Pokémon und LEGO: Was kann da noch schiefgehen?

Heute geht es mal nicht um Yu-Gi-Oh! Ja, es geht noch nicht einmal um Trading Cards. Heute geht es um meine zweite große Leidenschaft: Klemmbausteine. Seit Kurzem findet ihr in unserem Shop auch ausgewählte LEGO-Sets und eines davon schauen wir uns heute einmal genauer an.

Pokémon in der Klemmbausteinwelt: ein kurzer Überblick

Wer sich entweder in der Welt der Pokémon oder der Klemmbausteine bewegt, der weiß das vermutlich längst, aber LEGO ist nicht der erste Anbieter, der Pokémon-Sets aus bunten Noppensteinen anbietet. Lange lag die Lizenz bei Mega Construx, einer Marke des großen Spielwaren- und Modellbaukonzerns Mattel. Die Sets konntet ihr vereinzelt im Handel finden, ab und zu mal bei Aldi oder Müller, überwiegend aber im Internet. Die Steinequalität war in Ordnung, die Bautechniken eindeutig, wenn auch insgesamt vielleicht eher etwas konservativ und der Preis für die Sets weitgehend erschwinglich. Teilweise waren sogar Leuchtsteine verbaut, was man beim Marktführer LEGO nur sehr selten findet. 

Nun gab es eine Erschütterung der Macht, als die Lizenz von Mega zu LEGO wechselte. Mittlerweile sind die ersten Sets auf dem Markt und aktuell nur (fast!) exklusiv bei LEGO selbst erhältlich. Für etwa 60 Euro bekommt ihr das süße Evoli (72151), für 200 Euro und damit im LEGO-Store teurer als bei uns erhaltet ihr das Set mit der Nummer 72152: Pikachu und Pokéball, um das es heute vor allem gehen soll, und für stolze 650 Euro bekommt ihr gleich drei ikonische Pokémon, nämlich Bisaflor, Glurak und Turtok (72153). Ihr seht also, dass in der ersten Welle für jeden Geldbeutel etwas dabei ist. Dabei unterscheiden sich die drei Sets eigentlich ausschließlich in ihrer Teilezahl und Größe, bautechnisch gestaltet LEGO seine Sets immer so, dass sie auch für Anfänger ohne Frust und problemlos baubar sind. Lasst euch da auch nicht von der 18+ Altersempfehlung abschrecken, die soll die Sets lediglich einer Zielgruppe zuordnen und gibt keine Auskunft über den Schwierigkeitsgrad der Sets. 

LEGO 72152: Pikachu und Pokéball

Evoli war mir zu klein, Bisaflor, Glurak und Turtok zu teuer, also habe ich mich beherzt für die Mittelpreisklasse entschieden und mir Pikachu und Pokéball zugelegt, um das Set einmal für euch zu testen. Ich möchte dabei sowohl auf das Set insgesamt als auch auf den Preis und die Bauerfahrung eingehen. Bevor wir dazu kommen, hau ich euch aber erst einmal ein paar Zahlen um die Ohren.

Das Set mit der Nummer 72152 besteht aus 2050 Teilen und kostet bei LEGO direkt 200 Euro. Damit bewegt sich das Set in einem absolut erwartbaren Preisrahmen für ein Lizenzprodukt des dänischen Klemmbausteinherstellers. Ob der Preis gerechtfertigt ist, wird zu klären sein müssen, aber dazu später mehr.

Wird das Set so ausgestellt wie vorgesehen, braucht ihr eine Tiefe von 39cm und eine Höhe von 35cm. Wer den Platz nicht hat, kann die kleine Elektromaus auch einfach separat aufstellen und den Pokéball daneben legen. Anders als beispielsweise beim Mario-Kart: Mario & Standard-Kart Set, bei dem die Figur als Einheit mit dem Fahrzeug gedacht ist und nicht (oder zumindest nicht sinnvoll) separat gestellt werden kann, könnt ihr Pikachu sehr wohl von seinem Display nehmen und separat präsentieren. Mit dabei sind außerdem ein paar Extrateile, um aus einem männlichen ein weibliches Pikachu zu machen: Ihr müsst dafür nur die Spitze des Schwanzes etwas umbauen (entschuldigt die Formulierung, mir ist beim besten Willen nichts eingefallen, was in diesem Kontext nicht irgendwie doppeldeutig ausgelegt werden kann). 

