Es ist Ferien- und Urlaubszeit. Das Schuljahr ist vorbei, alle wollen in den Urlaub oder zumindest ins Freibad oder an den nahegelegenen Baggersee. Die Uhren laufen langsamer, die Betriebe sind leerer und Wiesen und Bäder voller. Auch Yugioh macht ein wenig Pause. Aber wie schon Casanova sagte: „Wer seine Hände in den Schoß legt, muss deshalb nicht untätig sein.“ Daher habe ich heute einige Tipps für euch, wie ihr die Zeit der Entschleunigung trotzdem sinnvoll nutzen könnt.
Was erwartet euch heute?
Heute geht es mal ausnahmsweise nicht um ein konkretes Produkt und auch nicht um bestimmte Decks. Ja, es geht nicht mal um Yugioh-Karten im eigentlichen Sinne. Stattdessen möchte ich euch einige Ideen an die Hand geben, wie ihr die nächsten Wochen nutzen könnt auch ohne dafür Geld in teure Decks oder neue Produkte stecken zu müssen. Es soll vielmehr um ein paar strukturelle Themen gehen, etwa darum, wie ihr Ressourcen schaffen und euch auf kommende Formate und Veranstaltungen vorbereiten könnt.
Dabei bleibt natürlich immer die Frage, ob ihr nur als Sammler oder auch als Spieler dieses wunderbare TCG lebt. Insofern mögen nicht alle Ideen für alle etwas Passendes sein, aber mein Anspruch ist es ja, eine möglichst breite Gruppe an Interessenten mit meinen Artikeln anzusprechen – also sucht euch einfach das aus, was für euch interessant ist und ich verspreche, mich heute ungewöhnlich kurz zu halten.
Sparen


Dass Yugioh ein teures Hobby sein kann, muss ich euch nicht extra sagen. Daher schadet es nicht, den eher spärlichen August zu nutzen und ein wenig Budget für kommende Sets anzusparen. Ob Sammler oder Spieler, spätestens ab September könnt ihr wieder kräftig in glitzernde Pappkarten investieren. Ja, im August erscheinen die Legendary Arc-V Decks – aber während ich diesen Artikel schreibe, ist über das Produkt noch recht wenig bekannt und generell richten sich die Legendary Decks tendenziell eher an Einsteiger und Rückkehrer, die für kleines Geld ein spielbares Deck besitzen wollen. Die enthaltenen Reprints und Staples könnt ihr euch dann bei Bedarf immer noch als Einzelkarten zulegen – wirklich viel Geld verlangt euch das nicht ab.
Im September hingegen erscheint dann mit Magnificent Monsters das spannendste Set des Jahres und das liegt daran, dass hier endlich die Grand Master Rares Einzug ins TCG halten.
Grand Master Rares sind eine neue Form der Extended Art Karten, die mit einer Seriennummer von 1 bis 100 versehen sind. Und ja, das bedeutet tatsächlich, dass es diese Karten im gesamten europäischen Raum nur 100 Mal gibt und jede Seriennummer einmalig ist. 18 der Karten des Sets sind ebenfalls als Grand Master Rare aufgelegt, was bedeutet, dass es in ganz Europa gerade einmal 1800 Exemplare dieser Seltenheitsstufe gibt und ihr könnt euch vorstellen, dass sich alle die Finger danach lecken: Sammler wollen die Karten besitzen und Spieler könnten durch einen Verkauf ihr Hobby auf Lebzeiten finanziert.
Nun ist die Chance, eine Grand Master Rare zu ziehen, natürlich verschwindend gering und keineswegs sollte das die Erwartung sein, mit der ihr in Booster und Displays investiert. Abgesehen davon hat das Set aber auch viel Spannendes zu bieten, etwa neuen Support für bekannte Deckthemen, weitere Extended Art Karten in Ultra Rare und Starlight Rare und coole Reprints. Mein Highlight ist dabei, neben den offensichtlichen Kandidaten, Waboku: Nach 24 Jahren bekommt diese nostalgische Karte nun ihren ersten Holo-Print und ich finde, das hat sie mehr als verdient!
