Yugioh – Das Side Deck: So baut ihr es richtig!

Es besteht aus 15 Yugioh Karten, soll dabei helfen sich auf eine gegnerische Strategie einzustellen und diese am besten auch noch zu stören: Das Side Deck. Zwar werdet ihr in den letzten Monaten vielleicht eher selten auf Turnieren gewesen sein, aber genau deswegen ist doch jetzt ein guter Zeitpunkt, das eigene Deck zu überarbeiten, neue Strategien zu erwägen und auch den Build des Side Decks mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Nur: Was lohnt sich? Welche Strategien werden aktuell gespielt und wie kann ich, ohne das gegnerische Deck zu kennen, bestmöglich vorsorgen? All diese Fragen sind nicht mal so eben nebenbei zu beantworten, deswegen möchte ich heute ganz konkret ein paar Karten in den Blick nehmen, die ihr für den Bau eures Side Decks eventuell erwägen könnt.

Das Kleingedruckte

Bevor ich gleich ein paar Karten ganz konkret empfehlen möchte, kommt hier erst einmal das Kleingedruckte. Es ist natürlich schwierig, allgemeingültige Tipps zum Bau des Side Decks zu geben. Spielt ihr etwa im Main Deck wenig Backrow Removal, so empfiehlt es sich, im Side Deck auf Zwillings-Twister, Kosmoszyklon oder Harpyien-Flederwisch zu setzen. Habt ihr im Main Deck keinen Platz für 15 Handtraps, ließe sich auch hier im Side Deck nachbessern. Kurzum: Ihr kennt die Stärken und Schwächen eurer Decks selbst am besten und entsprechend werdet auch ihr wissen, wie ihr am besten dagegen vorgeht. Vielleicht spielt ihr ja den Großteil meiner Vorschläge sowieso schon fest etabliert im Main Deck und diese Liste hilft euch gar nicht weiter und dann ist das auch in Ordnung.

Ich werde nun bei meinen Tipps versuchen das aktuelle Format im Blick zu behalten und dabei zu erkennen, was sich wirklich lohnen kann. Was ihr daraus macht, bleibt euch überlassen und vielleicht habt ihr ja darüber hinaus noch ganz eigene Ideen und Tipps. Um nun nicht zu spezifisch einzelne Karten in den Blick zu nehmen, sondern stattdessen eher das weite Feld der Möglichkeiten zu präsentieren, fasse ich die nachfolgenden Vorschläge in Kategorien zusammen, die allgemein für das Side Deck relevant sind: Da geht es um Handtraps, da geht es um Backrow Removal, also jede Form der Zerstörung von Zauber- und Fallenkarten und da geht es um konkrete Counter gegen aktuelle Decks und einzelne Karten, die momentan einfach standardmäßig gespielt werden. Genug der Vorrede, wir starten mit den Handtraps!

Handtraps

Handtraps finden sich aktuell eigentlich in jedem kompetitiven Deck und sind aus unserem momentanen Format nicht wegzudenken. Seit Vom Grab gerufen im September von der Banlist limitiert wurde, fällt auch noch eine essentielle Möglichkeit der Annullierung von Handtraps weg, kurzum: Hier haben wir es mit einem spielentscheidenden Kriterium zu tun, das ihr auf keinen Fall vernachlässigen solltet. Nun ist die Liste an Handtraps lang und seit meinem Artikel über die Top 10 der besten Handtraps ist auch schon wieder einige Zeit ins Land gegangen, sodass sich auch hier ein paar Verschiebungen ergeben haben dürften. 

Aschenblüte & Freudiger Frühling ist zwar nach wie vor eine der populärsten Handtraps, hat aber nach meinem Empfinden an Einfluss verloren. Gut, sie annulliert einmalig einen Such-Effekt, aber im Jahr 2021 hält das den Gegner nicht mehr wirklich auf – es sei denn, ihr seid so stur wie ich und spielt immer noch ein längst überholtes Deck wie Zombies…

Als effektiver hat sich da schon Kauz & Schlossvogel erwiesen. Der greift zwar erst, wenn zum zweiten Mal im selben Spielzug gesucht wird, da das aber mittlerweile eigentlich Standard ist, behindert ihr damit den Gegner deutlich mehr. Anfällig ist hier vor allem alles rund um die Beschworen-Engine um Aleister der Beschwörer, Magische Schmiede und die Zauberkarte Beschwörung. Aleister findet ihr übrigens mit neuem Artwork und in Premium Gold Rare in der neuen Maximum Gold Box.

