Magic – Commander 2019 Set Review (Fazit)

Wow, die Commander 2019 Decks sind für meine Reviews jedes Jahr ein Highlight. Fast jede neue Magic Karten ist interessant, und wird einen Platz finden, was definitiv nicht völlig normal ist. Hier im Fazit werde ich auf die Decks insgesamt eingehen, auf die Synergien, Reprints, finanzieller Wert und so weiter.

Eines Vorweg: Ich schreibe diese Review am Wochenende vom zehnten und elften August. Die Karten sind alle bekannt, was den Preis mancher bereits beeinflusst haben dürfte. Unter nennenswerten Reprints werden alle Karten aufgeführt, deren Wert aktuell über oder bei €5,- liegt. Die Decks sind allerdings noch nicht erhältlich gewesen, sodass sich Kartenpreise geändert haben könnten. Auf die neuen Karten werde ich hier kaum eingehen, sondern eher auf den Zusammenbau der Decks.

Los geht’s mit

Faceless Menace

Nennenswerte Reprints: Tempt with Discovery

Das Deck war für Wizards relativ einfach zu erstellen: Tarkir hat viele gute Morph-Kreaturen mitgebracht, die hier einfach nur zusammen mit ein paar Support Karten in ein Deck mussten. Dazu ein paar gute generische Karten wie Cultivate und wir haben ein Deck. Ixidor, Reality Sculptor fehlt zwar, aber anscheinend wollte man keine Legenden reprinten. Natürlich hätte man auch noch andere Morph Karten reprinten können, aber mir fällt keine auf, die man nicht einfach für sehr wenig Geld einzeln kaufen könnte.

Die Manabase ist mit drei seltenen Dual Lands auch okay, aber da ist natürlich sehr viel Luft nach oben. Mir fällt auch keine Karte auf, die nicht in ein Commander Deck gehören würde, wobei es natürlich bessere und schlechtere Karten gibt. Nur ein wirklich guter Reprint ist natürlich zu wenig, aber wie ihr sehen werdet, ist das bei den anderen Decks ähnlich. Es heißt allerdings, dass es sich vermutlich nicht lohnen wird, das Deck auszuschlachten, um Gewinn zu machen. Spoiler: Das ist bei den anderen Decks genauso.

Was mir hier nicht gefällt, ist das enge kreative Korsett der Decks. Für Kadena spielt man einfach alles, wo Morph oder Manifest draufsteht, was in meinen Augen ein bisschen langweilig ist. Die anderen beiden Commander sind dagegen etwas zu generisch. Das heißt nicht, dass die Decks schlecht sind, aber, dass es kaum Unterschiede zwischen Kadena Decks geben wird. Insgesamt ist die Liste aber sehr solide und auf jeden Fall ein guter Einstieg in Commander.

Mystic Intellect

Nennenswerte Reprints: Keine

Okay, Snapcaster Mage im Flashback Deck wäre wohl zu viel verlangt gewesen. Allgemein gefällt mir das Deck aber nicht. Wenn ich mich nicht verzählt habe, können nur 21 der Spells im Deck aus dem Friedhof gecastet werden, wobei Karten wie Fervent Denial, Increasing Devotion, Ray of Distortion oder noch ein paar andere entweder schlecht sind oder nichts in dem Deck zu suchen haben. Wo wir gerade bei Karten sind, die hier nichts zu suchen haben: Kann mir irgendjemand erklären, was Zetalpa (übrigens eine Legende, was die Theorie oben widerlegt) in dem Deck zu suchen hat? Auch sonst sind einige Karten im Deck, die wenig Sinn machen: Sun Titan hat hier ziemlich wenig Permanents zum Wiederbeleben, ist aber immerhin ein willkommener Reprint. Clever Impersonator muss sich beim Gegner bedienen, da man selbst keine beeindruckenden Permanents haben dürfte. Pristine Skywise und Pristine Angel haben zwar irgendwie Synergie mit Spells, sind aber absolut nicht gut. Storm Herd passt auch nicht, ist aber im EDH durch die Lebenspunkte wenigstens eine interessante Karte.

