Yugioh – Nach 6 Jahren wieder Meta? Shaddoll Invoked!

Grüße, Freunde des Deja-Vús und willkommen zur Berichterstattung über einen „überraschenden Newcomer“, welcher denjenigen unter euch, welche diesen Höllentrip bereits seit 2014 mitmachen, einen vertrauten Schauer über den Rücken jagt: Die Schattenpuppen sind zurück! Und diesmal haben sie sich Verstärkung mitgebracht.

Der Ursprung

Doch was genau sind die Schattenpuppen (engl. Shaddoll, Zusammenziehung aus Shadow und Doll, duh) eigentlich? Shaddolls sind ein fusionsbasierter Archetype aus (bisher…) Flipp-Finsternis-Maindeck-Monstern des Typs Hexer und Extra-Deck Monstern diverser Attribute, welche jeweils eine Schattenpuppe und ein Monster ihres jeweiligen Attributs verlangen. Die meisten Shaddoll-Maindeck-Monster besitzen ebenfalls einen Effekt welcher ausgelöst wird, falls sie durch einen Karteneffekt auf den Friedhof gelegt werden. (Beispielsweise eine Fusionsbeschwörung durch einen Fusionszauber oder ein Discard, der keine Kosten darstellt.)

Wie ihr euch vorstellen könnt, wurden die Flippeffekte der jeweiligen Monster schon 2014 nicht so häufig wie die Friedhofseffekte verwendet, dennoch haben Karten wie Shaddoll Falco (welcher entweder sich selbst oder auf Flip hin ein anderes Shaddoll-Monster verdeckt wiederbelebt hat) ausgesprochen oft dafür gesorgt, dass die Flippeffekte das Tageslicht sehen.

Für die neueren Jahrgänge eine kleine Geschichtsstunde: Shaddolls stammen aus einem der beliebtesten Formate der vergangenen Jahre, dem Duelist Alliance Format, welches 2014 begann. Dieses war eine Art „Trinity“ Format, bestehend aus Burning Abyss, Qliphort und Shaddoll.

Duelist Alliance überarbeitete damals das komplette Metagame und wird auch heute noch als eines der einflussreichsten Mainsets aller Zeiten angesehen. Shaddolls haben sich während dieses bestimmten Formats ihren Status als Fan-Favorit erarbeitet, bis die Anpassungen der Banlist ihnen einen Strich durch die Rechnung machten.

Der Sargnagel wurde den Shaddolls dann im November 2015 verpasst, als das Bossmonster und die derzeit beste Fusion El-Shaddoll Construct verboten wurde. Was einige nicht wissen, ist dass wir auch das Verbot von Superpolymerisation im Januar 2015 den Shaddolls zu verdanken haben. Damals gab es noch keine generischen Fusionsmonster wie Hungergift-Fusionsdrache, Helden waren der dampfende Misthaufen, welcher sie heute ohne den neuen Support auch noch wären und die Fähigkeit der Shaddolls Monster nahezu jeden Elements zu einem eigenen Boss zu verwursten und Superpoly in der Battle Phase mit Anchain-Verbot für einen OTK zu zünden war… unangenehm, vorsichtig ausgedrückt.

Die nächste Stufe

Doch jetzt sind sie wieder da. Neulich erst wurde im OCG, also dem japanischen Raum, ein Voting abgehalten, welcher Archetype ein Structure Deck mit neuem Support erhalten sollte. Der Sieger war, wie ihr euch denken könnt, Shaddoll.

Auch wenn das ganze mehr eine Faux war, um den Kaufwillen der Kundschaft abzufragen und Konami höchstwahrscheinlich sämtliche aufgelisteten Archetypes zu Structures machen wird (bestätigt dadurch, dass die Sacred Beasts Uria, Hamon und Raviel sowie die Charmer Eria, Wynn, Hiita und Aussa ebenfalls Decks angekündigt bekommen haben, obwohl sie nicht gewonnen haben).

