Die Decks der XXVII. Magic World Championships

Mit den gerade hinter uns liegenden XXVII. World Championships von Magic: The Gathering haben wir jetzt das erste große Turnier des neuen Standardformats, und vor allem das erste große Turnier nach Einstellung des Ligabetriebs durch Wizards erlebt. Im Folgenden schauen wir uns jetzt mal das Metagame des Turniers an und versuchen herauszufinden, welche Decks die Sieger des neuen Standardblocks sind.

Wir starten mit einer Übersicht aller Decklisten und Archetypen, die bei den Worlds vertreten waren, und schauen uns anschließend die Ergebnisse und die Lehren, die wir aus ihnen ziehen können, etwas genauer an.

Die Archetypen

Das Metagame der Worlds im Überblick

Epiphany-/Control-Decks

Bei Betrachtung der 16 Decks fällt sofort auf, dass 50% des Feldes mit “Epiphany-Decks” an den Start gegangen sind. Hierbei handelt es sich um eine Art Combo- bzw. Control-Deck, das versucht, die Bedrohungen des Gegner zu neutralisieren und zu zerstören. Durch zusätzlichen Carddraw und Copyspells soll dann im Endgame der Vorteil erreicht werden, indem man möglichst viele Kopien von Alrunds Epiphany (bspw. aus dem Kaldheim Draft Booster Display) aneinanderkettet. So kommen viele der Decks komplett ohne Kreaturen im Mainboard aus.
Der Archetyp wurde sowohl als Izzet- als auch als Grixis-Deck gespielt und war in beiden Varianten gleich beliebt bei den Spielern. In den Grixisbuilds wurden in der Regel nur einige der Counterspells gegen mehr Spotremoval und Handdisruption ausgetauscht.

Aggro-Decks

Dem gegenüber stehen die verschiedenen Aggro-Decks, die mit fast 40% im Feld vertreten waren. Die meisten Spieler, die keine Liste mit Alrunds Epiphany spielen wollten, haben sich für Mono-Green oder Mono-White Aggro entschieden, in der Hoffnung die Epiphany-Decks ausschalten zu können, bevor diese eine Chance haben, ihre entscheidenden Sprüche zu wirken. Gerade die Mono-Green-Builds der Aggro-Decks bringen sehr effiziente und starke Kreaturen mit sich, haben jedoch ein Problem mit den Epiphany-Decks zu interagieren, da hier in der Regel nur Kreaturen entfernt werden können.

Alternativ hierzu wurden auch die Mono-White-Builds gespielt. Hier ist die Manakurve etwas niedriger, als in den grünen Decks, und es wird mehr auf Flieger und andere Fähigkeiten gesetzt.
So ist Mono-White nicht nur gegen die Epiphany-Decks, sondern auch gegen Monogrün gut aufgestellt, da Pumpspells und Flieger es auch ermöglichen, mit den größeren Kreaturen der grünen Decks fertig zu werden.

Noriyuki Mori hatte sich für eine Azorius-Tempoliste entschieden. Grundlegend ist das Tempodeck den Mono White-Builds sehr ähnlich, was den Kern des Decks angeht. Jedoch wurden einige der Kreaturen, vorallem aus dem 1-Drop-Slot, gegen mehr Interaktion eingetauscht. Die Hinzunahme von Blau ermöglicht dann, die Liste um Counterspells oder Kreaturen wie den Malevolent Hermit, (aus Innistrad: Mitternachtsjagd Draft Booster Display), der ein Counterspell mit Body ist, zu erweitern, um besser auf die spielentscheidenden Sprüche der Gegner reagieren zu können.

Midrange-Decks

Zwei Spieler hatten sich für mehr oder weniger konventionelle Midrange-Builds entschieden. Jean-Emmanuel Depraz hat ein Temur-Deck ins Feld geführt, das sich am ehesten an Schatzspielsteinen orientiert.
Karten, wie Magda oder Prosperous Innkeeper (aus D&D: Abentuer in den Forgotten Realms Set Booster Display) helfen beim Rampen, um möglichst schnell einen Goldspan Dragon und/oder einen Moonveil Regent aufs Feld zu bringen. Blau ist hier eigentlich nur als Farbsprenkler vorhanden, da der Zugang zu Counterspells nötig ist, damit man den Plan der Epiphany-Decks etwas stören kann.

Das zweite Midrange-Deck im Feld, das Siegerdeck des Turniers von Yuta Takahashi, ist ein Izzet-Dragons-Deck, dass dem Izzet-Deck des letzten Standardsblocks noch recht ähnlich ist. Alrunds Epiphany ist zwar in dem Deck enthalten, spielt hier jedoch keine Schlüsselrolle. Der Sieg wird hier eher durch Kreaturen wie dem Goldspan Dragon und dem Smoldering Egg angestrebt, während Counterspells und rote Removal das Spielfeld möglichst frei halten.