Wenn ihr das Set auslasst, habt ihr einen Monat länger Zeit zu sparen, denn im Oktober kommt dann mit Beyond the Brave das nächste große Set, das dann auch wieder einige generische Staples und spannenden Support mitbringt.
Selbst wenn ihr aus Magnificent Monsters nicht viel braucht und euch der Grand Master Rare Hype kalt lässt, werdet ihr vermutlich bei Beyond the Brave wieder zuschlagen wollen. Es schadet also nicht, dafür gezielt ein wenig Budget zu generieren.
Die Sammlung reorganisieren
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich bin eher von der chaotischen Sorte. Beruflich brauche ich zu Hause einen eigenen Arbeitsplatz und der teilt sich seine Fläche mit haufenweise Karten, Hüllen, Spielmatten und vollen und leeren Deckboxen. Mein To-Do für den Sommer ist also definitiv, meine Sammlung mal ein wenig aufzuräumen. Das ist bisweilen ein größeres Unterfangen, denn das schließt bei mir ein, dass ich erst einmal ein Organisationssystem für Common-Bulk und Holo-Bulk finden muss. Bisher lagere ich alles in alten (teilweise SEHR alten!) Tin-Boxen, aber ein System hat das nicht.
Und dann sind da noch die verschiedenen Binder: Ich habe da zunächst einen Binder mit Tauschkarten. Da ist nicht viel Wertvolles drin, aber meine Lieblingskarten habe ich in allen Seltenheitsstufen und dazu gehören Aluber der Narr von Despia, Gefallener von Albaz und Wächter-Schimäre. Ansonsten ruhen da die Überreste alter Decks, also Karten, die man einfach nicht mehr spielt – eher unspektakulär also.
Je nachdem, wie ihr eure Sammlung organisiert oder ob ihr gar keine Sammlung im klassischen Sinne besitzt, weil ihr ausschließlich am aktiven Spielen interessiert seid, kann die Sommerpause eine willkommene Gelegenheit sein, um mal Ordnung in die Ordner zu bringen. Vielleicht besitzt ihr mehrere Deck-Cores, die ihr gerade nicht aktiv spielt – also schaut doch mal, ob die noch auf dem aktuellen Stand sind oder verkauft Karten, die ihr nicht mehr braucht. Das tut dem Budget gut und hilft dabei, die Sammlung etwas zu entschlacken und Platz für Aktuelles und Neues zu schaffen.
Staples zulegen



Ich habe bei mehreren Gelegenheiten ja schon darüber gesprochen, dass ihr unbedingt einen Staples-Ordner führen solltet, in dem ihr generische Karten bestenfalls als Playset lagert. In den nächsten Monaten werden wir einige spannende Staples dazubekommen, wenn ihr also noch keinen Binder für eure Staples besitzt, wäre das allerhöchste Zeit.
Ich selbst führe drei Binder: Meinen bereits erwähnten Sammelbinder, dann natürlich einen Ordner mit Staples und einen Engine-Binder. Vor einiger Zeit habe ich beschlossen, mir gezielt Engines zuzulegen, die irgendwann mal relevant waren und mittlerweile günstig zu haben sind. Darin finden sich Engines wie Therion, Abenteurer oder Diabellstar. Die meisten sind zwar aktuell eher unwichtig, aber gerade Diabellstar konnte ich jetzt für mein Ritual von Licht und Finsternis Deck entstauben und mit Azamina zusammenwerfen. Es ist immer unheimlich befriedigend, wenn man Karten, die man schon ewig besitzt, wieder einsetzen kann und dafür nicht extra Geld ausgeben muss.