Denn der Sieger ist vor Kurzem auch bei uns im TCG veröffentlicht worden, dem Structure Deck Shaddoll Showdown, welches ihr neben anderen euch möglicherweise fehlenden Yugioh Karten auch in unserem Shop erwerben könnt. Das Deck stellt insgesamt fünf neue Shaddoll-Karten vor, welche den Archetype entsprechend boosten:

El-Shaddoll Apkallone ist ein neues Fusionsmonster, welches lediglich zwei Schattenpuppen mit verschiedenen Attributen verlangt. Auf ihre Fusionsbeschwörung hin kann der Spieler eine Karte auf dem Feld wählen und ihre Effekte (permanent) negieren.

Sämtliche Shaddoll-Fusionen haben den Effekt, eine Shaddoll-Zauber/Fallenkarte vom Friedhof wieder auf die Hand zu nehmen. Apkallone bildet da eine Ausnahme: Verlässt sie das Feld, kann der Spieler eine „Shaddoll“-Karte vom Deck auf die Hand nehmen und muss dann eine Karte abwerfen (was die Effekte der Schattenpuppen auslöst, wie die Aufmerksamen unter euch bemerkt haben sollten).

Reeshaddoll Wendi ist das stärkste Mitglied des neuen Supports: Wird sie durch einen Karteneffekt auf den Friedhof gesendet, specialt sie eine Schattenpuppe verdeckt aus dem Deck. Ihr Flippeffekt ermöglich genau dasselbe, allerdings offen oder verdeckt. Nur einer dieser Effekte kann pro Spielzug verwendet werden. Meistens wird das Monster, welches Wendi beschwört, selbst für eine Fusionsbeschwörung verwendet, weshalb die verdeckte Position irrelevant ist. Davon abgesehen brechen sie und die anderen zwei neuen Mitglieder, Naelshaddoll Ariel und Qadshaddoll Keios, die Tradition der Shaddolls, da Wendi und Ariel weder Finsternis noch Hexer sind und Keios immerhin nicht Finsternis.

Naelshaddoll Ariel ist ein One-Off. Ihr Effekt ist stark, aber erfordert Setup in einer Combo und ihr Send-Effekt ist zu spezifisch. Auf Flip hin beschwört Ariel eine verbannte Schattenpuppe in offener oder verdeckter Verteidigung. Prinzipiell sehr gut, allerdings hat das Deck (noch) außer der Invoked-Engine, weiteren Kopien von sich selbst und der neuen Fallenkarte keine Möglichkeiten, Schattenpuppen zu banishen. Ihr Send-Effekt erlaubt es bis zu 3 Karten in beliebigen Friedhöfen zu wählen und aus dem Spiel zu entfernen. Generell solide, da es eine Vielzahl an Möglichkeiten gibt, den Effekt auszulösen, allerdings ist seine Effizienz abhängig vom Matchup.
Auch Ariel kann nur einen ihrer Effekte pro Spielzug benutzen.

Qadshaddoll Keios Effekt ist Müll. Ich will nicht lange um den heißen Brei herumreden. Der Flippeffekt beschwört eine Schattenpuppe aus der Hand, der Send-Effekt pusht alle aktuell auf dem eigenen Feld anwesenden Monster um 100 mal des Levels der Schattenpuppe, welche ihr für diesen Effekt abwerfen müsst. Das sind wenigstens keine Kosten, aber besser macht es ihn trotzdem nicht.

Keios generiert keinen Advantage und löst nur Effekte aus, welche ihr selbst effizienter aktivieren könntet, dennoch spielen ihn manche Spieler in den neuen Varianten des Decks einmal. Warum? Weil er eine LICHT-Schattenpuppe ist. Die Einzige, genaugenommen. Dies ermöglicht seine Beschwörung durch Wendi und die darauffolgende Verwurstung in das beste Werkzeug des Archetypes: El Shaddoll Construct, welches eine Schattenpuppe sowie ein Licht-Monster verlangt.

Resh-Shaddoll Incarnation, die neue Fallenkarte des Archetypes wird aktuell größtenteils als One-Off für eine der Startercombos verwendet, da El Shaddoll Construct eine Shaddoll-Karte vom Deck auf den Friedhof senden kann, was diese Falle mit einschließt. Ihr herkömmlicher Feldeffekt erlaubt die Wiederbelebung einer Schattenpuppe (wie üblich, in offener oder verdeckter Verteidigungsposition). Ihr Friedhofseffekt verbannt sie selbst sowie eine Schattenpuppe als Kosten vom Friedhof, um dann eine Schattenpuppe auf dem Spielfeld entweder auf- oder zuzuflippen.

