Magic the Gathering – Highlights aus Iconic Masters!

Laut dem Duden ist eine Ikone eine „Person oder Sache als Verkörperung bestimmter Werte, Vorstellungen, eines bestimmten Lebensgefühls o. Ä.“ Doch welche Magic Karten sind es, von denen Wizards denkt, sie könnten als stellvertretend für das Spiel mit bald 25-jähriger Geschichte verstanden werden? Mir fallen auf Anhieb eine ganze Menge solcher Karten ein, doch lasst uns lieber direkt in das neue Set stürzen! Im folgenden stelle ich euch ein paar Karten aus dem neuen Set Iconic Masters 2017 vor und erzähle euch die Geschichten, die diesen Karten erlauben, in einem so prestigeträchtigen Set reprinted zu werden.

Mana Drain

Eine klassische Karte, die bereits für manche Wutanfälle gesorgt, einer ganzen Gruppe von Karten ihre Bezeichnung gegeben hat und zum Teil dafür verantwortlich ist, dass Blau als stärkste Farbe gilt, ist der gute alte Counterspell. Dieser erschien bereits in Alpha, also der allerersten Edition und erhielt diverse Reprints, zuletzt in Eternal Masters. Schon damals galt er als zu stark, sodass man mit Legends eine „geschwächte“ Variante herausbringen wollte. Das von Mana Drain erhaltene Mana war ursprünglich ein teilweiser Nachteil, da ungenutztes Mana früher den als „Mana Burn“ bekannten Schaden verursachte. Spätestens mit der Abschaffung dieser Regel im Jahr 2009 wurde dieser „Nachteil“ allerdings zum reinen Vorteil, was Mana Drain zusammen mit Force of Will und Daze zu einem der stärksten Counterspells machte und sich somit seinen Status als Ikone vollkommen verdient hat.

Necropotence

Viele von euch haben sicherlich mitbekommen, wie die Eldrazi aus Oath of the Gatewatch dank Karten wie „Eye of Ugin“ oder „Eldrazi Temple“ das Modern-Format im letzten Winter dominierten, was letztlich zum Verbot des „Eye“ im Modern und der Bezeichnung dieser Zeit als „Eldrazi Winter“ führte. Weniger bekannt ist dagegen heute der Sommer des Jahres 1996, welcher als „Black Summer“ in die Magic-Geschichte einging. Grund dafür war hauptsächlich diese Necropotence, welche für nur drei Mana nicht selten zehn Karten (oder mit Karten wie Ivory Tower noch deutlich mehr) ziehen konnte. Dazu kam dann noch Yawgmoth’s Will, was schwarze Decks endgültig zu stark machte und für eines der unausgeglichensten Metagames aller Zeiten sorgte. Die Karte wurde daraufhin gebannt und darf bis heute von Commander abgesehen nur im Vintage gespielt werden, und auch das nur einmal. Es wurden später oft Karten gedruckt, die das Konzept, Lebenspunkte in Kartenvorteil umzuwandeln, aufgriffen und Phyrexian Arena, Yawgmoth’s Bargain usw. werden bis heute in verschiedensten Formaten regelmäßig gespielt.

Channel

Es hört nicht auf mit den overpowerten Karten: Channel erlaubt wie Necropotence, eigene Lebenspunkte in eine andere Ressource umzuwandeln, diesmal Mana. Wie Necropotence ist auch sie nur einmal im Vintage erlaubt und ist für eine klassische Combo bekannt: Channel+Fireball. Letzterer bekommt übrigens auch einen Reprint als Uncommon. In den ganz frühen Tagen von Magic, als man Karten noch öfter als viermal im Deck spielen durfte, konnte man mit einem Black Lotus, welcher das Mana für Channel generiert, einem Gebirge und Fireball den Gegner sehr zuverlässig im ersten Zug besiegen. Diese Combo hat nicht nur einer großen englischen MTG-Website ihren Namen gegeben, sondern auch für die Beschränkung auf vier Exemplare einer Karte im Deck gesorgt.

