Yugioh – Sieg durch Duel Winners – wie elegant sind sie wirklich?

8000 Lebenspunkte, jeder beschwört seine Monster, verstärkt sie durch Zauberkarten und sichert sich durch Fallen ab. Dann werden die Biester so lange aufeinander losgelassen, bis ein Spieler keine Lebenspunkte mehr hat – ihr kennt das. So sieht in der Regel in groben Zügen das klassische Duell mit einem normalen Yugioh-Deck ohne Duel Winners aus.

Wer nicht auf Attackenstärke setzen möchte, der versucht sich auch mal an einem Chain-Burner Deck oder setzt auf Effektschaden durch Trickstar, darüber hinaus sind die Möglichkeiten, ein Duell für sich zu gewinnen, aber recht limitiert.

Die Fans der frühen Yu-Gi-Oh!-Serie mögen sich erinnern, dass Yugis erster Sieg gegen Kaiba aber anders ausgesehen hat:  17 Jahre ist es nun her, dass Yugi dieses besondere Duell  für sich entscheiden  konnte.

Aus diesem Grund nehmen wir dieses Thema heute genauer unter die Lupe: Es geht um die sogenannten Duel Winners. Das sind Karten oder Sets, die euch mithilfe ihres Effektes das Spiel gewinnen lassen und zwar, ohne den gegnerischen Lebenspunkten Schaden zufügen zu müssen. Diese Decks sind im Competitive Play eigentlich nicht vertreten, und bis auf Exodia und eventuell Schicksalstafel auch wenig bekannt. Höchste Zeit also, sich heute mal diesen eher ungewöhnlichen Weg zum Sieg anzuschauen.  

Exodia, die Verbotene

Zu ihr muss ich eigentlich nichts sagen, denn sie gehört seit den frühen Anfängen des Kartenspiels zum Stamminventar und jeder Spieler kennt sie. Mit Exodia gewann Yugi sein erstes Duell gegen Seto Kaiba und verlor kurz darauf aber alle Teile, als Weevil sie auf dem Weg ins Königreich der Duellanten über Bord warf.

Habt ihr alle Teile der Verbotenen auf der Hand, gewinnt ihr das Duell. Klingt einfach, ist jedoch nicht ohne weiteres zu erwarten, weswegen die Exodia-Decks ausschließlich darauf ausgerichtet sind. In der Regel geschieht dies mit einer umfangreichen Draw Engine, kann jedoch auch über Exodia-eigenen Support geschehen wie beispielsweise Inkarnation der legendären Exodia, was eine ganz abwechslungsreiche Alternative zum klassischen Exodia-Deck darstellt. Diese schöne Alternative, die auf die Falle Auslöschen!!! und eben besagte Inkarnation setzt, erhielten wir 2016 in der Legendary Decks II Box. Doch nicht verzagen: diese Box erhält voraussichtlich am 28.05.2020 einen Reprint und kann natürlich bei uns im Shop vorbestellt werden.  

Exodius, der ultimative verbotene Lord

Nicht nur die einzelnen Teile der Verbotenen führen euch zum Sieg, das Exodia-Thema hat dafür noch mehr Möglichkeiten geschaffen, die allerdings sperrig und langsam sind und demnach nicht wirklich zur Anwendung kommen.

Exodius, der ultimative verbotene Lord schickt jedes Mal, wenn er einen Angriff deklariert, ein Monster von der Hand oder dem Deck auf den Friedhof. Wenn auf diese Weise alle Exodia-Teile im Friedhof landen, gewinnt ihr. Leider verfügt dieser Hexer aber über keinerlei Schutz und kann ganz einfach durch Zauber-, Fallen- oder Monstereffekte entsorgt werden.

Exodia, die legendäre Verteidigerin

Ein weiteres Produkt aus dem Hause Exodia ist die legendäre Verteidigerin, die ihr in der Gold Sarcophagus Tin aus dem letzten Jahr findet. Sie kann beschworen werden, indem ihr fünf eurer Monster opfert. Dann erhält sie die kombinierten Werte der Tribute und gibt somit ein stattliches Monster ab. Das Duell könnt ihr dann gewinnen, indem ihr den Gegner stumpf angreift, denn auch das kann hier durchaus zum Sieg reichen. Wenn ihr dabei ein Finsternismonster vom Typ Unterweltler zerstört, gewinnt ihr das Duell automatisch, unabhängig davon, was die Lebenspunkte sagen.