Aktuell dient dieser Effekt hauptsächlich dazu, das Konstrukt, was sie gesendet hat, zu verbannen, um eine von Wendi verdeckt beschworene Ariel aufzudecken, welche dann das soeben verbannte Konstrukt zurückbeschwört, damit ihr Effekt erneut verwendet werden kann.

Denn das ist ein weiterer Clou für den aktuellen Erfolg des Decks auf diversen Regional Qualifiern sowie der kürzlich stattgefundenen YCS Utrecht: Im OCG hat El Shaddoll Construct ein Errata erhalten, welches ihren Effekt auf ein Hard-Once-per-Turn beschränkt, bevor sie von der Liste der verbotenen Karten entfernt wurde. Hier im TCG war dies nicht der Fall, demnach kann Konstrukt beliebig oft verwendet werden, je nachdem wie oft ihr es schafft, sie zu beschwören.

Beispiels-Deckliste

Monster (21)

Zauber (18)

Fallen (1)

Extra Deck (15)

2x Nibiru, das Urwesen

3x Schattenpuppen-Fusion

1x Resh-Schattenpuppen Inkarnation

1x Grosalamander Almiraj

2x Schattenpuppe Ungeheuer

2x Beschwörung

 

1x Sichere Wache

2x Schattenpuppe Squamata

3x El-Schattenpuppen-Fusion

 

1x Strickschaf

2x Schattenpuppe Igel

3x Superpolymerisation

 

1x Schwerkraftbeherrscher

1x Schattenpuppe Drache

1x Landformen

 

1x Aleister der Beschwörer des
Wahnsinns

3x Reeschattenpuppe Wendi

1x Törichtes Begräbnis

 

1x Albtraumritter Einhorn

1x Naelschattenpuppe Ariel

2x Kosmoszyklon

 

1x Kalliberschwert Drache

3x Aleister, der Beschwörer

3x Magische Schmelze

 

2x El-Schattenpuppe Winda

1x Künstlerkumpel Trickclown

   

2x El-Schattenpuppe Konstrukt

1x Künstlerkumpel Schadensjongleur

   

1x El-Schattenpuppe Apkallone

3x Aschenblüte & Freundiger Frühling

   

1x Beschworener Purgatrio

     

1x Beschworener Mechabah

     

1x Beschworener Caliga

Diese Deckliste soll bei weitem nicht das non plus Ultra sein, sondern lediglich ein Beispiel, wie ein Invoked Shaddoll Deck aufgebaut werden kann. Doch prinzipiell kann ich einige wichtige Grundlagen des Decks daran erklären: Nibiru dient einmal als wichtiges Licht-Target für El-Schattenpuppe Konstrukt und zusätzlich als Disruption. Die meisten Spieler spielen nicht im ersten Game um Nibiru herum und solltet ihr eigene Schattenpuppen-Fusionen mittributen, erstatten diese nur ihre Fusionszauber zurück.

Trickclown und Schadensjongleur erfüllen einen ähnlichen Job als sich ersetzende Licht-Monster für Konstrukt, welche auch für das enorm wichtige Strickschaf weggelinkt werden können.

Superpolymerisation agiert als generisch starke Disruption und gute going-2nd Karte, da das Extra Deck effektiv (nach der Normalbeschwörung einer Schattenpuppe, da Superpoly nur Ziele vom Feld verwenden kann) voller Targets ist. Eine Verwendung in der Battle Phase zwecks OTK oder zur Beschwörung von Apkallone als Spot Negation ist ebenfalls zu empfehlen.

