Yugioh – Review zu den Egyptian God Decks

Wir schreiben das Jahr 2003. Überall in Europa und den USA sitzen Kinder vor den Bildschirmen und folgen gebannt der neuen Staffel Yu-Gi-Oh!. Neben den spannenden Duellen, einem diabolischen Gegenspieler und endlich annähernd adäquaten Regeln sind aber vor allem drei Monster für die Magie dieser Staffel verantwortlich: Die ägyptischen Götterkarten Obelisk der Peiniger, Slifer der Himmelsdrache und Der Geflügelte Drache von Ra. Diese nahezu unbesiegbaren Monster begeistern die Spieler der frühen Tage und jeder möchte die drei Götter in seiner Sammlung haben. Nur: ähnlich wie im Anime ist das auch im wirklichen Leben nicht so leicht…

Die Götterdecks

2003 liegt lange zurück und seitdem haben die ägyptischen Götterkarten jede Menge Reprints erhalten, sodass es mittlerweile eigentlich nichts Besonderes mehr ist, sie zu besitzen. Selbst Ras andere Formen, nämlich der Kugelmodus und der Unsterbliche Phönix haben es dank Duel Power zu uns ins Yugioh-Sammelkartenspiel geschafft. Ra selbst hat letztes Jahr in Legendary Duelists: Rage of Ra Würdigung erfahren, nun sind Slifer und Obelisk dran. Structure Decks, die sich den ägyptischen Göttern widmen, sind trotz zahlreicher Reprints und eigentlich eher sperriger Spielbarkeit etwas sehr Besonderes.

Beide Decks bestehen aus jeweils 4 Ultra Rares, 4 Super Rares und 32 Commons, kommen also insgesamt exakt auf das notwendige Minimum von 40 Karten. Slifer und Obelisk sind für ihre jeweiligen Decks natürlich exklusiv, die beiden Egyptian God Structure Decks teilen sich aber die neue Karte Seelenkreuzung. Zusammen mit den beiden anderen Schnellzauberkarten Faust des Schicksals und Donnerschlagskraft-Angriff war Seelenkreuzung die erste bekannte Karte des neuen Decks. Alle drei hatte ich euch bereits vorgestellt und werde daher auf diese, obwohl sie neu sind, nicht noch einmal eingehen.

Egyption God Deck: Obelisk the Tormentor

Widmen wir uns also erst einmal den anderen neuen Karten des Obelisk-Decks.

Zunächst hätten wir da die Zauberkarte Göttliche Evolution. Zuerst einmal können die Aktivierung und der Effekt dieser Karte nicht annulliert werden und das ist schon mal richtig gut. Dann wählt ihr eines eurer Göttlichen Ungeheuer und dieses erhält nicht nur 1000 ATK und DEF zusätzlich, auch seine Effekte können fortan nicht mehr annulliert werden. Zusätzlich erhält euer Gott einen weiteren Effekt: Wenn ihr einen Angriff mit eurer Götterkarten deklariert, muss der Gegner eines seiner Monster auf den Friedhof legen.

Ähnlich wild wird es mit der Fallenkarte Stufen-Widerstandsmauer. Auch wenn Fallen langsam sind und in Zeiten, in denen Harpyien-Flederwisch, Kosmoszyklon oder Blitzsturm gespielt werden, eine eher unsichere Angelegenheit sind, ist ein Einsatz dieser Falle auch außerhalb des Götterdecks durchaus vorstellbar. Wird nämlich eines eurer Monster durch Kampf oder Karteneffekte zerstört, könnt ihr Monster vom Deck spezialbeschwören, sodass die Summe der Stufen der beschworenen Monster der Stufe des zerstörten Monsters entspricht. Die Effekte der auf diese Weise beschworenen Monster werden zwar annulliert, der Wert dieser Karte ist aber trotzdem nicht zu unterschätzen: in eurem eigenen Zug könnt ihr die Monster entspannt zu Xyz-, Link- oder Synchromonstern weiterverarbeiten. Und selbst, wenn ihr Stufen-Widerstandsmauer im gegnerischen Spielzug aktiviert: die beschworenen Monster schützen eure Lebenspunkte und es gibt ja auch haufenweise Decks, die stark von Monstern im Friedhof profitieren.

Neu ist auch die Monsterkarte Engel 01. Sie lässt sich spezialbeschwören, indem ihr ein Monster der Stufe 7 oder höher in eurer Hand vorzeigt, ganz ähnlich wie bei Blauäugiger Alternativer Weißer Drache. Theoretisch könnt ihr also sowohl Engel 01 als auch den erwähnten Alternativen weißen Drachen spezialbeschwören, indem ihr lediglich einen normalen Weißen Drachen vorzeigt. Damit aber noch nicht genug: diese Karte schenkt euch eine zusätzliche Tributbeschwörung zu eurer Normalbeschwörung. Das ist nicht nur für die Beschwörung von Obelisk oder Slifer interessant, sondern sicherlich auch für Monarchen.

Das restliche Obelisk Structure Deck ist vor allem darauf ausgelegt, Futter für Obelisk zu generieren. Wir sehen hier Monster wie Cyber Drache und Ras Schüler, aber auch Zauberkarten wie Gehirnkontrolle und Sturmkraft der Monarchen. Besonders hervorheben möchte ich die enthaltene Combo aus Verfluchte Hexe und Verbotener Kelch. Verfluchte Hexe ist als Secret Rare in Soul Fusion erschienen und hat ihren ersten Reprint erst Ende 2020 in Maximum Gold erhalten. Mit ihr könnt ihr euch eine Verboten-Schnellzauberkarte aus dem Deck suchen. In der Budget-Variante ist das Verbotener Kelch, in der Luxus-Variante wäre Verbotener Tropfen ein geeignetes Ziel. In beiden Fällen könnt ihr einen Monstereffekt annullieren.

