Magic – Erwartungen an Masters 25

In weniger als einem Monat erscheint das nächste Masters Set und erinnert uns mit seinem Namen „Masters 25“ auch direkt daran, wie lange es das Magic The Gathering TCG schon gibt. Doch was soll oder wird mit diesem Set kommen?

Masters

Bisher gibt es drei verschiedene Arten von Masters:

Modern Masters ist schon in drei verschiedenen Auflagen erschienen und brachte stets wichtige und vor allem teure Reprints für das Modern-Format. Es handelte sich dabei fast immer um Karten, die für einen Reprint in einem Set für Standard viel zu stark wären oder nicht in den Flavour passen würden. Die Zielgruppe des Sets waren zum einen Spieler, die eben starke Karten für ihre Modern Decks haben wollten, oder auch nur wertvolle Karten zum Tauschen brauchten. Auch im Draft hat man so die Möglichkeit, mit den Allstars des Formats zu spielen.

Nach zwei Runden Modern Masters kam dann Eternal Masters. In Anlehnung an den Namen könnte man (richtigerweise) sagen, dass es in dem Set um Reprints ging, die ewig gespielt werden. Weniger poetisch formuliert, handelt es sich aber einfach um Karten, die in Eternal Formaten (also vor allem Legacy und Vintage) in vielen Decks zu finden sind. Auch für Commander-Fans waren mit Mana Crypt, den Tutoren aus Visions oder „Kleinigkeiten“ wie Regal Force einige Leckerbissen dabei. Mit solchen Karten, die auch in den stärksten Cubes zu finden sind, hat man dazu noch ein großartiges Limited-Format ermöglicht. So kreierte man ein Set, welches neben den meist sehr kompetitiven Legacy- und Vintagespielern auch Casuals glücklich machte.

Iconic Masters war dann (nach der dritten Runde Modern Masters) die neueste Kreation von Wizards. Statt an einem Format orientierte man sich diesmal an den Kreaturentypen, die Wizards als „ikonisch“ für die einzelnen Farben empfand. Leider (oder eher glücklicherweise) sind die ganzen Hydras, Sphinxen und Drachen ziemlich in den Hintergrund geraten, da teure und spielstarke Karten wie Thoughtseize, Mana Drain, Ancestral Vision ihren langersehnten Reprint erhalten sollten. Die Zielgruppe des Sets war sehr groß, für Modern waren Thoughtseize, Aether Vial und Horizon Canopy hochattraktiv, während sich die Casual Spieler an Drachen und Dämonen erfreuten. Auch Legacy erhielt neben den oben erwähnten Karten endlich einen Reprint von Flusterstorm. Mana Drain ist (außerhalb vom EDH) nur im Vintage erlaubt, also kosten die blauen Decks in dem Format jetzt auch ein paar hundert Euro weniger (was prozentual im Vintage leider gar nicht mal so viel ist).

Was haben all diese Sets gemeinsam und was können wir aufgrund dessen von Masters 25 erwarten?

Reprints

Alle Sets bestehen ausschließlich auch Reprints, also neuen Auflagen von Karten, die schon einmal erschienen sind. Bisher sind drei Karten bekannt, und jede von ihnen hat eine eigene Bedeutung:

Azusa, Lost but Seeking

Diese Legende aus dem ebenso legendären Kamigawa-Block (Pun intended) wird in verschiedensten Formaten gerne gesehen: Im Modern taucht sie in Bloomless Titan Decks auf, wo sie das ohnehin schon schnelle Mana weiter beschleunigt, um dann mit Primeval Titan Tutor und Win Condition zugleich möglich früh casten zu können. Daneben taucht sie auch in manchen Collected Company Decks auf und stellt in diesen einen weiteren Teil der Toolbox dar. Zuletzt sieht man sie auch im Duel Commander und EDH in verschiedensten Decks, mal als Commander, mal als reine Ramp. Neben einer Judge-Promo wurde sie bisher nur ein einziges Mal gedruckt, was zu einem Preis von deutlich über €20 führte. Der Preis war weniger durch die bestenfalls mittelhohe Nachfrage, als vielmehr durch die extrem niedrige Verfügbarkeit zu erklären und hat einen Reprint absolut notwendig gemacht. Als Kreatur mit starker Verbindung zu Kamigawa (und viel zu starkem Ramp) wäre ein Reprint im Standard unmöglich gewesen, sodass sich nur ein Reprint-Set anbietet.