Schicksalstafel

2003 erschien im Labyrinth of Nightmare eine erste Alternative zu Exodia: Die Schicksalstafel. Diese Fallenkarte (damals übrigens Ultra Rare) erlaubt es, einmal pro Spielzug während der End Phase des Gegners eine Geisternachricht vom Deck oder der Hand offen in die Zauber- und Fallenzone zu legen. Ergibt sich so irgendwann das Wort FINAL, gewinnt der Spieler das Duell.

Diese Methode des Sieges war noch nie gut. Zunächst einmal wurden auch 2003 gegnerische Zauber- und Fallenkarten schon fleißig entsorgt (Schwerer Sturm, Mystischer Raum-Taifun, Brecher, Magischer Krieger usw), zum anderen wird die gesamte Zauber- und Fallenzone für die fünf Buchstaben benötigt. Sperrig, unsicher und zeitaufwendig konnte sich diese Methode nie gegen Exodia durchsetzen – damals nicht und heute noch weniger.

Letzter  Countdown

Der Effekt dieser Zauberkarte ist simpel: der Anwender muss lediglich 2000 Lebenspunkte zahlen und gewinnt nach 20 Spielzügen das Duell. Klingt einfach, doch jeder, der in den letzten Jahren ein Duell bestritten hat, wird wissen, dass heutzutage kein Duell mehr 20 Züge andauert. Dennoch braucht ihr eine gehörige Portion Geduld, wenn ihr einmal auf ein solches Deck stoßen solltet, da euer Gegner alles daran setzen wird, euch so lange wie möglich hinzuhalten.

Jackpot-7

Wenn diese Zauberkarte durch einen gegnerischen Effekt zerstört wird, wird sie stattdessen verbannt. Wenn drei Jackpot-7 Karten auf diese Weise verbannt werden, gewinnst du das Duell.

Wirklich etwas bewirken tun diese Decks natürlich auch nicht, dennoch haben wir es hier mit einer ganz lustigen Spielmechanik zu tun. Dieses Deck setzt vor allem auf Dunkler Skorpion – Einbrecher, der dann dem Gegner aufgezwungen wird (etwa durch Kreaturentausch oder Shiens Spion). Dunkler Skorpion – Einbrecher wird dann mit möglichst vielen eigenen, schwächeren Monstern, wie zum Beispiel Spielmarken, angegriffen und voilà: ihr gewinnt.

Vennominaga die Gottheit der giftigen Schlangen

Zunächst einmal mutet dieses Effektmonster gar nicht so schlecht an: Es muss zwar recht kompliziert spezialbeschworen werden, seine Werte generieren sich dann aber aus der Anzahl an Reptilien in eurem Friedhof und es kann weder als Ziel für Zauber-, Fallen- und Effektmonsterkarten gewählt werden und bleibt von selbigen sogar gänzlich unberührt. Wird Vennominaga folglich durch Kampf zerstört, kann er sogar zurückkommen. Insofern hat man es auch nach heutigen Standards bei Vennominaga mit einem recht lästigen Gegner zu tun. Wenn diese Karte Kampfschaden zufügt, wird sie mit einer Supergift-Zählmarke versehen. Ihr ahnt es: bei drei dieser Zählmarken gewinnt ihr das Duell.

Wieso Vennominaga dennoch nicht mehr gespielt wird, ist einfach zu beantworten: Zum einen ist das Gift-Thema, dem Vennominaga angehört, schlichtweg schlecht und erhält auch keinerlei Support mehr – wie eigentlich das gesamte Reptilien-Thema.  Zusätzlich ist die Beschwörung von Vennominaga derart sperrig und langsam, dass sich die Mühe dafür nicht wirklich lohnt. Schade eigentlich, denn Vennominaga selbst ist nicht unbedingt schlecht.