Kosmoszyklon ist im Deck zwingend notwendig. Manche Spieler mit einer höheren Anzahl von Shaddoll-Monstern im Maindeck ersetzen ihn durch Paleozoischer Dinomischus, da dessen Discard keine Kosten sind und somit Shaddoll-Effekte triggern können, doch der Zweck bleibt derselbe:
Backrow Removal. Denn wenn dieses Deck eine riesige, leuchtende Schwäche hat, dann ist es die allgemein gehasste Mystische Mine. Mit Drache besitzt das Deck zwar ein Archetype-eigenes, allerdings unter Mine nicht verwendbares Out auf Backrow, weshalb Hilfe von außerhalb unabdingbar ist.

Sichere Wache dient dem Zweck, dass Aleister der Beschwörer ein 1-Karten Mechabah ist. Auch wenn Sichere Wache nicht als Linkmaterial verwendet werden kann, spricht nichts gegen eine Verwendung als Fusionsmaterial. Aleister erst in Almiraj, dann Almiraj in Wache zu linken führt dabei zum gewünschten Ergebnis.

Und wie spielt man das Ganze jetzt?

Eine unangenehme Frage, da Shaddoll Invoked ein Toolbox-Deck ist. Die jeweiligen Combos und die Endboards zu denen sie führen sind stark von euren Starthänden abhängig – Komplett davon abgesehen würde ein Schritt-für-Schritt Combo-Tutorial den Rahmen dieses Artikels sprengen.
Eine Interaktion, um die sich allerdings Vieles dreht, ist der weiter oben erwähnte Trick aus Ariel und Wendi, welcher es erlaubt, eine beliebige verbannte Schattenpuppe wieder aufs Feld zu befördern.

Ein Großteil der Combos macht sich die Tatsache zunutze, dass „Beschwörung“ auch als normale Polymerisation benutzt werden kann, um beispielsweise El-Schattenpuppe Konstrukt zu beschwören, El-Schattenpuppen Fusion auf den Friedhof zu senden und dann Konstrukt sowie den normalbeschworenen Aleister in Strickschaf wegzulinken.
Der Friedhofseffekt von Konstrukt fügt euch die El-Schattenpuppen Fusion direkt der Hand hinzu. Verwendet ihr diese, könnt ihr damit Strickschafs Effekt auslösen, um weiter euren Ressourcenpool zu vergrößern.

Die Boards sind vielfältig und je nachdem wogegen ihr spielt ist ein Setup effektiver als ein anderes. Euch stellen sich durchgehend Fragen: Ob ihr die El-Schattenpuppe Winda, welche als wandelndes Floodgate euer stärkstes Instrument gegen das Metagame darstellt, direkt in eurem Turn baut, oder durch eine gesetzte El-Shaddoll Fusion oder Superpolymerisation erst im gegnerischen. Ob ihr vielleicht Ariel liegen lassen und im Gegnerzug wegfusionieren wollt, um ihm Ressourcen aus dem Friedhof zu entfernen.

Shaddoll Invoked ist definitiv kein leicht zu spielendes Deck und erfordert eine verhältnismäßig große Menge an taktischen Entscheidungen. Wer in diesem Format auf einen der stärksten, aber auch kompliziertesten Kandidaten setzen möchte, dem kann ich wirklich nur reine Übung ans Herz legen. Übung, Lesen und das ein- oder andere Tutorial auf YouTube, in welchem erfahrene Spieler Combos für bestimmte Endboards erklären.
Ein weiterer Grund, warum ich hier keine expliziten Combos listen möchte: Davon abgesehen, dass ich das Deck selbst nicht spiele und nicht für deren maximale Effizienz oder Korrektheit garantieren könnte, gibt es sehr verschiedene Weisen die Endboards des Decks anzugehen:

Manche Spieler verwenden Apollousa als zusätzliche Disruption. Einige verwenden Mekk-Ritter Crusadia Avramax, um ihre Winda auch vor Kampf zu beschützen. Wieder andere zielen auf Mechabah/Caliga + Winda Boards ab. Vielfalt und Kreativität werden hier also groß geschrieben.

Doch das soll es vorerst von mir gewesen sein. Ich hoffe, der kleine Einblick in das neue Innenleben eines alten Bekannten hat euch gefallen und wir sehen uns im nächsten Artikel.

M-Luka.

Über M-Luka

Student aus NRW, seit 9 Jahren leidenschaftlicher Duellant.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.