Phyrexian Obliterator

Die Karte wirkt zwar auf dem Papier extrem stark, wird aber leider aufgrund der äußerst restriktiven Manakosten kaum gespielt. Auch hier gilt: Die niedrige Verfügbarkeit (Mythic in nur einem Set ohne Reprints) hat mit deutlich über €20,- zu einem Preis geführt, der für eine solche Karte nicht mehr angemessen ist.

Jace, the Mind Sculptor

Wer aufgepasst hat, merkt vielleicht, dass ich die Karten hier nicht in der Reihenfolge bespreche, in der sie gespoilert wurden. Das liegt darin begründet, dass Jace ein ganz besonderer Kandidat ist.

Eigentlich war der Reprint unerwartet. Klar, er kostete knapp über €40,- und wird im Legacy auch recht viel gespielt, aber ein wirkliches Problem war sein Preis angesichts des Bans im Modern nicht. Dann kam der Unban. Innerhalb weniger Minuten stieg der Preis des Gedankenformers auf über €120,-, was ihn zur teuersten Karte im Modern machte (was er bis zum jetzigen Preis von etwa €90,- auch immer noch ist). Seine Dominanz im damaligen Standard war berühmt-berüchtigt, sorgte er doch zusammen mit seinem besten Freund Stoneforge Mystic dafür, dass das sogenannte Cawblade Deck als Tier 0 galt. Zu seiner Spielstärke im aktuellen Modern kann man verschiedene Meinungen haben, aber es sollte jedem klar sein, dass dieser Reprint und vor allem die Ankündigung des Reprints vor dem Unban mit dem Unban an sich zusammenhängen. Mehr Details und meine persönliche Meinung zu dieser Thematik findet ihr weiter unten.

Murder

Freunde effizienten Removals und Drafter allgemein werden sich sicherlich über diese Karte freuen, besondere Bedeutung für irgendein Constructed-Format hat sie aber nicht.

Also, was haben wir bisher für Reprints? Einen Reprint, der seit langem nötig war, einer, der Casual Spielern einiges leichter machen dürfte, und einen, der erst seit sehr kurzer Zeit nötig war, dafür aber auch wirklich dringend. Insgesamt also gute Aussichten, gerade für Freunde etwas „nischiger“ Karten.

Wasserzeichen und ihre Deutung

Ein Detail, welches mir besonders positiv aufgefallen ist, ist die Verwendung von Wasserzeichen der Originaleditionen auf den Karten. Klar, bei Jace ist keines zu finden, aber das ist höchstwahrscheinlich dem Design des Planeswalkers geschuldet. Es erscheint daher wahrscheinlich, dass diese Zeichen auf allen Karten (außer Planeswalkern) zu sehen sein werden. Doch was könnte das bedeuten?

1. Keine Core Sets

Magic the Gathering hatte im Laufe seiner Geschichte einige schöne Zeichen für die einzelnen Sets, aber eine Art Set bildete da (leider) immer die Ausnahme: Core Sets. Diese hatten immer nur die entsprechende Zahl in ein paar Karten, oder bei den neueren in einem Oval. Natürlich muss das Wizards nicht an solchen Reprints hindern, aber es würde mich doch stark überraschen.
UPDATE: Nach dem Spoiler von Murder wurde diese Prognose leider (oder glücklicherweise) falsifiziert. Das eröffnet ein paar mögliche relevante Reprints wie Timely Reinforcements!

