Yugioh – Die 1. Banlist 2022 ist da – und sie ist gut!

Seit dem 17. Januar 2022 haben wir gebangt und täglich auf eine Banlist gehofft. Ganze 10 Tage später hat Konami sie dann endlich veröffentlicht und dabei gleichzeitig eine der umfangreichsten Listen der letzten Zeit präsentiert.

Wir erinnern uns: Pandemiebedingt gab es zwar in den letzten zwei Jahren durchaus Listen. Diese waren aber häufig eher spärlich, sodass unser Format weniger durch die jeweiligen Banlisten bestimmt wurde, sondern vielmehr durch neue Karten, die mit der Zeit ins TCG tropften.

Nun ist aber endlich einmal wieder eine Liste da, die wirklich Bewegung ins Spiel bringt und daher schauen wir uns diese heute einmal ganz genau an.

Verbotene Karten

Starten wir, wie die Liste selbst, mit den Karten, die neu verboten wurden.

Allen voran ist da ein Linkmonster aus Duel Overload, das eines der amtierenden Meta-Decks nachhaltig schwächt: Simorgh, Vogel der Oberherrschaft wandert von 3 auf 0 und kühlt damit die Bird Up!-Decks rund um Sta-Brigade und Lyrikliedervogel deutlich herunter.

Dadurch hat nun kein Spieler mehr eine Barrierenstatue der Sturmwinde während der End Phase zu fürchten, aber auch die Schutzeffekte gegen zielende Effekte war nicht von schlechten Eltern.

Als eines der Top-Meta-Decks ist die Mischung aus Sta-Brigade und Vögeln jedoch nach wie vor recht stark – nur muss das Deck nun eben mit einer fiesen Extra Deck-Karte weniger auskommen.

Oberster Todfeind Protos folgt Simorgh direkt nach: Auch er wird direkt verboten, ohne dass er zuvor in irgendeiner Weise limitiert gewesen wäre. Protos findet sich vor allem in Schwertseele-Decks und das ist bekanntlich ebenfalls ganz oben mit dabei. Der Ban von Oberster Todfeind Protos ist aber mehr als gerechtfertigt, denn diese Karte verhindert einfach, dass Monster mit einer bestimmten Eigenschaft spezialbeschworen werden. Und da Karten, die einen kompletten Teil des Decks ausschließt, dem Gedanken eines Spiels für zwei Personen widersprechen, ist es nicht allzu falsch, diese Karte zu verbieten. Beispiele dafür gibt es in der Vergangenheit ja genug, sei es nun die einst gefürchtete Combo aus Transportverbund und Zerstörungsschwert des Drachenbusters, Wahrer König aller Katastrophen oder Nummer S0: Utopisches ZEXAL: Karten und Effekte, die den Gegner am Mitspielen hindern, gehören einfach nicht in dieses Spiel.

Apropos den Gegner nicht mitspielen lassen: Dazu gehört auch die Fallenkarte Kaiserlicher Befehl. Als Fallenkarte könnt ihr natürlich auf die Aktivierung einer Zauberkarte reagieren, gleichzeitig verhindert diese Karte die Nutzung von Zauberkarten, solange sie offen auf dem Feld liegt. Karten wie Kosmoszyklon, Blitzsturm oder Harpyien-Flederwisch, die gemeinhin die beliebtesten Karten sind, um gegnerische Zauber- und Fallenkarten loszuwerden, helfen natürlich auch nicht wirklich. Stattdessen müsst ihr auf Albtraumritter Phönix und Co. setzen – Kaiserlicher Befehl ist dadurch eben auch schwer zu zerstören, sodass das – von der Community vehement geforderte – Verbot dieser Fallenkarte durchaus gerechtfertigt ist.