Die Bauerfahrung

Wie bereits erwähnt, sind LEGO-Sets immer ganz entspannt zu bauen und beinhalten die mitunter besten Bautechniken auf dem Markt. Andere Hersteller mögen ausgefallenere Bautechniken einsetzen oder üppigere Sets konstruieren, LEGO schafft hier aber einen guten Kompromiss zwischen Funktionalität, Stabilität und Kreativität. Man mag dem Unternehmen vieles vorwerfen können und LEGO sieht sich stets mit immenser Kritik aus den Fankreisen konfrontiert und das in vielen Punkten auch zu recht. Schlechte Bautechniken gehören allerdings nicht dazu, da ist LEGO wohl immer noch Marktführer. 

Wenn eure letzten Bauerfahrungen mit LEGO also in grauer Vorzeit in eurer Kindheit liegen, braucht ihr euch nicht zu sorgen, dass ihr mit diesem Set und seinen gut über 2000 Teilen überfordert sein könntet. Die Anleitung nimmt euch ganz kleinschrittig an die Hand und führt euch durch das Bauerlebnis. 

Seid ihr nun aber versierte Baumeister und habt in der Vergangenheit bereits Erfahrungen mit alternativen Klemmbausteinfirmen wie Cobi, Mould King oder Bluebrixx gemacht, könnte euch der Bau etwas langweilen. Ein Unternehmen möchte stetig wachsen und das setzt konstante Neukundenakquise voraus. Dass LEGO-Sets also so gestaltet sind, dass sie frustfrei auch von Anfängern gebaut werden können, ist bewusster Teil der Marketingstrategie. In der Klemmbausteinwelt wird dieser Umstand hitzig diskutiert und LEGO immer wieder vorgeworfen, ich finde es aber wichtig, diesen Aspekt einzuordnen: Wenn ich ein Lizenzprodukt mit stabilen Bautechniken und wenig Frustration haben möchte, dann kaufe ich LEGO und bin mir bewusst darüber, dass das meine Fähigkeiten vielleicht nicht zur Gänze beanspruchen wird. Wenn es mir um komplexe Bautechniken und Teilereichtum geht, dann entscheide ich mich für einen alternativen Hersteller, so einfach ist das.

Die Farbgestaltung

Pikachu ist überwiegend gelb, Pokébälle sind rot und weiß, was gibt es da noch über die Farben zu diskutieren? Eine ganze Menge, denn wenn man die Teile dieses Sets so vor sich ausbreitet, könnte man meinen, ein Einhorn habe sich darauf erbrochen: Grün, türkis, blau, rot, lila, pink, rosa – hier ist wirklich alles verbaut, was dem Farbfreund so gefallen könnte. Ein gewisser YouTuber hat in diesem Zusammenhang den Begriff der „Farbseuche“ geprägt, den ich hier aber bewusst vermeiden und weniger wertend von „Farbgestaltung“ sprechen möchte. Arbeiten wir uns aber von außen nach innen vor:

Die Farben des kleinen Elektro-Pokémon wirken authentisch und gut getroffen: Farbabweichungen, die bei LEGO besonders in den letzten Jahren leider immer mal wieder vorkommen, konnte ich bei meinem Set nicht beobachten. Dazu sei gesagt, dass ich aber sowieso eine Rot-Grün-Schwäche habe und jemand, der farbenaffiner ist, da vielleicht anders urteilen würde.