Zunehmende Beliebtheit erlangt auch Schädelmeister, der ja nun beileibe keine neue Karte ist. Er annulliert Karteneffekte, die sich im Friedhof aktivieren und zeigt sich damit potent gegen beispielsweise Eldlich (und natürlich gegen jede Art des Zombiedecks…). Auch D.D. Krähe und Geistermädchen & Spukhaus sind  hier sicher nicht fehl am Platze. Auch Artefakt Longinuslanze kann hier fies sein, denn Decks wie Eldlich oder Dinosaurier sind einfach auf das Verbannen von Karten angewiesen. Geistermädchen & Spukhaus gewährt euch dabei jedoch vielleicht noch etwas mehr Flexibilität.

Eines der beliebtesten Decks aktuell ist Drytron und hier solltet ihr ernsthaft Nibiru, das Urwesen in Betracht ziehen, denn Drytron macht locker die notwendigen fünf Beschwörungen. Die Kunst liegt hier vielmehr darin, das richtige Timing abzupassen, um Drytron auch wirklich zu behindern, denn das Deck strotzt nur so vor Ressourcen.

Immer wieder hilfreich ist auch PSI-Hüllenpanzer Gamma, der im vergangenen Jahr im Toon Chaos Set einen Reprint erhalten hat. Anders als beispielsweise Effektverschleierin annulliert sie nicht nur Effekte, sondern zerstört das entsprechende Monster auch direkt und nimmt dem Gegner so Futter für seine Beschwörungen aus dem Extra Deck. Klingt erst einmal super, aber Gamma ist nicht unumstritten: Zum einen dürft ihr keine Monster kontrollieren, um seinen Effekt aufzulösen, zum anderen benötigt ihr das sonst absolut nutzlose Monster PSI-Hüllentreiber, das euch auf eurer Hand mal so gar nichts bringt. Üblicherweise wird eher auf Unendliche Unbeständigkeit zurückgegriffen, die dann aber auch direkt im Main Deck gespielt wird und eigentlich zu gut für eine Side Deck Karte ist.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich hier auch Spielmarken-Sammler. Gabriel Netz, der Sieger der LCS VIII im November, spielte diese Karte gleich dreimal im Side Deck und schien damit ganz gut zu fahren. Zumindest gegen Untergegangene Welt mag diese Karte absolut hilfreich sein und das ist definitiv schon viel wert.

Ihr seht: Die Möglichkeiten sind vielfältig und wie ihr den Handtrap-Anteil in eurem Side Deck gestaltet, hängt maßgeblich auch davon ab, wie groß dieser Anteil bei euch im Main Deck bereits ist. Neben Handtraps solltet ihr aber außerdem auf eines achten:

Backrow Removal

Als Germanist bin ich bestrebt, die deutsche Sprache zu würdigen und Anglizismen weitgehend zu vermeiden. Da mir aber einfach keine prägnante und weniger sperrige Bezeichnung einfallen will, fasse ich diese Kategorie einfach unter Backrow Removal zusammen – bitte seht es mir nach.  Hierunter fällt alles, was Zauber- und Fallenkarten loswerden kann.

Seit September dürfen wir die lange verbotene Zauberkarte Harpyien-Flederwisch wieder spielen und sollten das, zumindest im Side Deck, auch tun. Mit ihr werdet ihr auf einen Schlag sämtliche Zauber- und Fallenkarten des Gegners los. Das war lange zu stark, doch in einer Zeit, in der sowieso kaum Fallenkarten gespielt werden und diese sich dann in der Regel auch auf die Aktivierung von Harpyien-Flederwisch anketten lassen, ist dieser Effekt längst nicht mehr so stark wie einst, sodass die Rückkehr ins Spiel durchaus legitim ist.

Erwägen solltet ihr außerdem unbedingt auch Kosmoszyklon. Der kostet euch zwar 1000 LP, verbannt die Karte dann aber auch, was natürlich vor allem gegen Eldlich ausgesprochen hilfreich ist.