Nach einigem Nachdenken bin ich tatsächlich auf den Sinn dieser Karten gekommen: Es sollen Win Conditions sein! Das Deckthema an sich ist viel zu mies umgesetzt, sodass man auf generische Win Conditions zurückgreifen muss, damit diese Liste überhaupt etwas gewinnen kann. Das schlimmste daran: Man hätte es ganz einfach vermeiden können: Call the Skybreaker ist billig, passt ins Thema und gewinnt das Spiel. Dazu ein paar Tutoren und das Problem ist gelöst. Der Blick auf die Länder zeigt gerade mal ein seltenes Dual Land mit Prairie Stream. Einige der neuen Karten sind interessant und auch echt stark, aber das erwähne ich nur, weil es sonst nichts wirklich positives an dem Deck gibt. Mit deutlichen Modifikationen sind sowohl Elsha als auch Pramikon sehr coole Commander, aber das erfordert eben den Austausch von locker 30 Karten. Wenn man wirklich Interesse an mehreren der Karten in dem Deck hat, ist es wohl den Kauf wert, aber „out of the box“ oder allgemein für Anfänger im Format möchte ich es nicht empfehlen.

Primal Genesis

Nennenswerte Reprints: Keine

Jetzt wird es wieder besser: Alle Karten im Deck machen Sinn, auch wenn es natürlich einige gibt, die man gut ersetzen kann. Parallel Lives hätte hier einen Reprint bekommen MÜSSEN, genau wie Kiki-Jiki, Rhys the Reddemed oder Wurmcoil Engine. Triumph of the Hordes hätte ich auch gerne gesehen, aber Infect mag nicht jeder. Die Manabase ist mit zwei Rare Duals wieder etwas besser, aber immer noch nicht gut.

Das Deck dreht sich um Tokens, geht aber auf Klasse statt Masse, was mindestens eine coole Abwechslung ist. Trotzdem sind Tokens als Deckthema wirklich keine neue Idee, was aber nicht unbedingt schlimm ist. Ghired kann man auf viele verschiedene Arten bauen, da Tokens so ein offenes Thema sind. Atla Palani ist als Commander zwar kompliziert, aber auch sie bietet viel kreatives Potential. Marisi ist dagegen ein generischer Combat Commander, der mir wiederum zu offen ist. Das Deck ist also aus der Box gut und kann auch super angepasst werden. Mir fehlen zwar einige Reprints, aber insgesamt ist die Liste recht gut.

Merciless Rage

Nennenswerte Reprints: Geth, Lord of the Vault

Out of the Box gefällt mir das Deck überhaupt nicht: Madness, das Hauptthema, wird nur durch 19 Karten unterstützt, von denen ich nur etwa 2/3 als überhaupt spielbar einschätzen würde. Es gibt zwar diverse Karten, die Discard unterstützen, aber die helfen kaum, wenn der Commander nur so selten getriggert wird. Man muss aber auch zugeben, dass es in den Farben keine weiteren guten Karten mit Madness gibt, wenn man Mal von Muck Drubb und der doppelseitigen Voldaren Pariah absieht.

Allgemein wirkt das Deck etwas ziellos: Die anderen Commander, vor allem Chainer, deuten Friedhofssynergien an, die aber „verstreut“ wirken. Hier kommt mal ein Skelett zurück, da ist ein Reanimator ohne gutes Ziel, aber ohne erhebliche Änderungen kommt da kein sinnvolles Deck raus. Das Problem ist diesmal nicht, dass so viele Karten keinen Sinn machen würden, sondern dass Alchemist’s Greeting, Gorgon Recluse, Malevolent Whispers und andere einfach nicht genug machen. Die Landbase hat mit Drownyard Temple und Geier Reach Sanitorium immerhin seine Pflicht erfüllt, in Anbetracht der Abwesenheit weiterer Dual Lands aber auch nicht mehr. Anje scheitert als Commander an dem Mangel an guten Madness Karten, aber dafür ist Chainer einfach genial und kann auf verschiedenste Arten gebaut werden. Wie schon bei Mystic Intellect ist das Deck vollkommen okay für diejenigen, die nur die Karten haben wollen, aber als Einstieg in das Commander Format kann ich es nicht empfehlen.