Egyptian God Deck: Slifer the Sky Dragon

Neben den beiden schon länger bekannten neuen Karten, die ich ja bereits vorgestellt habe, bringt auch das Slifer Structure Deck drei neue Karten mit.

Hier finden wir die Falle Ultimatives Götterungeheuer. Aktiviert ihr sie, müsst ihr eine Zauber- oder Fallenkarte abwerfen und dann ein Göttliches Ungeheuer vom Friedhof spezialbeschwören. Das Angriffsziel wird dann auch direkt auf euren Gott umgelenkt, was für den Gegner recht unangenehm sein könnte. Wenn ihr außerdem während eurer End Phase eine ägyptische Götterkarte kontrolliert, könnt ihr alle gegnerischen Karten zerstören, die in dieser Runde ihren Effekt aktiviert haben. Das gilt also nicht nur für Monster, sondern auch für permanente Zauber- oder Fallenkarten. Insgesamt ein recht netter Effekt, aber leider eben auch recht situativ.

Ähnlich sieht es da mit Millenniumssucher aus, einem Hexer der Stufe 4, dessen Artwork wunderbar den ägyptischen Bezug aufgreift. Der Kartentext selbst ist ziemlich kompliziert geschrieben, daher beschränke ich mich auf das Wesentliche: Ihn könnt ihr spezialbeschwören, wann immer ihr 1000 oder mehr Schaden erhaltet. Mit ihm könnt ihr ein Monster im gegnerischen Friedhof wählen und da wird es dann ein wenig zweischneidig: entweder ihr könnt das gewählte Monster auf eurer Spielfeldseite beschwören oder der Gegner erhält ein Monster von seinem Deck auf die Hand. Das hängt leider etwas vom Glück ab und sollte daher mit Vorsicht genossen werden, schließlich will niemand dem Gegner Vorteile schenken. 

Auch das Slifer-Deck bringt eine Fee mit. Tellus der kleine Engel generiert eine Spielmarke, wenn er vom Feld auf den Friedhof gelegt wird. Zwei weitere Spielmarken könnt ihr beschwören, indem ihr den kleinen Engel vom Friedhof und eine Zauberkarte von der Hand verbannt. Ihr habt so also ausreichend Material für eine entsprechende Beschwörung, sofern ihr eure Normalbeschwörung nicht schon verbraucht habt.

Auch hier setzt das restliche Deck auf Material für die Beschwörung von Slifer. Man hat sich beispielsweise beim Höhle der Finsternis Thema bedient und die gleichnamige Spielfeldzauberkarte und Ahrima, Boshafter Aufseher dazu gepackt. Anders als im Obelisk-Deck wird hier aber eher auf Spielmarken gesetzt und nicht auf Monster, was Slifer zum schwächeren Deck macht. Auch hatte ich eigentlich erwartet, dass dieses Deck mehr mit Handkarten spielt, da sich Slifers ATK ja bekanntlich nach der Anzahl der Handkarten richtet.

Ein (vorläufiges) Fazit

Es ist toll, dass es endlich eigene Decks rund um die Götterkarten gibt. Die Mechaniken beider Decks werden dem Thema aber nur wenig gerecht, bei Slifer fehlt mir persönlich ein bisschen die Individualität und die Würdigung seiner Effekte. Auch die exklusiven Karten sind bei Obelisk stärker und könnten sogar außerhalb des Themas von Nutzen sein, was bei Structure Decks ja nie so gesagt ist. Insgesamt bleiben die Götterdecks aber weit hinter dem Structure Deck: Sacred Beasts zurück. Dieses bietet eine tatsächlich spielbare Strategie und spannende Mechaniken, was man von den neuen Decks hier nicht so wirklich behaupten kann.

Abgesehen von den neuen Karten sind die beiden Decks nämlich sehr konservativ gebaut, was sicherlich auch an der Zielgruppe liegt: Die Decks dürften sich vor allem an ältere Spieler und Nostalgie-Fans richten, die das Sehnen nach einem spielbaren Götterdeck seit 2003 schmerzlich erfahren haben. Das belegen Karten wie Spiegelkraft oder Flinker Momonga. Wünschenswert gewesen wäre stattdessen etwa ein Reprint von Ägyptischer Götterschleim. Aber der ist noch verhältnismäßig neu, weil er erst in Rage of Ra erschien und daher noch recht teuer – klar also, dass solche Wünsche hier keine Erfüllung finden.

Leider ist auch in Sachen Reprints nicht viel zu holen: lediglich der Reprint von Harpyien-Flederwisch dürfte hier interessant sein. Diese Karte darf seit September wieder gespielt werden und ist entsprechend begehrt, thematisch passt sie natürlich auch wunderbar in ein Nostalgie-Deck.

Solltet ihr euch eines der Decks zulegen, so empfehle ich euch dringend die dreifache Anschaffung. Das gilt meistens sowieso für jedes Structure Deck, aber gerade hier werdet ihr um die zentralen Karten in dreifacher Ausführung nicht herum kommen.

Ich jedenfalls bin gespannt, ob sich einige der neuen Karten auch außerhalb ihrer angedachten Themen etablieren werden. Und wenn nicht, so haben wir dennoch endlich die Möglichkeit, ägyptische Götterkarten mehr oder weniger sinnvoll zu spielen und das ist eine echte Bereicherung.

Euer Hyozan

Über Hyozan

Yu-Gi-Oh!-Veteran der ersten Stunde

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