Yugioh – Top Topf: Ein Blick auf die Töpfe

Drei einfache Wörter. Genauer: zwei Wörter und eine Zahl: Ziehe 2 Karten. Was harmlos klingt, ist doch stark genug, um diese Karte seit vielen Jahren zu verbieten und auch eine Rückkehr ins aktive Yugioh Sammelkartenspiel ist nach wie vor mehr als unwahrscheinlich. Die Rede ist natürlich vom Topf der Gier. Was anfangs einfach nur eine Möglichkeit war, um simplen Vorteil zu generieren, hat sich nach und nach zu einem ganz eigenen Thema entwickelt und ist heute, trotz des Verbotes vom Topf der Gier, ein fester Bestandteil in den meisten Yugioh-Decks.

Heute werfen wir einen Blick auf diesen Kult und sehen, welche Töpfe es durch die Jahre hindurch so gegeben hat und welche davon heute überhaupt noch relevant sind.

Topf der Gier (2002)

Als Rare im Spell Ruler Set erschienen, begleitet uns diese ikonische Karte seit dem Jahr 2002. Zu Beginn zählte sie zu den absoluten Staples in jedem Deck und stellte gemeinsam mit Elegante Wohltäterin ein unverzichtbares Duo dar, denn das gezielte Suchen von Karten war damals noch nicht üblich. Die Stärke dieser Karte liegt, aus heutiger Sicht, in der Schlichtheit ihres Effektes, der von euch keinerlei Kosten fordert. In den frühen Zeiten des Spiels war Topf der Gier zwar ein begehrter Helfer, hatte allerdings nicht die Relevanz, die ihm heute zuteil würde – zusätzlich zu den ganzen Sucheffekten, die das Spiel mittlerweile bietet.

Der Anime versäumte es bei keiner Gelegenheit, uns über den enorm komplexen Effekt dieser Zauberkarte aufzuklären, sodass Topf der Gier schon bald absoluten Kultstatus erlangte. Dieser ist bis heute ungebrochen und erst im vergangenen Jahr brachte Bandai einen echten Topf der Gier aus Keramik auf den Markt – der dann auch eine Stunde nach Beginn des Vorverkaufs schon wieder vergriffen war.

Diesem ersten aller Töpfe folgten viele weitere nach, deren Effekte in der Regel irgendwie mit dem Ziehen von Karten zusammenhängen, aber mittlerweile auch einige Kosten von euch verlangen. Und die schauen wir uns jetzt einmal genauer an:

Topf der Güte (2010) und Topf der Großzügigkeit (2005)

Topf der Güte erlaubt es euch, zwei Karten von beliebigen Friedhöfen ins Deck zu mischen. Das war‘s. Keiner zieht eine Karte und Topf der Güte wird nach Aktivierung verbannt. Diese Karte ist maximal gegen friedhofsbasierte Decks wie Zombies oder Totenkopfdiener interessant, aber auch da nicht wirklich.

Topf der Großzügigkeit ist sogar noch schlimmer: Hier müsst ihr zwei Handkarten zurück auf euer Deck legen, auch hier ist nix mit Ziehen.

Topf-Karten bewegen sich also zwischen den stärksten und den schlechtesten Karten im Spiel und zum Glück haben diese beiden Vertreter nie einen Reprint erhalten.

Topf der Trägheit (2005)

Widmen wir uns also lieber den Töpfen, die wirklich etwas bewirken und eine tatsächliche Alternative zum auf Lebzeiten verbotenen Topf der Gier darstellen.

Nach den Hochzeiten des ersten Topfes und dessen Verbot waren die Spieler 2005 gezwungen, auf diese Alternative zurückzugreifen. Topf der Trägheit aus Elemental Energy verlangt von euch, 5 Monster vom Friedhof zurück ins Deck zu mischen, dann könnt ihr zwei Karten ziehen. Das ist passabel, 2005 standen die Gemüter aber noch sehr auf Chaos. Man hatte erkannt, dass Karten im Friedhof wertvoll sein können, entsprechend traf die Einschränkung dieses Topfes natürlich einen Nerv. Je nach Deck konnte die vermeintliche Einschränkung aber auch wirklich nützlich sein, denn Ressourcen aus dem Friedhof zu recyceln, ist in einigen Decks elementar.

