Yugioh – Warum werden Karten zensiert?

Fans des Yugioh-Sammelkartenspiels müssen sich schon seit Anbeginn des Spiels mit Zensuren der Karten abfinden. Die meisten Zensuren bemerken wir im europäischen oder amerikanischen Raum kaum, denn sie werden nur dann ersichtlich, wenn man die entsprechenden Karten direkt mit ihrem OCG-Pendant vergleicht. Und dennoch: Auch wenn sie uns nicht direkt auffallen, haben Zensuren immer einen fahlen Beigeschmack.

Warum Karten zensiert werden und wie die Originale aus Japan eigentlich aussehen, soll heute Thema dieses Artikels sein. 

Zensur: Eine Definition

Wenn wir von Zensur sprechen, müssen wir zunächst einmal klären, wann man von einer Zensur spricht und wann einfach nur von einer gewöhnlichen Anpassung. Es gibt durchaus Karten, die zwar für das TCG verändert worden sind, der Grund dafür aber nicht darin liegt, unangemessene Inhalte zu korrigieren. Vielmehr werden einige Kartenbilder oder -namen deswegen verändert, weil sie im OCG auf kulturelle, sprachliche oder gesellschaftliche Phänomene referieren, die sich der westlichen Welt nicht so ohne Weiteres erschließen.

Manchmal werden Karten aber auch nur deswegen verändert, um kleinere Fehler zu korrigieren. So erkennen wir auf der OCG-Karte von Kartendreher Jerry, Soldatenbohnenmann eindeutig als Effektmonster, dabei handelt es sich bei der kampfwütigen Bohne (wer hat sich das ausgedacht??), um ein effektloses Monster. Für das TCG wurde das entsprechend angepasst.

Von Zensur sprechen wir dann, wenn unangemessene Themen oder Darstellungen aus dem OCG im TCG nicht übernommen werden. Beachtet man die Zielgruppe, so ist absolut nachvollziehbar, wieso Konami im TCG auf zu realistische Gewaltdarstellungen, Verletzungen, Freizügigkeit, Darstellungen von Rauschmitteln oder auch auf religiöse Bezüge verzichtet. 


Gewaltdarstellungen

Okay, Yu-Gi-Oh! mag grundsätzlich kein absolut gewaltbefreites Spiel sein, denn letztendlich geht es dennoch um Kämpfe, um Zerstörung und einen Friedhof gibt es auch. Das findet aber auf einem relativ hohen Abstraktionsniveau statt, sodass die Problematik hier nicht so brisant ist wie in tatsächlichen Kartendesigns. Schusswaffen sind für das westliche Yu-Gi-Oh! ein rotes Tuch, sodass etwa Pistolendrache mit abstrahierten Schusswaffen ausgestattet ist und auch der Pistolenlauf hinter der Tür wurde im TCG durch eine fantastischere, ägyptisch anmutende Version ersetzt – passt zur restlichen Stimmung der Karte aber auch besser.

Ein wenig irritiert vor diesem Hintergrund die auch heute noch gespielte Karte Superkanonen-Panzerzug. Sicherlich, auch hier ist das absurd dominante Kanonenrohr zensiert worden, der Name der Karte hat sich aber im TCG doch gehalten und auch das ist nicht ganz unkritisch: Die englische Version dieser Karte trägt den Namen Superdreadnought Rail Cannon Gustav Max und bezieht sich somit ganz eindeutig auf den Schweren Gustav, ein mobiles Geschütz der Wehrmacht im zweiten Weltkrieg. Dass der Name für die deutsche Version der Karte erneut geändert wurde, ist angebracht, eine entsprechende Zensur vom OCG ins TCG wäre aber keinesfalls überraschend gewesen.

Wo wir gerade bei Krieg und Waffen sind: Ring der Zerstörung, eine einst sehr begehrte Secret Rare aus Pharaonic Guardian, zeigt im Original einen Ring mit Handgranaten. Im TCG wurden die Granaten durch Flammen ersetzt: eine Änderung, die mir persönlich viel besser gefällt, vor allem als Secret Rare.


Verletzungen

Gewalt wird im OCG nicht nur durch Waffen dargestellt, sondern auch durch körperliche Verletzungen.

Letztes Angebot beispielsweise zeigt in der OCG-Version ein deutlich blutigeres Artwork. Für die TCG-Version wurde das Kartenbild komplett überarbeitet und zeigt ein wesentlich farbenfroheres und unbedenklicheres Artwork, doch auch das ist nicht so wirklich lebensbejahend.

Wir wissen spätestens seit dem Naruto-Anime, dass rot eine böse Farbe ist und zensiert gehört. Unzumutbar ist es, wenn minderjährige Zuschauer etwas Rotes sehen müssen und natürlich wurde Sasukes gesamte Familie „verschleppt“ und keineswegs getötet. Aber ich schweife ab.

Verletzungen werden im TCG entweder komplett entfernt oder soweit abstrahiert, dass der Ansatz erkennbar bleibt, das ganze aber eine unrealistische Note bekommt – ähnlich wie beim Umgang mit Schusswaffen. So zeigt uns die Karte Superverjüngung zwar durchaus eine Verletzung, offenbar haben Drachen im TCG aber blaues Blut und Fleisch. Im OCG hingegen bleibt die Wunde deutlich als solche erkennbar.


