Erinnert ihr euch noch an den Frust der letzten Banlist? Konami hat keines der eigentlichen Probleme behoben und das Format konnte fast ohne Einschränkungen oder Änderungen fortbestehen. Tja, damit ist es jetzt vorbei…
Was ist passiert?
Es ist erst einige Tage her, da tauchte in den sozialen Medien das Bild auf, das jeden Yugioh-Spieler im Doomscrollen innehalten lässt: ein schwarzes i im Kreis auf hellem Hintergrund, der von blassen Hieroglyphen durchzogen ist. Das bedeutet Neuerungen, Anpassungen oder wichtige Hinweise. Doch nie zuvor hat eine Nachricht so eingeschlagen wie diese: ganze 34 Karten werden verboten, acht weitere werden limitiert.
Um die schiere Größe dieser Banlist zu bewältigen, hat Konami sich dazu entschieden, die Liste in fünf Häppchen im Rahmen der YCS Houston zu präsentieren: Eine erste Welle gab es bereits am Freitag, gefolgt von je zwei am Samstag und am Sonntag.
Die YCS Houston nimmt damit einen ambivalenten Stellenwert ein: Einerseits war sie bei einer derart umfassenden Banlist für das aktuelle Spiel völlig irrelevant, da die Ergebnisse nicht repräsentativ für das kommende Format sind. Aus spielerischer und analytischer Sicht ist diese Veranstaltung also unbedeutend, auch wenn es Spaß gemacht hat, den Topspielern beim Duellieren zuzusehen.
Andererseits war gerade durch die stückchenweise Veröffentlichung der Banlist das Interesse des gesamten TCG-Raums nach Houston gerichtet, denn eine solche Banlist ist ein echtes Brett.
Dass am Ende eines Events eine Banlist präsentiert wird, gab es schon das ein oder andere Mal, dass die Liste aber derart umfangreich und streng ist und in mehreren Etappen bekanntgegeben wird, ist neu.
Das stellt nun aber auch mich vor eine Herausforderung: wie soll man bei der schieren Anzahl an Änderungen einen sinnvollen Artikel schreiben? Wie kann man jede Karte würdigen und dennoch kompakt und prägnant bleiben? Ich habe mich daher dazu entschieden, die Liste in drei Teilen zu besprechen. Das schließt notwendigerweise einige Bündelungen und Akzentuierungen ein.
Bei der Gliederung orientiere ich mich an den einzelnen Tagen der YCS. Das heißt, wir schauen uns heute erst einmal die Veröffentlichungen von Freitag an, im nächsten Artikel von Samstag und schließen in einem dritten Artikel mit den Veröffentlichungen vom Sonntag.
Übrigens: Gültig ist diese Liste unmittelbar, also seit dem 19. Oktober.
Die limitierten Karten
Von den Insgesamt acht limitierten Karten haben wir an Tag eins zwei bekanntgegeben bekommen:
Kauz & Schlossvogel
Die Sache mit dem Vogel ist eine schwierige: einerseits kann er den ersten Zug derart schwächen, dass der Gegner kein superstarkes Endboard aufbauen kann. Bekommt aber derjenige den Kauz ab, der als zweites dran ist, wird der Zug noch mal mühsamer.
Ich persönlich bin kein Fan von Kauz & Schlossvogel und hätte ein komplettes Verbot begrüßt – zumal diese Karte ja über Hexe vom schwarzen Wald sogar suchbar ist.
Perfrecton Hydradrive Dragon
Noch nicht mal erschienen, schon limitiert.
Perfrecton Hydradrive Dragon erscheint erst in Magnificent Maestros und bringt einen fiesen Burneffekt mit. Das Problem: der Effekf ist nicht Hard once per turn, warum auch immer. Und so könnte sich Perfrecton Hydradrive Dragon in eine weitere Kopie von sich linken und denselben Effekt erneut nutzen. Das möchte Konami verhindern und das zu recht!
Die verbotenen Karten
Wir starten in diese Notfallbanlist mit sechs verbotenen Karten.
Amorphage Goliath und Amorphage Faulheit


Die Karten hatte ich so gar nicht auf dem Schirm, die Entscheidung ist aber zu begrüßen. Dadurch wird weiter gegen FTKs vorgegangen und das ist immer eine gute Sache. Und seien wir ehrlich, wirklich vermissen wird die beiden Karten niemand. Außerdem sind Floodgates immer doof und das machen die beiden definitiv verbotswürdig. In Machtpatron waren die Karten spielbar und damit einfach zu gut.