Die Empfehlung für Staples gilt also auch für Engines: Legt sie euch zu, auch wenn ihr aktuell keinen Bedarf habt. Handtraps, Boardbreaker und Engines kommen und gehen, gewinnen und verlieren an Relevanz. Sie zu besitzen, schadet aber nie. Aufpassen solltet ihr nur, dass ihr sie rechtzeitig verkauft, wenn ein Reprint aussteht.
Karten wie Dominus-Impuls oder Dominus-Säuberung könnten langsam mal einen günstigen Reprint bekommen und ich kann mir vorstellen, dass das nicht mehr lange dauert. Wenn ihr diese Karten also besitzt und gerade nicht aktiv spielt, könntet ihr über einen Verkauf nachdenken und sie euch dann nach dem Reprint für sehr viel weniger Geld erneut zulegen. Aber das ist immer ein gewisses Glücksspiel, eine Garantie gibt es nicht, ergo kann ich euch auch keine eindeutige Empfehlung aussprechen.
Klar empfehlen kann ich hingegen, dass ihr euch Staples und Engines kurz nach einem Reprint holt. Dann sind die Preise meist am niedrigsten und gerade Karten, die im Advanced-Format aktiv gespielt werden, legen im Laufe der Zeit immer wieder im Preis zu.
Üben
Wenn ihr das TCG aktiv spielt und Turnierambitionen besitzt, dann lohnt es sich, in die eigenen Spielfähigkeiten zu optimieren. Nun ist es in den OTS-Stores dieser Tage oft heiß und stickig, viele verbringen ihre Zeit lieber draußen und einige Stores bieten aufgrund der geringeren Nachfrage in dieser Zeit auch gar keine Locals an. Wenn auch die eigenen Freunde lieber im Freibad verweilen als am Duelltisch, dann bleibt nur ein Weg: Online-Duelle. Master Duel ist da intuitiv die erste Anlaufstelle, aber das ist nur bedingt geeignet: Master Duel verfügt nicht über denselben Kartenpool wie das TCG und spielt nach einer anderen Banlist. Wollt ihr eure Spielfertigkeit im Advanced-Format optimieren, solltet ihr daher lieber auf andere Online-Simulatoren zugreifen. Bei der Recherche werdet ihr hier vermutlich über mehrere Alternativen stolpern, die ich euch heute kurz vorstellen möchte:
YGOPro: The Dawn of a New Era

Das war lange Zeit mein bevorzugter Simulator, weil ich den einfach immer als am übersichtlichsten empfunden habe. Das Programm installiert ihr auf eurem PC und nutzt es als Anwendung. Das klingt erst einmal ganz gut, schweren Herzens muss ich euch zum aktuellen Zeitpunkt von YGOPro dennoch abraten und das hat zwei Gründe: Der erste ist der schwerwiegendere, denn das Programm erhält seit etwa einem Jahr keine Updates mehr. Das bedeutet, alle Decks, die seit Sommer 2025 erschienen sind, sind in dieser Anwendung nicht spielbar und auch die Banlist wird nicht aktualisiert. Hier halten sich die Spieler zwar in stummem Konsens an die aktuellen Verbote und Limitierungen, aber es ist schon extrem unbefriedigend, wenn man die ganzen coolen neuen Decks nicht spielen kann. Das Programm wird von Fans unentgeltlich administriert und irgendwie ist es schon nachvollziehbar, dass das echte Leben nicht immer den Raum bietet, sich mit einer derart zeitintensiven Nebentätigkeit wie der ständigen Aktualisierung eines Simulators eines so schnelllebigen TCGs zu befassen, aber für die Nutzer ist es dennoch frustrierend.
Der zweite Grund, warum dieses Programm für Optimierung der Spielfähigkeit eher ungeeignet ist, liegt in der Mechanik des Simulators selbst: Der zeigt euch immer an, welche Möglichkeiten ihr habt und lässt euch nur diejenigen Aktionen durchführen, die spieltechnisch auch möglich sind. So erfahrt ihr beispielsweise automatisch, wann ihr eine Handtrap werfen könnt – ob das dann sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt.