Aktuell sieht man Topf der Trägheit eher selten. Er hat im vergangenen Jahr zwar zwei Reprints in den Structure Decks Mechanized Madness und Shaddoll Showdown erhalten, im kompetitiven Spiel wird aber eher auf andere Töpfe zurückgegriffen, zu denen ich später natürlich auch noch ein paar Worte sagen werde.

Topf der Gewinnsucht (2016)

Auch er recycelt, allerdings aus der Verbannung: drei verbannte Monster wandern zurück in die Decks ihrer Besitzer, dann darf der Anwender eine Karte ziehen. Ob die verbannten Karten die eigenen oder gegnerische sind, ist dabei egal.

Dass diese Super Rare aus Invasion: Vengeance seit ihrem Release keinen Reprint erhalten hat und preislich dennoch total bezahlbar ist, zeigt, wie wenig Relevanz dieser Topf hat. Gleichzeitig mag es Situationen geben, in denen es durchaus helfen kann, eigene oder gegnerische Monster aus der Verbannung zu holen.

Topf der Gegensätzlichkeit (2010)

Während Topf der Güte eine Frechheit ist, brachte das Jahr 2010 aber auch einen Topf, der durchaus akzeptabel war. Topf der Gegensätzlichkeit schlägt erstmals eine andere Richtung ein und lässt euch eine von den drei obersten Karten eures Decks auswählen, die ihr dann auf die Hand nehmen könnt. Das ist stark, denn so könnt ihr immer die wählen, die euch in der jeweiligen Situation am zuträglichsten ist. Dass diese Karte derzeit dennoch kaum gespielt wird, liegt an ihrer Einschränkung: ihr dürft in diesem Zug nämlich keine Spezialbeschwörungen durchführen und das ist in heutiger Zeit fast nicht mehr tragbar. Gelegentlich sieht man diese Karte in Decks rund um den Dunklen Magier, da diese auch im gegnerischen Spielzug problemlos beschwören können, doch auch dort ist diese Einschränkung fast nicht hinnehmbar. Die Hochzeiten dieses Topfes, in denen er sogar mal limitiert war, mögen also vorbei sein, der Effekt, eine Karte gezielt auszuwählen, ist aber nach wie vor recht stark.

Topf der Begierden (2016)

Topf der Begierden ist eine durchaus kontroverse Karte, denn ihre Kosten sind immens: ihr müsst die obersten 10 Karten eures Decks verdeckt verbannen und dürft dann zwei Karten ziehen. Nach ihrem Release in The Dark Illusion im Jahr 2016 befand sich diese Karte in so gut wie jedem turnierfähigen Deck, obwohl sie als Secret Rare nicht gerade günstig war. Direkt im Folgejahr wurde sie in die damalige Mega Tin aufgenommen und hat seitdem einige Reprints erhalten, etwa im Toon Chaos Set oder im Structure Deck: Sacred Beasts, das sich ganz den Heiligen Ungeheuern Raviel, Uria und Hamon verschrieben hat.

Topf der Begierden ist mit absoluter Vorsicht zu genießen, denn der Vorteil, zwei Karten ziehen zu dürfen, ist hinfällig, wenn die Schlüsselkarten eurer Strategie verbannt sind. Was vor 5 Jahren noch absolut stark war, ist natürlich längst abgelöst worden, hat aber etwa im Gren Maju Deck noch absolute Relevanz. Heute sind es vor allem zwei Töpfe, die die Aufmerksamkeit der Spieler auf sich ziehen.

