Brennende Leidenschaft – Die Geschichte der roten Aggro und Burn Decks

Liebe Leser! Zwischen den ganzen Set Reviews und Kommentaren wollte ich euch auch mal einen etwas kreativeren Artikel schreiben. Das Thema soll eines meiner liebsten Magic Decks sein, Burn. In dieser kleinen Geschichte werde ich definieren, was rote Aggro Decks im Laufe der Zeit auszeichnete und auszeichnet, in welchen Formaten sie vertreten sind, welche Unterarten es gibt und einiges mehr! Seid gespannt!

Die Karten – Spells

Wenn man das Burn Deck mit nur einer Magic Karte zusammenfassen wollte, ist diese Karte unbestreitbar Lightning Bolt. Drei Schaden auf ein beliebiges Ziel für ein Mana sind und waren immer gut und bilden den Grundstein in jedem roten Aggro Deck. Der Bolt, wie er oft auch nur abgekürzt wird, ist sogar so gut, dass er diverse Nachahmer bekommen hat, die alle irgendwie ein wenig schlechter sind: Lightning Strike, Volcanic Hammer, Incinerate und Incendiary Flow kosten zwei Mana, sind aber trotzdem zumindest im Standard spielbar.

Besser sind die Kandidaten, die nur ein Mana kosten, dafür aber irgendeine Bedingung haben: Skewer the Critics ist der neueste Teil aus Ravnica Allegiance nach Chain Lightning, Lava Spike, Rift Bolt, Shard Volley und Collateral Damage.

Dann gibt es noch die Karte, die 1998 zum ersten Mal in Stronghold gedruckt wurde und den „zu starken“ Lightning Bolt ersetzen sollte: Shock. Einen Schaden weniger macht sie zwar bedeutend schlechter als den Bolt, aber wie auch die 2-Mana-Bolts sind sie zumindest im Standard sehr spielbar.

Neben den ganzen Abwandlungen des Bolts gibt es auch noch diverse andere Zaubersprüche, die über die Jahre ihren Weg in zahlreiche Decks gefunden haben: Wann immer blau stark im Meta war, hat man versucht, das mit Red Elemental Blast oder Active Volvano zu kontern. Karten, die den Gegner wie zum Beispiel Manabarbs bestrafen, machen auch oft Sinn. Daneben kommt manchmal auch ein wenig Land Destruction vor, zum Beispiel in Form von Molten Rain oder (mittelbar) Blood Moon.

Die Karten – Kreaturen

Neben den Zaubersprüchen spielen immer auch ein paar Kreaturen eine Rolle. Diese zeichnen sich in erster Linie durch niedrige Manakosten bei hohem offensiven Potential aus. Stellvertretend für diese kann Jackal Pup stehen: 2/1 für ein Mana ist immer gut, und die eigenen Lebenspunkte sind nicht so wichtig, wenn man das aggressivere Deck spielt. Die vielleicht beste Kreatur im Modern Burn ist der Goblin Guide: 2/2 Haste für ein Mana ist wahnsinnig effizient, und der „Nachteil“ ist nicht selten sogar ein Vorteil, da man zusätzliches Wissen erlangt. Daneben ist auch alles gut, was die hohe Anzahl an Spells unterstützt, insbesondere Monastery Swiftspear.

Goblins überschneiden sich in ihrer Strategie oft mit generellen Aggro Decks, sodass man Karten wie Mogg Raider gerade früher häufig gesehen hat.

Die Decks im Laufe der Zeit

Alles fing mit dem sogenannten Sligh an, welches vom namensstiftenden Paul Sligh auf einem Pro Tour Qualifier 1996 zu einem damals äußerst beeindruckenden zweiten Platz gespielt wurde. Dies fand kurz während dem sogenannten „Black Summer“ statt, der komplett von Necropotence dominiert wurde. Zu der Zeit war fast alles außer Necropotence oder Anti-Necropotence etwas besonderes, und Aggro war damals ohnehin noch Neuland.

Creature (25) Sorcery (2) Instant (12) Artifact (5) Enchantment (6) Land (23)
2 Dragon Whelp 1 Detonate 1 Shatter 1 Black Vise 1 Immolation 4 Strip Mine
2 Brothers of Fire 1 Fireball 4 Lightning Bolt 1 Meekstone 1 An-Zerrin Ruins 4 Mishra’s Factory
2 Orcish Artillery 4 Incinerate 1 Zuran Orb 4 Manabarbs 2 Dwarven Ruins
2 Orcish Cannoneers 3 Active Volcano 2 Serrated Arrows 13 Mountain
4 Ironclaw Orcs
3 Dwarven Lieutenant
2 Orcish Librarian
4 Brass Man
2 Dwarven Trader
2 Goblins of the Flarg

Wer mitzählt, bemerkt vielleicht, dass das Deck aus ganzen 73 Karten bestand. Zu bedenken ist dabei, dass man zu der Zeit aus jeder legalen Edition mindestens fünf Karten spielen muss. Da zwei dieser Editionen Fallen Empires und Homelands waren, die als zwei der schlechtesten Sets überhaupt gelten, musste man quasi das geringste Übel wählen. Durch mehr Karten im Deck erwischt man seltener die schlechtesten Karten, was damals offenbar eine legitime Strategie beim Deckbau war. Selbst der Ausrichter des Turniers war damals über den Erfolg des Decks überrascht. Er wusste wohl nicht, was auf dieses 73-Karten-Monster folgen sollte…

Etwas geordneter ging es bei der Pro Tour 1998 zu: Dave Price gewann diese mit seiner Version von Sligh, einem 60-Karten-Deck, in dem die meisten Karten viermal vorkommen. Zwar fehlten dem Deck die guten Spells der Vergangenheit, aber Tempest brachte mit Mogg Fanatic, Cursed Scroll und Jackal Pup drei der besten Karten des Decks von damals mit. Er gab seinem kreaturenlastigeren Deck den neuen Spitznamen „Deadguy Red“ und gewann mit dieser Kreation tatsächlich Pro Tour Los Angeles.

