?

Hier ist wohl die erste Frage, wie problematisch man Modern Horizons findet. Seht ihr die Angelegenheit ganz anders als ich und spielt gerne mit den neuen Karten? Dann ist doch alles in Ordnung, spielt weiter! Im Ernst, solange ihr Spaß habt, macht ihr alles richtig. Wenn ihr allerdings ein Problem mit den Karten habt, gibt es mehrere Ansätze.


1: Hausregeln. Spielt Modern mit euren eigenen Regeln, nur halt ohne die Karten aus Modern Horizons. Ehrlicherweise ist das ein Ansatz, von dem ich selbst nicht viel halte. Klar, casual am Küchentisch kann man das machen, aber ein kompetitives Format sollte man in meinen Augen auch so spielen, wie es auf Turniertischen passiert. Dazu würde das, auch wenn es weit verbreitet wäre, zu einer Aufsplittung der Formate führen, was definitiv schaden würde.


2: Die richtigen Decks. Nicht jedes Deck im Modern hat durch Modern Horizons krasse Änderungen erfahren. Burn hat sich bis auf Sunbaked Canyon gar nicht verändert, Tron ist exakt das gleiche Deck wie eh und je, genauso Amulet Titan. Living End spielt zwar Grief und Force of Negation, ist aber im Kern auch noch wie früher. Es gibt sicherlich noch diverse andere Decks, die nicht zur Crème de la Crème gehören, aber immer noch spielbar sind, aber das sind die turnierrelevanten Optionen, die ohne oder mit wenig Modern Horizons immer noch richtig stark sind. Ihr spielt dann zwar immer noch gegen Modern Horizons, aber immerhin müsst ihr das selbst nicht mitmachen.


3: Pioneer. Ja, es ist eine etwas stumpfe Lösung, einfach ein anderes Format vorzuschlagen, aber vielleicht ist Pioneer doch genau das, was im Modern verloren zu gehen droht. Legal ist, was im Standard war. Das Format erlebt ständige, aber langsame Veränderung durch neue Standard Sets. Es ist ein schwächeres Format als Modern, aber ansonsten konzeptuell sehr vergleichbar. Es ist auch nicht abzusehen, dass uns hier allzu schnell ein „Pioneer Horizons“ begegnet. Das Format ist sicher nicht perfekt, aber für Modern-Flüchtlinge wohl die beste Alternative.

Wie seht ihr das? Ist Magic Modern Horizons problematisch? Wenn ja, was sollte man tun?

Verratet es gern in den Kommentaren.

Euer
Berkut

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