Zugleich bleiben, Stand Freitag, andere Karten unberücksichtigt wie Amorphage Unzucht, die hätte hier definitiv noch hingehört, denn wie alle Amorphage-Monster verwehrt euch auch diese den Zugang zum Extra Deck. Insofern gehören eigentlich alle Amorphage-Monster auf die Banlist…
Zennas trügerische Puppenmädchen
Mit einem Verbot von Zennas trügerische Puppenmädchen war zu rechnen und die meisten Spieler dürften diese Entscheidung positiv aufgenommen haben.
Die Karte lässt euch jedes beliebige Monster in den Friedhof legen und als Extra Deck Monster habt ihr darauf ja auch jederzeit Zugriff. Klar, die letzte Banlist hat da schon ein bisschen vorgearbeitet, aber die Bridge in jedwede andere Engine war durch Zenna einfach zu konstant.
Vom Grab gerufen
Endlich, darauf warten wir ja schon ewig! Ich verstehe, dass gerade Rogue- und Casualdecks unter dem Verbot leiden, denn meistens können diese Decks nur dann gegen stärkere Metadecks bestehen, wenn sie gegnerische Handtraps annullieren können. Innerhalb der Meta jedoch müssen Handtraps resolven, damit man als Zweiter überhaupt eine Chance hat. Vom Grab gerufen war einfach zu stark, nicht zuletzt, weil der Annullierungseffekt über zwei Runden hinweg aktiv ist – sehr lange in einem derart schnelllebigen Spiel.
Albion der markierte Drache
Puh, damit war zu rechnen und irgendwie auch nicht. Als Branded-Enthusiast stört mich dieser Schritt persönlich natürlich massiv, neutral betrachtet ist die Entscheidung aber nachvollziehbar. Einerseits ist es längst an der Zeit, Branded mal wirklich einzuschränken, denn das Deck agiert seit Jahren mehr oder weniger ungehindert und das darf gerne auch mal ein Ende haben. Außerdem ist dadurch die Zauberkarte Der Gefallene und die Tugendhafte nicht mehr so super stark, denn die Karte sucht sich fortan nicht mehr selbst. Bisher konntet ihr die Schnellzauberkarte endlos recyceln, damit ist jetzt Schluss.
Aktuell sehe ich diesen Hit eher als Schritt gegen die Engine als gegen das Branded-Deck per se. Ob Branded so totzukriegen ist, wird sich zeigen.
Luftiger Fresser
Warum? Hab ich was verpasst? War Luftiger Fresser irgendwie ein Problem? Kommt da eine neue Mechanik, in der dieses Fusionsmonster toxisch eingesetzt werden kann? Also ja, die Karte dient als Bridge zu beispielsweise Unterweltlerschmied oder Ritual von Licht und Finsternis, aber das war doch jetzt nicht so deep, oder?
Warum?
Dieser Schritt von Konami ist überraschend und hat einen immensen Hype in der Community ausgelöst. Die Frage ist aber: Wieso geht Konami diese Wege?
Blicken wir auf die letzten Wochen und Monate zurück, so beobachten wir eine stetig wachsende Unzufriedenheit unter den Spielern. Selbst Größen wie Joshua Schmidt äußerten sich zunehmend kritisch und zeigten sich desillisioniert. Verstärkt diskutiert wird dabei auch immer wieder der Wert des ersten Spielzuges. Wer das Duell eröffnet, geht überproportional oft als Sieger hervor und es ist einfach schwierig, dass ein Duell, so scheint es, schon bei einem zufälligen Würfel- oder Münzwurf entschieden wird.
Die jüngsten Folgen dieser allgemeinen Frustration zeigten sich vor zwei Wochen auf der Regional im brasilianischen Curitiba. Obwohl die südamerikanische Großstadt 1,8 Millionen Einwohner zählt, nahmen nur 53 Spielerinnen und Spieler am besagten Turnier teil. Die WCQ Regional wurde dadurch zu einer größeren Locals. Und damit nicht genug, denn viele Spieler kündigten bereits an, das Toon-Format nicht zu spielen, da sie keine Lust auf die ungesunde Spielmechanik mit Locks, FTKs und Handknowledge hätten.
Dass Konami so konsequent reagiert und die Stimmung in der Community wahrzunehmen scheint, ist erfreulich. Zugleich steckt in dieser Strategie natürlich ordentlich Kalkül, aber ich möchte nun wirklich nicht meckern.
Für heute sind wir durch, aber es liegt noch einiges vor uns. Wir lesen uns also in wenigen Tagen zu Teil 2!
Euer
Hyozan