Elesh Norn, Grand Cenobite/Jin-Gitaxias, Core Augur/ Sheoldred, Whispering One/ Urabrask the Hidden/Vorinclex, Voice of Hunger

Die fünf phyrexianischen Praetoren vertreten in diesem Set einen der ältesten, und ja, auch ikonischsten Bösewichte in Magic: Die Phyrexianer, halb Mensch, halb Maschine. Angeführt von Yawgmoth eroberten sie diverse Planes, unter anderem Mirrodin, welches daraufhin mit dem gleichnamigen Set zum „Neuen Phyrexia“ wurde. Ihr Öl verdirbt alles, was mit ihm in Berührung kommt und infiziert mit Karten wie „Blighted Agent“ nicht nur Figuren im Magic-Universum, sondern auch die Gegner des Infect-Decks. Nach ihrer Übernahme von Mirrodin diktierten diese fünf Praetoren die verdorbene Welt. Doch auch auf Turnieren diktieren die Praetoren manches mal den Spielverlauf: Jin-Gitaxias ist im Legacy ein beliebtes Ziel von Reanimator Decks, ebenso oft auch Elesh Norn und Sheoldred. Daneben werden alle fünf regelmäßig im EDH gespielt, wo ihre Effekte gleich mehrere Gegner klein halten.

Kiki-Jiki, Mirror Breaker

Dieser Goblin-Schamane spielt in der Geschichte von Kamigawa nur eine kleine Rolle: Als Kind von Eltern, die selbst für Goblin-Verhältnisse nicht gut waren, wurde er von seinem Clan verbannt. Auf der Suche nach Nahrung wurde sein magisches Potential von einem Drachen entdeckt, welcher ihm auftrug, vom Mondvolk-Zauberer Meloku eine magische Perle zu stehlen. In Melokus Palast angekommen zerbrach er einen verzauberten Spiegel, wodurch eine Kopie von ihm entstand. So entdeckte Kiki-Jiki sein Talent für Replikationsmagie und ging als großer Magier in die Geschichte Kamigawas ein. Als Karte wurde der „Spiegelzerbrecher“ in Kombination mit „Deceiver Exarch“ oder „Pestermite“ bekannt. Zusammen ergaben diese Karten eine Endlos-Combo, welche schon manches Spiel und auch Turnier im Modern gewonnen haben. Heutzutage wird die Combo auch mit „Restoration Angel“ als Kiki-Chord gespielt, wobei der namensgebende „Chord of Calling“ hilft, die nötigen Karten schnell auf’s Feld zu bekommen.

Lotus Cobra

Wer Magic auch nur etwas kennt, weiß um die besondere Bedeutung des Wortes „Lotus“ in diesem Spiel. Angefangen hat alles in Alpha mit dem „Black Lotus“, der bis heute teuersten und, wie viele sagen, stärksten Karte im Spiel. Doch auch ihre Nachfolger im Geiste wie „Lotus Petal“, „Lotus Vale“, „Gilded Lotus“ oder „Lotus Bloom“ haben sich als starke Karten etabliert und tragen das Erbe des Lotus weiter. Die neueste Karte, die an das Original erinnert, ist dann die Lotus Cobra aus Zendikar. Sie gibt nicht nur Mana einer beliebigen Farbe und kann sich im Kampf mit 2/1 halbwegs behaupten, sondern erzeugt mit Fetchländern wie „Scalding Tarn“ oder einfach „Evolving Wilds“ mehrere Mana in einem Zug. Ihre Geschichte ist allerdings nicht nur positiv: Bei ihrem Release wurde oft kritisiert, sie sei gar keine „richtige“ Mythic. Im Gegensatz zu Karten wie zum Beispiel Child of Alara oder Progenitus, welche mit ebenso gigantischen Effekten wie Manakosten auffielen, war sie nur eine kleine, aber äußerst effektive Schlange. Man wird dazu sicherlich verschiedene Meinungen haben, aber letztendlich macht es keinen Unterschied, denn in Iconic Masters erscheint die Kobra als Rare und wird damit die Sammlungen von noch mehr Spielern erweitern.

Magus of the Moon

Der Magus selbst ist vielleicht nicht so ikonisch, die Karte, auf der er basiert aber umso mehr. Blood Moon ist in fast allen Formaten dafür bekannt, Spieler von vielfarbigen Decks zum verzweifeln zu bringen, und das kann der Magus genauso gut. Auch ist er Mitglied der Magus-Gruppe, welche klassische Karten wie „Future Sight“ als Kreaturen („Magus of the Future“) zurückbrachten. Somit bietet uns auch diese Karte und ihre „Verwandten“ einen großartigen Rückblick in die Geschichte von Magic.