Die Entwicklung Richtung Midrange und Land Destruction kann man sehr schön beim Deck von Chris Benafel sehen, welches bei den US Nationals von 2000 den zweiten Platz belegte. Er spielte insgesamt 18 Land Destruction Karten neben den vier damals obligatorischen Rishadan Ports und drei Dust Bowls. Sein Deck gewann auch nicht durch das Überrennen mit drei Mogg Fanatics, sondern durch den damals völlig übertriebenen Masticore. Auch die Kombination aus Mass Removal und Ghitu Encampment lässt das Deck eher wie ein Control Deck wirken.

Weiter geht es mit Pro Tour Columbus in 2004 und wieder einem Zweitplatzierten: Shuhei Nakamura. Im Extended hatte er Zugriff auf Grim Lavamancer und Mogg Fanatic, aber auch die neuere Blistering Firecat und vor allem Magma Jet. Die Liste ist vielleicht die ästhetischste Deckliste aller Zeiten: Alle Karten im Main Deck waren vier Mal vorhanden, nur acht Mountains waren eine kleine Ausnahme. Dadurch, dass durch den großen Kartenpool im Extended viele aggressive Kreaturen verfügbar waren, ging auch der Anteil an Land Destruction zurück und beschränkt sich auf das flexible Pillage neben den obligatorischen Rishadan Ports und Wastelands.

Der wichtigste Tag der jüngeren roten Geschichte von Burn ist wohl der 17. Juli 2009. An diesem Tag war der offizielle Release von Magic 2010, und damit der erste Reprint des legendären Lightning Bolts seit der vierten Edition aus 1994. Mit ihm wurde Burn im Modern wieder sehr spielbar. Im selben Jahr kam mit Zendikar auch der beinahe genauso legendäre Goblin Guide zurück, der den Kern heutiger Burn Decks bildet. Trotzdem war Mono-Rot damals nicht so dominant, wie man gedacht hätte, da die absolute Dominanz von Jace, the Mind Sculptor und dem von ihm geführten Caw-Blade anderen Decks keinen Platz ließ.

Mit Magic 2010 kam auch eine weitere wichtige Änderung: Schaden ging nicht mehr auf den Stack. Die genauen Auswirkungen davon könnt ihr an anderer Stelle nachlesen, aber für Rot bedeutete es einfach gesagt, dass Mogg Fanatic plötzlich viel schwächer geworden ist. Dies konnte jedoch durch den wachsenden Kartenpool und vor allem durch Goblin Guide gut kompensiert werden.

Das nächste bedeutende monorote Deck, welches einiges an Berühmtheit erlangte, war Ramunap Red in 2017. Die namensgebenden Ramunap Ruins gaben dem Deck aus der Landbase heraus einiges an zusätzlicher Reichweite, während effiziente Kreaturen wie Earthshaker Khenra und Hazoret the Fervent dem Gegner schon sehr früh zusetzten, aber trotzdem stark gegen Removal waren. Dieses Deck war immerhin dominant genug, um den Ban besagter Ruinen und Rampaging Ferocidon hervorzurufen. Letzteres war zwar nicht unbedingt besonders stark in Ramunap Red an sich, war aber zu dominant gegen Token- und Weenie-Strategien.

Monorot heute

Ramunap Red ist mit der Rotation von Amonkhet vollständig aus dem Standard verschwunden und hat auch kein wirklich vergleichbares Deck hinterlassen.

Im Modern ist Burn immer noch ein sehr solides Deck und durch den geringen Anschaffungspreis auch das klassische Einsteigerdeck im Format. Optimale Listen spielten hier jedoch immer auch ein wenig weiß, um auf Boros Charm und Lightning Helix zugreifen zu können. Durch Skewer the Critics könnte es jedoch auch gut sein, dass auch die monorote Variante wieder zurückkommt.

Im Legacy sehen die Aggro Listen ganz ähnlich aus, jedoch erhält man dort auch noch Zugriff auf Fireblast, Price of Progress, Sulfuric Vortex und Chain Lightning, welche dem Deck nochmal einiges an Stärke verleihen.

Daneben gibt es in dem Format auch noch das sogenannte Dragon Stompy Deck, welches das schnelle Mana durch Simian Spirit Guide, Ancient Tomb und City of Traitors nutzt, um schnell Bedrohungen wie Goblin Rabblemaster oder Chandra, Torch of Defiance ins Spiel zu bringen, welche dann gestützt durch Control-Elemente wie Ensnaring Bridge und Trinisphere das Spiel gewinnen sollen

Für Vintage ist das Konzept leider viel zu langsam, aber im Duel Commander hat Burn immer noch einen festen Platz: Das wohl günstigste Deck des Formats wurde früher von Zurgo Bellstriker angeführt und war, wohl auch aufgrund der niedrigen Anschaffungskosten, eines der am häufigsten gespielten Decks des Formats. Nach Zurgos Ban nahm Kari-Zev seine Stelle ein und hält das Deck über Wasser, wobei es die einstige Dominanz durch die Zuverlässigkeit von Zurgo als 1-Drop eingebüßt hat.

Euer Berkut

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