Pikachus Innenleben hingegen ist einfach nur wild. LEGO hat hier tief in die Farbkiste gegriffen und Steine in allen erdenklichen Farben verbaut – nur eben nicht in den Farben, die man erwarten würde. Das ist bei fast jedem LEGO-Modell gängige Praxis und stößt bei den Bauenthusiasten auf einigen Unmut: Die Sets von den Dänen sind so konzipiert, dass man exakt das angedachte Modell daraus bauen kann. Als Teilespender, etwa, weil man für ein eigenes Bauprojekt viele gelbe Steine benötigt, taugt Pikachu und Pokéball nicht. Mit einher geht die weit verbreitete Meinung, dass diese Farbvielfalt einem Display-Modell für ein erwachsenes Publikum unwürdig sei und das Set dadurch an Wertigkeit verliere. 

Grund für diese Farbgestaltung, so zumindest die offizielle Stellungnahme dazu, sei eine erleichterte Orientierung beim Bau und eine bessere Übersichtlichkeit. Auch hier erkennt man, dass es LEGO vor allem um die Neukunden geht, die das erste Mal seit der Kindheit wieder mit einem Klemmbausteinset in Berührung kommen. Die Bestandskunden fühlen sich dabei zu wenig gesehen und in ihrer Markentreue zu wenig wertgeschätzt. 

Ich sehe das etwas anders: Ob ein Set innen bunt oder einfarbig ist, ist mir absolut egal, solange – und das ist wichtig! – man die bunten Farben später nicht durchschimmern sieht! Das ist leider bei LEGO nicht immer gewährleistet und das ärgert mich dann auch sehr. Wenn aber am Ende alle bunten Steine ordentlich verkleidet sind, dann stört mich das gar nicht. Ich bin aber auch niemand, der selbst kreativ wird und die Steine gerne anderweitig nutzen möchte, das wäre tatsächlich ein valides Argument gegen die bunten Steine im Inneren Pikachus. 

Ein sehr viel störender Punkt ist die Gestaltung des Displays. Versteht mich nicht falsch, ich finde die Base in Blitzform in schwarz und gelb total cool, aber der Stab, der Pikachu in seiner dynamischen Form hält, stört mich hier immens. Warum ist der denn schwarz? Klar, das Modell hält nicht von selbst und benötigt eine Stütze, warum aber ist diese nicht in Trans Clear oder von mir aus noch Trans Blue gehalten? Dasselbe gilt für die Aufhängungen für die Blitze, die ebenfalls schwarz sind. Der Gedanke war wohl, dass so der Stab noch besser mit der Base verschwimmt und gar nicht mehr so gut erkennbar ist. Das funktioniert auch bedingt, aber Aufhängungen, die nur der Stabilität dienen und keinen designtechnischen Nutzen haben, sollten so dezent wie möglich gehalten werden – und das erreicht man eben mit transparenten Elementen deutlich besser als mit einem satten Schwarz. 

Das Set beinhaltet übrigens fünf Prints und keine Sticker, wofür ich immens dankbar bin. Generell ist es eine Frechheit, dass LEGO auch bei Sets im Premium-Preissegment immer noch Sticker beilegt. Die sind nicht sehr langlebig und lösen sich mit der Zeit ab, außerdem stimmen da oft die Farben nicht zu 100%. Auch wenn man diese Sticker sehr sorgfältig anbringt, schafft man das doch nie ganz gleichmäßig – das sähe hier bei Mund, Nase oder Augen von Pikachu einfach nur schäbig aus. Ich bin daher in mehrfacher Hinsicht dankbar für die Entscheidung, hier ganz kompromisslos auf Prints zu setzen.

Die Formgebung

Richtig gut gefällt mir die dynamische Form des Sets. Der Pokéball ist geöffnet und Pikachu springt daraus hervor. Das überzeugt absolut und ist schön umgesetzt. Die Basis des Display in Blitzform ist dezent und trotzdem gut durchdacht, sodass das Set insgesamt einen wirklich ansprechenden Eindruck macht und einem reinen Displays-Set durchaus gerecht wird. 

Etwas kritischer muss man jedoch die einzelnen Komponenten, also Pikachu und Pokéball betrachten. Der Pokéball ist leider eher ein Pokéei und mein persönlicher Schwachpunkt des Sets. Nun ist es tatsächlich nicht ganz einfach, mit Klemmbausteinen wirklich runde Kugelformen zu erzeugen und insofern kann man den Designern wohl keinen Vorwurf machen. Zufrieden bin ich mit dem Ergebnis trotzdem nicht. 