Blitzsturm ist an dieser Stelle natürlich auch eine Option, und gleichzeitig nicht wirklich: Sie ist deutlich teurer als Harpyien-Flederwisch und darüber hinaus ist ihre Aktivierung an Bedingungen geknüpft, die sie vor allem im ersten Spielzug brauchbar macht, wenn ihr als zweites euren Zug macht. Okay, ihr könnt mit ihr auch alle offenen Monster in Angriffsposition zerstören, aber da viele Monster sowieso über einen Schutzeffekt verfügen, rettet euch auch das eher selten. Der Hype um diese Karte dürfte seit der Spielbarkeit von Harpyien-Flederwisch also abgeebbt sein.

Gegen Zauberkarten könnt ihr stattdessen auch auf Kaiserlicher Befehl setzen. Kettet ihr sie auf die Aktivierung einer Zauberkarte an, ist das ein netter Negate-Effekt und auch die 700 LP, die ihr in jeder eurer Standby-Phasen zahlen müsst, sind zu verschmerzen.

Den Gegner behindern – um jeden Preis

Und dann ist da natürlich noch eine Reihe an Karten, die nur darauf abzielen, die gegnerische Strategie zu behindern und eine etwaige Übermacht in den Griff zu bekommen, falls man erst als Zweiter spielen darf. Die Optionen hier sind nicht ganz günstig, stammen sie doch teilweise aus dem wohl stärksten Set aus dem vergangen Jahr, aus Rise of the Duelist.

Talent der drei Taktiken ist wohl die vielseitigste der hier zu erwähnenden Karten. Sie könnt ihr zwar nur aktivieren, wenn der Gegner während eurer Main Phase einen Monstereffekt aktiviert, aber das tut er in der Regel, mindestens durch Handtraps. Dann könnt ihr entweder zwei Karten ziehen, eine Handkarte von der gegnerischen Hand wählen und zurück ins Deck mischen oder ein Monster des Gegners übernehmen ohne zu zielen. Diese Vielfalt macht Talent der drei Taktiken zu einer generischen  Wahl fürs Side Deck. Sie richtet sich nun nicht konkret gegen einen Decktyp, aber hilft durch Kartenvorteil und gegen unüberwindbare gegnerische Monster und das ist in nahezu jedem Duell hilfreich.

Ähnlich generisch ist Verbotener Tropfen, ebenfalls aus Rise of the Duelist. Sie halbiert die ATK der gegnerischen Monster und annulliert zudem ihre Effekte. Das hilft enorm, um starke Boards zu beseitigen. Alternativ zu dieser kostspieligen Karte ließe sich auch Kein Dunkler Herrscher mehr spielen. Diese findet ihr als Secret Rare Promo in der Gold Sarcophagus Mega Tin oder neuerdings auch in Common im Structure Deck: Spirit Charmers, das ihr bei uns mit Tiefpreisgarantie bekommt. 

Einem ähnlichen Zweck folgt auch Ausgeglichener Zweikampf, die ihr als Handtrap aktivieren könnt und die vor allem dann hilfreich ist, wenn ihr als zweites am Zug seid und der Gegner in seinem Zug ein starkes Board aufgebaut hat. Nicht ganz so potent, aber immer noch sehr hilfreich ist auch Dinowrestler Pankratops, den ihr spezialbeschwören und opfern könnt, um eine gegnerische Karte zu zerstören. Passend, aber nicht so oft vertreten, wäre hier auch Alpha, Bestienmeister aus Phantom Rage. Sein Effekt erinnert etwas an Pankratops, ist jedoch noch ein wenig komplexer und an einen bestimmten Monstertyp gebunden. Hilfreich ist er aber besonders, da er weder zielt noch zerstört und somit die meisten Schutzeffekte umgehen kann.

Sinn des Side Decks ist es natürlich, möglichst breitgefächert gegen gegnerische Decks und Strategien gewappnet zu sein. Dabei gilt es, die Schwachpunkte des eigenen Decks genau zu kennen und bestmöglich vorzusorgen. Ihr solltet also schon einige Duelle mit eurem Deck bestritten und diese im Nachhinein auch analysiert haben, bevor ihr euch an euer Side Deck macht. Eine Niederlage tut weh, ist aber dann fruchtbar, wenn ihr daraus lernt. Davon, mit einem neuen und nicht erprobten Deck auf einem Turnier anzutreten, kann ich euch also nur abraten. Kennt euer Deck und der Bau des Side Decks ist keine große Sache mehr. Ein paar Anregungen und Ideen habt ihr hoffentlich aus diesem Artikel mitnehmen können.

Euer Hyozan

Über Hyozan

Yu-Gi-Oh!-Veteran der ersten Stunde

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