Um ein weiteres Meta-Deck ein wenig zu schwächen, steht nun auch Eva auf der Liste der verbotenen Karten. Wir erinnern uns: Die letzte Liste hat Eva bereits limitiert, das hat aber nicht wirklich ausgereicht, um Drytron nachhaltig zu schwächen, sodass das vollständige Verbot nun sicherlich nicht die schlechteste Wahl ist. Wie Drytron ohne Eva funktioniert, wird sich zeigen, es dürfte aber ein wenig Bewegung in die Spitze der Meta-Decks oder zumindest die Builds der Meta-Decks kommen.

Limitierte Karten

Bei dieser Rubrik macht Konami keine halben Sachen: Es gibt ein paar Karten, die nicht mehr verboten und stattdessen nun einmal spielbar sind, und es gibt Karten, die direkt von 3 auf 1 gehen. Starten wir mit den Karten, die ins Spiel zurückkehren:

Destrudo der Schauer des verschwundenen Drachen sorgt für einige Überraschung und war nicht wirklich zu erwarten. Sicher, um sie zu beschwören, müsst ihr ordentlich Lebenspunkte löhnen, ein Drache mit der Eigenschaft FINSTERNIS, der spezialbeschworen werden kann und zudem auch noch ein Empfänger ist – wenn das mal kein Sieg für Dragon Link-Fans ist…

Astrografzauberer ist eines von zwei neuen Pendelmonster auf der Liste. Pendeldecks sind momentan nicht so wirklich stark vertreten, das mag sich nun aber vielleicht ändern, da hier ein recht starkes Pendelmonster ins Spiel zurückkehrt. Selbes gilt auch für Lunalicht Tiger, der als Pendelmonster ebenfalls wieder einmal gespielt werden darf. Inwieweit dies die entsprechenden Decks bei den Spielern wieder attraktiver macht, bleibt aber abzuwarten.

Märchenschweif – Schnee kann bei Beschwörung ein gegnerisches Monster wählen und in die verdeckte Verteidigungsposition drehen. Außerdem könnt ihr es mittels Schnelleffekt vom Friedhof spezialbeschwören, indem ihr 7 andere Karten von eurem Feld, eurem Spielfeld oder eurer Hand verbannt – das ist natürlich für Decks wie Gren Maju durchaus interessant, zumal dieses Deck einen unerwarteten Schlag verkraften muss:

Topf der Begierden wandert unerwartet auf 1. Diese Karte ist natürlich mit Vorsicht zu genießen und beileibe nicht in jedem Deck spielbar, aber bei Release erfreute sich dieser Topf großer Beliebtheit und hat mittlerweile seine Nische im Spiel gefunden.

Lyrikliedervogel – Vortragender Star ist unter den Karten, die neu auf der Limitiert-Liste sind, sicherlich die wichtigste. Gemeinsam mit dem Verbot von Simorgh, Vogel der Oberherrschaft schwächt auch diese Limitierung das Bird Up-Deck weiter. Dort wurde Lyrikliedervogel – Vortragender Star gerne zweimal gespielt, da der Effekt der Karte nicht hard once per turn ist.

Aus zwei Lyrikliedervogel – Vortragender Star lässt sich dann auch noch ganz einfach Nummer F0: Utopische Zukunft und daraus dann ebenfalls problemlos Nummer F0: Utopische Dracho-Zukunft basteln, die ihr beide in King’s Court findet und dort zu den wichtigsten Karten gehören.

Das war Konami dann doch zu wild.

Zum Schluss ist da noch die Zauberkarte Monstertor, die neu auf der Liste ist und bisher dreimal gespielt werden durfte. Ein Monster vom Deck spezialzubeschwören und gleichzeitig Karten vom Deck auf den Friedhof legen zu können, ist aber generell nicht unattraktiv und wird sicherlich in nächster Zeit noch brisanter werden.

Semi-limitierte Karten

Die einzige Karte, bei der sich hier nichts getan hat, ist Schicksals-HELD – Malicious. Ansonsten hat sich in dieser Kategorie wirklich viel getan.