Das Metagame im Überblick

Betrachtet man sich jetzt nur die Aufstellung der teilnehmenden Decks und beachtet erstmal die Ergebnisse des Turniers nicht, fällt schnell auf, dass der Großteil der Spieler damit gerechnet hat, dass die Epiphany-Decks die beste Wahl für dieses Turnier sind. Diese sind sehr stark gegen reine Ramp- und Control-Decks, aber bieten auch genug Interaktion und Möglichkeiten, das Spiel gegen Aggro-Decks lang genug zu überleben.

Der große Rivale der Epiphany-Decks waren die einfarbigen Aggro-Decks, die viele Spieler aufgrund des Tempos und der niedrigen Manakurve in der Lage sahen, die Epiphany-Decks vor den Extrazügen ausschalten zu können. Gerade da die Decks einfarbig sind, hatte man hier auch Zugang zu Karten, wie dem Faceless Haven, der oft eine gute Rückversicherung gegen die Control- und Combo-Decks darstellt.

Die anderen Decks, die jeweils nur einmal vertreten waren, nehmen oft Lücken zwischen diesen beiden Archetypen ein und versuchen die Schwachstellen dieser Decks auszunutzen. Vor Start des Turniers hätte ich persönlich daher Azorius-Tempo in einer guten Lage gesehen, mit dem Rest des Feldes fertig zu werden.

Die Top 4 im Überblick

Nun überspringen wir mal den Freitag und Samstag und schauen uns an, welche dieser Decks sich durchgesetzt und die Top 4 erreicht haben.

Die Top 4 der 27. World Championships

Als erstes fällt sofort auf, dass alle Aggro-Decks aus dem Turnier ausgeschieden sind und es weder die grünen noch die weißen Varianten ins Finale geschafft haben. Das kam für mich persönlich, und auch viele der Spieler, recht überraschend. Entgegen der Erwartung konnten es die Aggro-Decks in der Regel einfach nicht schnell genug schaffen, das Spiel für sich zu entscheiden und wurden zu sehr von Burn- und Counterspells daran gehindert, ihren Plan umzusetzen.
Auch das Azorius-Deck, das ich für einen der Favoriten gehalten hatte, hat es nicht in die Finalrunden geschafft. Neben jeweils einem Temur- und einem Grixis-Build des Epiphany-Decks haben es die beiden Midrange-Decks geschafft, ins Finale einzuziehen und sich gegen die Aggro-Decks durchzusetzen.
Den Sieg erringen konnte schließlich das Izzet-Dragons-Deck und hat es ohne Niederlagen in der Top 4 zum Titel geschafft und insgesamt 10 Siege in 13 Partien erlangt .
Hier ist für euch die komplette Deckliste des Weltmeisters:

Alle Decklisten des Turniers sind auch online einsehbar.

Aber welche Schlüsse lassen sich jetzt für uns hieraus ziehen?

Mein Eindruck der Ergebnisse

Zu Beginn können wir festhalten, dass die Aggro-Decks, die die ersten Wochen des Formats recht eindeutig dominiert hatten, langsam wieder etwas auf dem Rückzug sind. Sie haben zwar noch einen recht starken Stand im aktuellen Meta, sind jedoch bereits von den ersten neuen Decks wieder überholt wurden. Die Beobachtung lässt sich jedoch nach fast jeder Standardrotation machen, da zu Beginn Aggro-Decks in der Regel das Go-to sind, bis sich die ersten neuen Decks und Combos gefunden haben.

Der zweite Punkt, der definitiv ins Auge fallen muss, ist der Fakt, dass das Format derzeit maßgeblich von Alrunds Epiphany mitbestimmt wird.
Es ist nicht nur die meistgespielte Karte des gesamten Formats, sondern dient in den Spielen als Finisher und ist direkt für 2 Farbkombinationen der grundlegende Deckbaustein. Welches Deck ich also auch im aktuellen Standard spielen will, ich muss eine Lösung für die Epiphany bzw. die Combo/Control-Shell finden.

Als letztes bleibt beim Blick auf die Ergebnisse natürlich noch die Feststellung, dass mit Izzet-Dragons ein Deck gewonnen hat, das bis auf wenige Änderungen schon im vorherigen Standard sehr erfolgreich war.
Für jeden, der ein ähnliches Deck im vergangenen Standard gespielt hat, sind das hervorragende Nachrichten, da man sein Deck mit sehr wenigen Anpassungen wieder auf das höchste Niveau hieven kann.
Das lässt durchaus den Schluss zu, dass sich das Standardformat derzeit noch nicht so stark verändert hat, wie sich viele Spieler erhofft hatten.

Was sagt ihr zu den World Championships? Gab es, was die Decks angeht, Überraschungen für euch? Interessiert auch eines der Decks besonders und soll mal genauer vorgestellt werden? Oder haben solche Turniere gar keinen Einfluss auf euch und eure Decks? Erzählt mir gerne mehr in den Kommentaren.
Bis dahin viel Erfolg beim Spielen und eine gute Starthand!

Euer RaolDuke

Über RaolDuke

Magicsüchtig seit Urza´s Saga

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