Fazit

Als ich die Preise der einzelnen Karten nachgeschaut und gemerkt habe, dass nur zwei Reprints mit einem Wert (knapp) über fünf Euro über vier Decks verteilt sind, habe ich überlegt, ob ich meine Ansprüche senken sollte, damit das Set besser aussieht. Ich hätte auf Reprints über drei Euro ausweiten können, dann hätte jedes Set etwas gehabt. Aber warum sollte ich das tun? Eine Karte, die weniger kostet als ein Booster im Handel, ist kein nennenswerter Reprint. Dann habe ich einen Blick auf die Decks des letzten Jahres geworfen und musste feststellen, dass es da nicht anders aussah. 2017 bekamen wir Mirari’s Wake als Highlight, aber sonst auch nicht viel besonderes. Auch 2016, das vielleicht beste Jahr, hatte nicht viele außergewöhnliche Reprints, wobei ich natürlich auch nicht alle Preise von damals kenne. 2014 hatte Cyclonic Rift und Wurmcoil Engine, aber es wäre wohl etwas unfair, so weit zurückzugehen. Also gut, die Reprints sind nicht wirklich schlechter geworden, aber warum sind sie nicht besser? Vedalken Orrery passt gut zu Flash, Mystical Tutor zu Flashback, Parallel Lives zu Tokens, Entomb oder Gamble zu Madness. Das sind nur Vorschläge, aber keine dieser Karten ist viel zu teuer. Generische Karten wie Cyclonic Rift, Mirari’s Wake, Birds of Paradise, Phyrexian Arena, Baleful Strix oder die Commands aus Lorwyn haben Reprints immer nötig und sind im Commander absolute Staples.

Die neuen Karten sind cool. Auch wenn ich nicht alle Karten mag und insbesondere mit zwei der „Hauptkarten“ nicht wirklich einverstanden bin. Der Gesamteindruck ist allerdings absolut positiv, vor allem, wenn man Commander mit normalen Sets vergleicht.

So viel zu den einzelnen Karten, kommen wir zu den Decklisten. Wie ich schon angedeutet habe, kann man die in zwei Teile aufteilen: Faceless Menace und Primal Genesis sind gut gebaut und haben kaum bis gar keine sinnlosen Karten.

Merciless Rage ist unfokussiert, aber der Haufen kann in tatsächlichem Gameplay vermutlich funktionieren, solange man Chainer als Commander wählt, da dieser einfach eine sehr solide Engine bietet.

Ganz unten ist dann Mystic Intellect, oder, wie ich es nenne, das Deck mit Zetalpa. Der riesige Dino ist nicht das einzige, wenn auch das offensichtlichste Problem an dem Deck. Das Thema funktioniert an sich nicht, sodass man ihm Stützräder in Form von zusammenhanglosen Win Conditions geben muss, wobei man selbst das hätte vermeiden können. Der Commander hat wundervolle Synergien mit Pariah und Pariah’s Shield, die man im Deck aber vergebens sucht.

Das heißt übrigens nicht, dass die beiden schwächeren Decks kein Potential haben. Elsha aus Mystic Intellect ist einer der besten neuen Commander und Chainer eine komplette Engine in der Command Zone. Es sind aber nur gute Einzelkarten, die in einer Box mit vielen schlechteren Karten kommen.

Zuletzt wären da noch die Artworks: Einfach gesagt sind diese in meinen Augen mal wieder sehr gelungen. Man muss keine Angst haben, plötzlich eine Abbey Matron über das ganze Spiel anzustarren. Anje sticht durch eine wunderbar kontrastreiche Farbpalette heraus, genau wie Grismold durch den Kontrast zwischen den Blumen auf seinem Körper und der tristen Umgebung. Bei den meisten Legenden erkennt man sofort, woher sie kommen, was mir bei Artworks auch sehr wichtig ist. Pramikon ist dagegen recht „experimentell“ und sieht ein bisschen so aus, als hätte man versucht, den abstrakteren Stil alter Artworks mit modernen Werkzeugen nachzuahmen. Ein für meinen Geschmack gelungener Versuch. Gerrard und Greven sind wunderbar durch den ähnlichen Hintergrund als Rivalen in Szene gesetzt. Einzig Chainer missfällt mir etwas, da hätte man mehr auf das Gesicht oder allgemein die Details eingehen können. Insgesamt stechen die Artworks aber definitiv positiv heraus.

Also, was soll man sagen? Commander 2019 ist eines der besten Sets des Jahres. Für Einsteiger würde ich zwar wie gesagt nur zwei Decks empfehlen, die dafür aber aus vollem Herzen. Commander war allerdings schon immer eines der besten Sets, und im Vergleich zu den vorherigen Iterationen erscheint mir diese etwas schwächer. Ich hoffe sehr, dass wir noch einmal ein Set wie Commander 2016 erleben.

Ich hoffe, meine Review hat euch geholfen, auch wenn ich kein klares, allgemeingültiges Fazit geben konnte. Viel Spaß bei Commander!

Euer Berkut

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.