Rauschmittel und Jugendschutz

Yu-Gi-Oh! ist ein Spiel für eine breit gefächerte Zielgruppe. Während auf Turnieren vor allem ältere Spieler antreten, dürfen auch die jüngeren Fans nicht vergessen werden. Tatsächlich ist es absolut wichtig, sich als Gemeinschaft an den schwächsten Mitgliedern zu orientieren und diesen besonderen Schutz zuteil werden zu lassen, auch wenn die älteren unter uns gewisse Zensuren möglicherweise als übertrieben empfinden.

Die strikte Zensur von Alkohol und Tabak ist daher die logische rechtliche und moralische Konsequenz.

Sicherlich kennt ihr alle Nummer 41: Bagooska der schrecklich müde Tapir. Das Vieh chillt einfach in einem Berg aus Kissen, hat auch noch eins im Arm und hält ein entspanntes Schläfchen. Damit kann ich mich sehr gut identifizieren. Nur: Im OCG ist Bagooska gar nicht müde, sondern einfach nur sternhagelvoll. Irgendwie auch charmant.

Sehr viel umfangreicher ist die Zensur der Karte Scharfer Spion. Hier kommt aber auch wirklich alles zusammen: zum einen raucht der adrett gekleidete Herr im Vordergrund im Original genüsslich eine Zigarre und hält, dann auch noch ein Weinglas in der Hand. Nicht gerade vorbildhaft für minderjährige Spieler, könnte man anmerken. Im TCG wurde die Zigarre entfernt und der Schnurrbart des Mannes dafür deutlich buschiger gestaltet, sodass es nun so aussieht, als würde der Herr recht schelmisch seinen Bart zwirbeln. Die Hand, die eigentlich das Weinglas hält, hat indes nichts zu tun und wirkt etwas deplatziert.

Damit aber noch nicht genug: Auch die Dame im gewagten Outfit ist offenbar zu aufreizend für den TCG-Raum. Das Kleid bleibt zwar figurbetont, jedoch ist in der TCG-Version deutlich weniger Bein zu sehen und auch die umherstehenden Männer haben in der jugendfreundlichen Variante keine Herzen in den Augen.

Die Weinflasche im Hintergrund ist natürlich auch durch eine unverfänglichere Saftflasche ersetzt worden.

Kind, zieh dir was an!

Natürlich werden auch zu freizügige Artworks zensiert. Das ist insgesamt aber ja nicht unangenehm: wollen wir tatsächlich mit Karten spielen, die leicht bekleidete Fantasiewesen zeigen? Dafür gibt es doch andere Nischen. Und natürlich müssen auch hier die Kinder und deren Eltern berücksichtigt werden, die von derartigen Kartendesigns nicht gerade begeistert sein dürften.

Gerade die Harpyien legen nicht besonders Wert auf ein züchtiges Outfit. Harpyie und Harpyien-Mädchen kommen aber selbst für diese Verhältnisse zu freizügig daher und haben im TCG zusätzlichen Stoff spendiert bekommen.


Religiöse Symbole

Weniger aus Gründen des Jugendschutzes als aus Gründen des Respekts sind auch religiöse Symbole zensiert. Yu-Gi-Oh! ist ein Spiel für Jedermann, ganz gleich, welchen kulturellen, ethnischen oder religiösen Hintergrund er mitbringt. Insofern ist Konami im pluralistischen Westen auf eine gewisse Neutralität bedacht.

Törichtes Begräbnis und Ruf der Gejagten zeigen beide in der TCG-Version einen neutralen Grabstein. Im OCG hingegen sind die Gräber mit einem steinernen Kreuz geschmückt.

Auch okkulte Symbole, wie etwa Pentagramme, werden in der Regel zensiert und die bekannte Version der Karte Wiedergeburt, die eigentlich ein altägyptischen Ankh zeigt, wird im TCG durch ein schnörkeliges Etwas mit Flügeln (oder so) ersetzt.

Es gibt Hoffnung

Während ich durchaus Verfechter vieler Zensuren bin, verstehe ich aber auch all jene, die sich die originalen Artworks wünschen. Aber es gibt Hoffnung! Die Lost Art Promos kommen genau diesem Wunsch nach und bringen OCG-Artworks ausgewählter Karten ins TCG. Zu erhalten waren diese zuletzt im vergangenen Jahr in den OTS Stores, wenn ihr Produkte im Wert von mindestens 30 Euro gekauft habt. Dann habt ihr eine Lost Art Promo Karte erhalten, darunter Dunkles Magier-Mädchen, Rasende Eria oder auch Celestia, Lichtverpflichteter Engel. In der Vergangenheit gab es aber auch gewagtere Artworks wie Elementar-HELD Burstinatrix oder Elfenzwillinge.

Zensuren bleiben ein zweischneidiges Schwert bei Yu-Gi-Oh!: Oft mag die Absicht dahinter nachvollziehbar und löblich sein, gleichzeitig verfälscht Zensur immer auch die eigentlich angedachte Wirkung. Gerade für erwachsene Spieler mag das ärgerlich sein, insofern sind die Lost Art Promos sicher ein gelungener Kompromiss.

Euer

Hyozan

Über Hyozan

Yu-Gi-Oh!-Veteran der ersten Stunde

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