Duress

Was macht schwarz aus? Kreaturen vernichten können andere Farben auch ganz okay, wenn auch mit anderen Methoden. Gleiches gilt für’s Karten Ziehen. Doch Schwarz kann noch eine andere Sache und die wird hier repräsentiert: Die Hand des Gegners angreifen. Man hätte hier auch „Thoughtseize“ nennen können, welche als Rare reprinted wird und meistens besser als „Duress“ ist, aber Duress kam zuerst und kann aktuell in mehr Formaten gespielt werden. Vor „Thoughtseize“ war „Duress“ die beste Karte, um mögliche Combos zu verhindern, bevor sie gespielt werden konnten und wurde als solche oft im Sideboard gegen Combo, aber auch viele andere Decks gespielt. Ihre „moderneren“ Verwandten, „Thoughtseize“ und „Inquisition of Kozilek“, haben sie zwar in kompetitiven Decks fast vollständig ersetzt, trotzdem sollte man nicht vergessen, womit die gezielte Hand Disruption angefangen hat.

Doom Blade

Doom Blade reiht sich mit „Ultimate Prize“ und „Go for the Throat“ in die Geschichte von schwarzen Removals für zwei Mana ein, welche seinerzeit mit „Terror“ begann. Sie wurde, wenn sie im Standard war, in vielen schwarzen Decks gespielt und findet sich auch heute noch in vielen Casual-Decks als zuverlässiges und effizientes Removal. Daneben sorgte Doom Blade in der Community für einen bis heute beliebten Running Gag, „Dies to Doom Blade“. Mit diesem Spruch kann jede Kreatur bedacht werden, die nicht gerade schwarz oder sonst vor Removal geschützt ist. Übertrieben betrachtet heißt dies, dass man im Grunde gar keine Kreaturen spielen sollte, da sie letztlich doch alle irgendwie getötet werden können.

Lightning Helix

Als Magic anfing, gab es einen Cycle von Karten, die „Boons“. Diese waren Instants, die für ein Mana der jeweiligen Farbe irgendetwas, was zu dieser Farbe passte, dreimal taten. Die wohl stärkste Karte daraus war „Ancestral Recall“, welche für ein blaues Mana drei Karten zog und so mitverantwortlich dafür ist, dass Blau als stärkste Farbe gilt. Neben „Giant Growth“ und „Dark Ritual“ gab es dann noch „Lightning Bolt“, welche bis heute als recht stark gilt und „Healing Salve“, welche zu den schlechtesten Karten überhaupt gehört. „Lightning Helix“ ist nichts anderes als eine Kombination der beiden letzten Karten in einer. Wie sich herausstellt, ist es gar nicht mal so schlecht, drei Lebenspunkte zu heilen, wenn dies mit einem relevanten Effekt einhergeht.

Doch die Erinnerung an eine der klassischsten Kartengruppen ist nicht das einzige, was „Lightning Helix“ ikonisch macht: Wir drehen die Uhr gut zehn Jahre zurück, zur Pro Tour 2006 in Honolulu: Im Halbfinale sitzen sich Craig Jones und Olivier Ruel gegenüber. Olivier hat noch sieben Lebenspunkte und die bessere Position auf dem Feld, Craig Jones ist auf drei Lebenspunkten. Statt die Karte „Char“ auf eine gegnerische Kreatur zu spielen und so länger zu überleben, entscheidet Craig sich, Olivier die vier Schadenspunkte reinzudrücken, sodass dieser nur noch drei Lebenspunkte hat. Craig’s Zug beginnt, er sieht sich die oberste Karte seines Decks an, wirft sie nur auf den Tisch und Zuschauer wie Kommentatoren flippen aus: Es ist Lightning Helix, welche das verloren geglaubte Spiel zu Craig’s Gunsten dreht! Diese eine Karte hat Craig Jones das Halbfinale und damit $16.000 gewonnen. Seitdem gilt dieser Moment als „Topdeck of the century“.

Ich hoffe sehr, euch hat dieser kleine Rückblick gefallen und vielleicht habt ihr ja auch etwas neues gelernt.

Euer Berkut

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