Dueling Nexus

Dueling Nexus ist eine browserbasierte Anwendung, was den Vorteil hat, dass ihr das Programm von überall aus nutzen könnt und keine local installierte App braucht.
Dueling Nexus ist auf dem aktuellen Stand, was Karten und Decks angeht und das ist schon mal ein immenser Vorteil gegenüber YGOPro. Ich persönlich empfinde das Layout der Seite aber als sehr viel unübersichtlicher als YGOPro, was auch an den vielen Werbebannern liegt, die sich auf der Seite finden – aber klar, irgendwie muss sich schließlich so ein Simulator auch finanzieren. Immerhin: Im tatsächlichen Duell finden sich keine Werbebanner, die euch vom Geschehen ablenken, insofern ist das schon zu verschmerzen – schränkt aber die Benutzerfreundlichkeit schon nennenswert ein.
Wie auch YGOPro, so gestattet auch dieser Simulator nur Spielzüge, die regelkonform sind und weist auch immer darauf hin, wenn ihr zum Beispiel auf eine gegnerische Aktivierung reagieren könnt. Das ist natürlich recht angenehm, hilft aber nur bedingt dabei, echte (also analoge) Spielzüge zu üben, wo ihr diese Unterstützung eben nicht habt.
Wenn ihr aber einfach ein neues Deck testen oder Combo-Lines üben wollt, dann ist Dueling Nexus keine schlechte Wahl. Gerade wenn es darum geht, ein Deck neu zu lernen, ist man ja über jede Hilfe froh – erst recht dann, wenn eben sonst niemand verfügbar ist, der einem unter die Arme greifen kann.
Duelingbook

Ganz anders sieht es da bei der Browseranwendung von Duelingbook aus.
Das Programm wird gemeinhin als etwas laggy empfunden, hat aber den großen Vorteil, dass jede Aktion explizit angegeben werden muss und ihr die Regeln und möglichen Züge wirklich beherrschen müsst, um hier Erfolg zu haben. Die Benutzeroberfläche ist recht übersichtlich aber eben, wie gesagt, nicht übermäßig stabil. Der große Vorteil ist außerdem, dass ihr hier nicht automatisch erkennt, wenn der Gegner auf eure Aktionen reagieren kann. Sowohl Dueling Nexus als auch YGOPro fragen den Gegner, sofern das möglich ist, ob er auf eine Aktion reagieren möchte. Das sieht natürlich auch der Zugspieler und kann so ableiten, was der Gegner möglicherweise auf der Hand oder dem Feld hat. Duelingbook kommt damit echten Duellen am nächsten, durch die zahllosen Optionen empfinde ich die Bedienung hier aber am mühsamsten. Dennoch: wenn ihr euch auf reale Duelle vorbereiten wollt, dann seid ihr hier am besten aufgehoben.
Nicht gemachte Hausaufgaben werden im Klassenbuch vermerkt!
Ich hatte mir fest vorgenommen, mich dieses Mal sprachlich etwas zu bescheiden und nun ist dieser Artikel doch wieder so lang geworden. Aber vielleicht habt ihr jetzt Ideen oder Anregungen, wie ihr den Sommer mit Yugi-Content füllen wollt und wie ihr auch ohne Produkte und Turniere dem Hobby nachgehen wollt. Meine Hausaufgabenliste ist jedenfalls lang: Ich muss dringend meine Sammlung ordnen, einige Decks komplettieren (wenn Dunkler Magier der Zerstörung doch nur nicht so gottlos teuer wäre…) und mich von einigen Karten trennen. Und vielleicht, ganz vielleicht, bleibt zwischendrin auch noch ein bisschen Zeit für Urlaub – also wundert euch nicht, wenn ihr in den nächsten Wochen weniger von mir hört. Spätestens zum Review zu Magnificent Monsters bin ich wieder zurück!
Schöne Sommerferien wünscht euch
Euer
Hyozan