2. Keine Gilden/keine Clans

Die wohl bekannteste bisherige Nutzung von Watermarks waren die Gilden aus Ravnica sowie die Clans aus Tarkir. Es wäre meines Erachtens irgendwie widersprüchlich, wenn Karten dieser Gruppen jetzt statt ihrem „richtigen“ Zeichen das ihres Sets erhalten würden. Demgegenüber steht jedoch der Reprint von Phyrexian Obliterator, bei dem sich das Watermark vom phyrexianischen Symbol zum Setsymbol von New Phyrexia gewandelt hat. Zugegeben, der Unterschied zwischen den Symbolen ist eher klein, aber dennoch vorhanden. Außerdem wurden gerade aus Return to Ravnica so ziemlich alle relevanten Karten in Modern Masters 2017 reprintet, während aus dem Original-Ravnica sowie dem Tarkir-Block nur wenige Karten relevant sind, die mit einer Gilde oder einem Clan assoziiert werden (Kolaghan’s Command wäre eine Ausnahme, Glimpse the Unthinkable hatte kürzlich einen Reprint).

3. Viele verschiedene Sets

Wie gesagt, ich persönlich liebe die Idee, bei Reprints das Watermark des Originalsets zu nutzen und es geht einigen wie mir. Vor dem Hintergrund ist es naheliegend, dass Karten aus vielen verschiedenen Sets einen Reprint erfahren, um eben auch so viele Sets wie möglich vorzustellen.

4. Fokus auf erfahrenere Spieler

Eine Sache, die ich persönlich an Iconic Masters nicht mochte, war die Tatsache, dass der Fokus auf die größten Kreaturen der jeweiligen Farbe (Engel, Sphinxen, Dämonen, Drachen, Hydras) scheinbar auf sehr junge Spieler abzielte, die am liebsten große, böse Kreaturen beschwören. Das per se ist ja vollkommen in Ordnung, aber wenn der Booster dann mehr kostet als die Booster eines normalen Sets, passt da gefühlt irgendwas nicht. Masters 25 scheint da einen anderen Fokus zu setzen: Alte Karten wie Azusa werden bewusst mit dem Set assoziiert, in dem sie zuerst erschienen sind und stehen nicht einfach nur unabhängig da. Nostalgie spielt für viele (erfahrene) Spieler eine beträchtliche Rolle und in der Hinsicht scheint Masters 25 hervorragende Arbeit zu leisten.

Zum Thema „Cash Grab“

Einige Persönlichkeiten der Welt von Magic (unter anderem der „Professor“ von Tolarian Community College) behaupten im Moment, der Unban von Jace the Mind Sculptor im Modern hätte nur stattgefunden, um die Verkäufe von Masters 25 anzukurbeln. Wizards ruiniert dadurch angeblich Modern, oder setzt es zumindest einem beträchtlichen Risiko aus. Auch wenn die Unbans einen eigenen Artikel rechtfertigen würden, möchte ich hier kurz auf diese Thematik eingehen.

Ich bin wirklich der erste, der Wizards und ihre Produkte bzw. Produktpolitik kritisiert, aber hier muss ich sie mal für sie in die Bresche springen. Schon seit längerem wurde ein Unban von Jace (und auch Bloodbraid Elf) gefordert. Man kann zu dem Thema definitv verschiedene Meinungen haben, aber der Unban bricht das Format definitv nicht in der Hälfte durch. Konventionelle Control-Decks hatten es in der letzten Zeit in Anbetracht der Omnipräsenz von Death’s Shadow schon reichlich schwer, ebenso hat Jund (DAS Deck für Bloodbraid Elf) fast seine ganze Präsenz verloren. Auch hat Jace sich seinen Ruf (ob der gut oder schlecht ist, ist wohl Ansichtssache) in erster Linie durch seine Übermacht im damaligen Standard verdient. Dort bildete er zusammen mit Stoneforge Mystic den Kern des CawBlade-Decks, welches (zurecht) als Tier 0 galt. Dabei muss man aber bedenken, dass das eben Standard war, sodass der Kartenpool für mögliche Antworten in Aggro-Decks eingeschränkt war. Auch trug Stoneforge Mystic (der bekanntlich im Modern verboten ist) zusammen mit seinem besten Freund Batterskull viel zur Dominanz dieses Decks bei. Der Unban war und ist also nicht komplett fernliegend, wenn auch mutig.