Holactie, der Schöpfer des Lichts

Zugegeben, Holactie, der Schöpfer des Lichts hier aufzuführen, ist etwas geschummelt. Diese Karte gibt es nämlich nur in einer Auflage von 10.000 Stück und wurde Ende 2011 ausschließlich im japanischen Raum im Rahmen eines Gewinnspiels verlost. Das Artwork stammt dabei von Kazuki Takahashi persönlich.

Das Monster der Stufe 12 kann nur beschworen werden, wenn die drei ägyptischen Götter auf dem Spielfeld liegen und als Tribut angeboten werden. Das allein ist schwer genug zu erreichen, denn es muss sich bei den besagten Monstern tatsächlich um Slifer, Obelisk und Ra handeln; Phantom des Chaos beispielsweise funktioniert nicht. Wenn die Beschwörung, die übrigens nicht annulliert werden kann, dann aber gelingt, gewinnt ihr das Duell.

Nummer 88: Gimmick-Marionette Leo und Nummer C88: Gimmick-Marionette Unglücks-Leo

Ähnlich wie oben bei Venomminon, sichert ihr euch bei Nummer 88 den Sieg, indem ihr es schafft, drei Zählmarken auf Gimmick-Marionette Leo zu legen. Das könnt ihr allerdings nur einmal pro Spielzug tun und dürft dafür auch keine Karten in eurer Zauber- und Fallenzone haben. Mit einer ATK von 3200 ist dieses XYZ-Monster zwar recht solide, verfügt aber über keinerlei Schutz vor gegnerischen Effekten. Zweifelhaft also, dass Nummer 88: Gimmick-Marionette Leo lange genug liegen bleibt, um euch den Sieg zu verschaffen.

Nummer C88: Gimmick-Marionette Unglücks-Leo kommt da auf Anhieb solider daher: Sie ist noch mal 300 ATK-Punkte stärker und kann nicht als Ziel für Karteneffekte gewählt werden. Wenn diese Karte kein Material mehr hat und der Gegner während der End Phase über 2000 oder weniger Lebenspunkte verfügt, gewinnt ihr das Duell. So weit, so gut. Allerdings steht der Gegner mit unter 2000 Lebenspunkten sowieso schon nicht mehr ganz so gut da und euer Sieg sollte recht absehbar sein. Zusätzlich sind sowohl die Beschwörungs- als auch die Winning Conditions nicht gerade das, was man als elegant bezeichnen würde.

Fliegender Elefant

Dieser Albtraum-Dumbo ist noch recht neu im Geschäft, denn Fliegender Elefant ist erst 2018 in Battles of Legend: Relentless Revenge erschienen. Der Elefant kann einmal pro gegnerischem Spielzug nicht durch Karteneffekte zerstört werden. Dieser Effekt muss ausgelöst werden, damit ihr in eurem darauffolgenden Spielzug den Sieg erringen könnt: Wenn diese Karte nämlich dann zusätzlich direkten Kampfschaden zufügt, gewinnt ihr das Duell.

Wie so oft ist es aber höchst unwahrscheinlich, dass diese Situation eintritt. Der Status einer Secret Rare ist damit eigentlich nicht erfüllt, denn diese Karte ist über die Maßen situativ und nützt eigentlich nur, wenn sich der Gegner sowieso schon in einer heiklen Lage befindet.

Die Bilanz ist ernüchternd, aber nicht überraschend. Duel Winners locken durch ihren Effekt, sind aber eigentlich nie wirklich spielbar und somit eher ein Kuriosum als eine ernstzunehmende Strategie. Exodia, die Verbotene ist ein wenig die Ausnahme, denn sie ist immer noch der konstanteste Duel Winner, obgleich auch hier mit großer Vorsicht vorgegangen werden muss. Wenn ein Exodia-Deck aber läuft, dann kann es den Gegner durchaus in die Enge treiben, dazu muss aber schon der erste Zug sitzen, denn einen zweiten oder gar dritten Zug übersteht ein Exodia-Deck gegen das Meta auch nicht.

Anstatt auf Duel Winners zu setzen, kann man eigentlich auch gleich die Karte Seelenwechsel spielen, die dem Gegner den Sieg überlässt – das Resultat ist in den meisten Fällen wohl leider dasselbe.

Euer Hyozan

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