Topf der Extravaganz (2019)

Topf der Extravaganz weist formal viele Parallelen zu Topf der Begierden auf. Sein Debüt feierte er als Secret Rare in Savage Strike, auch er hat im vergangenen Jahr einen Reprint in Toon Chaos und der 2020 Mega Tin erhalten und ist seitdem günstiger, wenn auch leider nicht wirklich günstig, zu bekommen. Erstmals greift ein Topf-Effekt mit ihm das Extra Deck auf: Ihr müsst entweder 3 oder 6 Karten vom Extra Deck zufällig und verdeckt verbannen und dürft dann entweder 1 oder 2 Karten ziehen. Der Nachteil: ihr müsst sie am Beginn der Main Phase 1 aktivieren und ihr könnt im selben Spielzug keine weiteren Karten durch Karteneffekte ziehen. Dennoch erfreut sich Topf der Extravaganz bis heute natürlich großer Beliebtheit und ist vor allem in Decks vertreten, die nicht zwingend auf das Extra Deck angewiesen sind, wie etwa Dinosaurier.

Topf des Wohlstands (2021)

Hier nun haben wir die neueste Errungenschaft auf einem lange Weg der Töpfe. Diese Secret Rare ist erst Anfang des Jahres im Blazing Vortex erschienen und erfreut sich verständlicherweise schon jetzt großer Beliebtheit.

Was Topf der Gegensätzlichkeit vor nunmehr 11 Jahren angeregt hat, wird hier nun in moderner Form weitergeführt. Wie bei Topf der Extravaganz müsst ihr auch hier entweder 3 oder 6 Karten vom Extra Deck verbannen, nur dass ihr dieses Mal bestimmen könnt, welche Karten das sind. Dann könnt ihr euch die obersten drei oder sechs Karten eures Decks anschauen und eine davon auf die Hand nehmen. Der Rest wird in beliebiger Reihenfolge unter das Deck zurückgelegt. Wie auch bei seinem extravaganten Bruder, so könnt ihr auch hier für den restlichen Spielzug keine weiteren Karten durch Karteneffekte ziehen. Zusätzlich wird der Schaden, den der Gegner in diesem Spielzug erhält, halbiert. Dafür haben wir es mit einem Topf zu tun, der euch maximale Flexibilität und Dynamik gewährleistet. Nicht nur bleiben die wichtigsten Extra Deck Karten unberührt, sondern ihr könnt auch exakt bestimmen, welche Karte ihr auf die Hand nehmen wollt.

Wie auch bei Topf der Extravaganz solltet ihr euch immer dafür entscheiden, sechs Karten zu verbannen, um den maximalen Effekt der Karte auszuschöpfen. Decks, die diese beiden Töpfe spielen, sind in der Regel sowieso nicht so stark aufs Extra Deck angewiesen.

Ich habe nun natürlich nicht alle Töpfe erwähnt, denn einige sind einfach nicht relevant oder richten sich nur an eine gewisse Gruppe von Spielern. Zu letzterem gehört beispielsweise auch Topf der Reichtümer, der nur für Pendelspieler interessant ist und seinen jüngsten Reprint im neuen Nebenset Ancient Guardians bekam.

Neben den begehrten Töpfen gibt es auch ein Fallenkarten-Pendant, die Krüge. Auch Monsterkarten folgen dem Krug-Thema, etwa den auf Ewig verbotenen Gewebekrug oder die Verwandlungskrüge. Und auch wenn Topf der Gier wohl nie wieder die Banlist verlassen wird, stattet uns Konami regelmäßig mit neuen Töpfen aus. Aus momentaner Sicht sind natürlich Topf der Extravaganz und Topf des Wohlstands die stärksten Vertreter des Themas, aber auch diese werden eines Tages durch neue, stärkere Effekte abgelöst werden. Das hält das Spiel lebendig und das ist ja auch das Spannende und Besondere an diesem TCG.

Euer Hyozan

Über Hyozan

Yu-Gi-Oh!-Veteran der ersten Stunde

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