Wizards muss sich nun aber die Frage stellen, wie man eine Karte, die nur zwei Printings als Mythic bekommen hat, angemessen entbannen kann. Hätte man sie aus dem Blauen heraus entbannt, wäre die Nachfrage enorm (!) in die Höhe geschossen und hätte für Preise auf dem Sekundärmarkt deutlich jenseits der €100,- Grenze gesorgt. Ohne Reprint wäre der Preis auch im Laufe der Zeit weiter gestiegen. Das beste Beispiel dafür waren die Preisanstiege von Zendikar-Fetchlands vor dem Reprint in Modern Masters 2017, oder noch schlimmer, Mana Drain vor Iconic Masters. Ein Reprint im Standard war auch unmöglich, dafür ist dieser Jace schlichtweg zu stark, sodass das Standard-Format höchstwahrscheinlich komplett unbalanciert wäre. Auch wäre ein Reprint in einem Commander-Set oder einem vergleichbaren Produkt wie Planechase sehr schwer gewesen, da diese Produkte dann vermutlich von Modernspielern in Massen aufgekauft worden wären. Tja, und eben für genau solche Karten gibt es Masters-Sets.

Auch muss man beachten, wann der Reprint und wann der Unban angekündigt wurden. Der Reprint wurde deutlich vor dem Unban angekündigt, sodass so ziemlich jeder etwas davon wusste, auch Leute, die nicht ständig die üblichen Spoiler-Seiten neu laden. So hielt sich die Eskalation auf dem Sekundärmarkt auch ziemlich in Grenzen. Klar, für ein paar Stunden hat sich der Preis der einstmaligen €45,- Karte verdreifacht, aber innerhalb weniger Tage hat sich der Preis wieder auf deutlich unter €100,- eingependelt, was für Modern-Staples zwar hoch, aber nicht übertrieben hoch ist (siehe Tarmogoyf zu seinen besten Zeiten). Dieser Preis dürfte mit dem Release von Masters 25 noch einmal ein wenig sinken, da mit dem Set wieder frische Jace auf den Markt kommen. Auch sind die Spieler nun auf die möglicherweise erhöhte Beliebtheit von Masters 25 vorbereitet, sodass es nicht zu plötzlichen Buyouts kommen sollte. Abzuwarten bleibt natürlich, ob die Auflage des Sets in irgendeiner Art limitiert ist. Bei Eternal Masters hat Wizards ja bereits bewiesen, dass mehr Displays immer möglich sind 😉

Kleine Anmerkung am Rande: Für den Markt hat der Unban von Bloodbraid Elf weniger Bedeutung, da er als Uncommon naturgemäß deutlich besser verfügbar ist. Zwar ist sein Preis prozentual gesehen auch enorm gestiegen, aber Playsets sind noch unter €20,- erhältlich.

Also ja, man kann streiten, ob der Unban von Jace (und Bloodbraid Elf) gerechtfertigt ist und das Format verbessern oder verschlechtern wird. Auch weiß man nicht, inwiefern finanzielle Interessen am Verkauf von Masters 25 an dieser Entscheidung mitgewirkt haben. Eins steht aber meines Erachtens fest: Besser hätte Wizards die Freilassung des Bogeymans nicht organisieren können.

Im Endsegment…

Ich hoffe, ihr habt etwas aus diesem Artikel gelernt und freut euch auf Masters 25. Wenn ihr mit den ganzen alten Karten weniger anfangen könnt, dann schaut doch mal in meine Review zum letzten Standard-Set, Rivals of Ixalan. Wenn ihr gar nicht wisst, wie ihr die Zeit zum nächsten Masters-Set überbrücken könnt, werft einen Blick in Iconic Masters und meinen Artikel dazu. Zu dem Set und seinen „ikonischen“ Karten hatte ich nämlich auch ein paar Worte zu sagen.^^

Ansonsten danke ich euch fürs Lesen. Haltet die Ohren steif und immer Mana für einen Counterspell offen!

Euer Berkut

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