Noch härter muss man wohl mit Pikachu selbst ins Gericht gehen. Das kleine gelbe Elektro-Pokémon sieht gerade im Gesicht leider nicht so wirklich gut getroffen aus. Die Augen- und Mundpartie sind doch arg kantig und fangen den Charme der kleinen Knutschkugel irgendwie einfach nicht so richtig ein. Vor allem die Augen wirken wie aufgesetzt, hier sieht es beinahe aus, als habe Pikachu ein Visier auf.

Zugleich möchte ich aber daran erinnern, dass wir es hier mit Klemmbausteinen zu tun haben und da lässt sich eben nicht jede Form so einfach nachbilden – erst recht dann nicht, wenn es um Kurven und Rundungen geht. Nun mag man dagegenhalten, dass ein Motiv dann vielleicht einfach nicht zur Umsetzung als LEGO-Modell geeignet ist und auch das ist wahr. Aber hätten wir deswegen auf dieses an sich schöne Set verzichten sollen? Letztendlich handelt es sich immer noch um modulare Bausteine und niemand hält euch davon ab, das Set nach euren Vorstellungen aufzubessern. Gerade die viel geübte Kritik an Pikachus Gesicht hat kreative Köpfe motiviert, hier selbst tätig zu werden und ihr könnt das Gesicht des ikonischen Pokémon ganz einfach umbauen. Und zugleich macht das doch gerade den Charme von Klemmbausteinen aus: Es gibt eine zwar sehr umfangreiche aber eben doch begrenzte Anzahl an Steinformen und aus denen müssen dann alle erdenklichen Rundungen und Kanten erzeugt werden. Wer es ganz clean mag, der muss auf Gussformen setzen, aber das ist eben einfach nicht das Klemmbausteinkonzept.

Fazit

Irgendwie gehört es mittlerweile ja zum guten Ton in der Klemmbausteinwelt, LEGO zu verteufeln. Und ja, ich verstehe diesen Ansatz durchaus, denn der Konzern gibt einem wirklich nicht viele Anlässe, ihn lieb zu haben. Sei es aufgrund unangemessener Preisgestaltung oder dem moralisch fragwürdigen Umgang mit der Konkurrenz, die Kritik am dänischen Spielwarenhersteller ist mannigfaltig. Nur sollte deswegen nicht automatisch jedes Set für schlecht befunden werden, denn das wird den Produkten auch nicht gerecht. 

Pikachu und Pokéball bringt bei all der oben angeführten Kritik viele überzeugende Punkte mit. Preislich bewegt sich das Set im durchschnittlichen Rahmen und mit ein paar Rabatten, die der Markt hergibt, bekommt ihr das Set problemlos mit 20% Rabatt – und das ist dann schon ein anständiger Deal, finde ich. 

Die spannende Frage ist nun aber noch, was LEGO weiter mit dieser Lizenz anfangen wird. Ich persönlich hoffe sehr auf Sets im Minifigurenmaßstab. Schön wäre etwa ein Pokémon-Center im Stile der Modular Buildings – natürlich mit entsprechenden Minifiguren und -Pokémon. Das passende Miniatur-Set gab es dazu ja schon, ist mittlerweile aber vergriffen. War das vielleicht ein Teaser für das, was kommt?

Zum jetzigen Zeitpunkt müssen wir uns mit drei Display-Modellen begnügen, was aber ja nur die Spitze des Eisbergs ist. Ich bin sehr gespannt darauf, was LEGO uns im Bereich Pokémon noch so präsentieren wird. 

Zum Abschluss möchte ich euch um euer Feedback bitten: Wollt ihr öfters auch Content fernab von Yugioh von mir lesen, oder interessiert euch das weniger? 

Falls ihr übrigens erwägt, euch Pikachu und Pokéball zu kaufen, findet ihr das Set bei uns im Shop – direkt mit einem schönen Preisnachlass gegenüber der UVP!

Euer

Hyozan

Über Hyozan

Yu-Gi-Oh!-Veteran der ersten Stunde

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