Ein Held lebt war bisher auf 1, darf nun aber zweimal wieder gespielt werden. Der Effekt, einen Elementar-HELD der Stufe 4 oder niedriger vom Deck spezialzubeschwören, ist natürlich ohne Zweifel stark, dafür die Hälfte der Lebenspunkte zahlen, relativiert diesen Effekt aber wieder ein wenig. Ob das HELD-Deck durch diese Änderung massiv an Stärke gewinnt, ist zu bezweifeln, insofern ist eine vorsichtige Lockerung sicherlich ein guter Schritt.

Neu auf der Banlist ist die Zauberkarte Fusionsschicksal, mit der ihr vor allem Schicksals-HELD – Destroyer Phoenix Enforcer beschwört. Die Engine aus Burst of Destiny hat somit einen leichten Hit bekommen, das dürfte aber kaum Niederschlag haben.

Lockerung erfährt auch Grosalamander-Kreis. Nachdem das Deck im Verlaufe der letzten Banlisten immer wieder Karten zurückbekommen hat, folgt nun mit Grosalamander-Kreis eine wichtige Karte des Decks, die bisher nur einmal gespielt werden durfte. Da das ehemalige Meta-Deck derzeit aber nicht so sehr viel reißt, erscheinen zunehmende Lockerungen durchaus sinnvoll.

Rise of the Duelist war wohl eines der einflussreichsten Sets des Jahres 2020. Mit dem Dogmatika-Archetyp hielt auch die Zauberkarte Nadir-Diener Einzug, die nun neu auf der Liste ist. Der Grund, warum diese Karte nun, nach 1 ½ Jahren, auf die Banlist wandert, mag im neuen Structure Deck Albaz Strike (07.04.2022) liegen, das im Laufe des Jahres neu erscheinen wird.

Und auch die kleinen bunten Sündenböcke kämpfen sich langsam zurück und dürfen fortan wieder zweimal gespielt werden. Karten, die Spielmarken generieren, sind im Spiel immer recht effektiv und die neuste Interpretation stellt hier wohl die Abenteurer Spielmarken-Engine dar. Sündenbock macht nun aber nicht so wirklich was, auf 2 ist die Karte vermutlich genauso ungefährlich.

Nicht länger auf der Liste

Auch hier hat sich einiges getan.

Gefahr! Nessie! war jetzt eine Zeitlang auf 2 und hat da nicht wirklich was gerissen, insofern ist es wenig überraschend, dass Nessie von der Banlist zurückkommt – sicherlich ziehen die anderen Gefahr!-Monster früher oder später nach.

Überraschend ist hingegen, dass Rotäugiger finsterer Metalldrache nun von 1 auf 3 zurückkehrt und dadurch Dragon Link weiter stärkt – wie auch oben bereits Destrudo der Schauer des verschwundenen Drachen.

Mit Künsterkumpel Schädelkrobat-Clown verlässt ein Pendelmonster die Banlist. Ob das Künstlerkumpel-Deck davon aber wirklich profitiert, ist sicherlich nicht zwingend der Fall.

Selbiges gilt wohl auch für Notfallteleport, da reine PSI-Decks kaum gespielt werden und auch ein eigentlich starker Effekt, wie der von Notfallteleport, derzeit keine wirklich nennenswerten Auswirkungen hat.

Spannend ist, dass jedwede Einschränkung von Raigeki aufgehoben worden ist, nachdem diese Karte lange gänzlich verboten war und erst vor nicht allzu langer Zeit wieder auf 1 gesetzt wurde. Andererseits sind viele Monster vor Zerstörung durch Effekte geschützt und einige Decks profitieren sogar davon, wenn Monster zerstört werden und auf den Friedhof wandern. Karten, die gegnerische Effekte annullieren, sind da schon gefährlicher.

Umso unverständlicher ist, dass Kräfte rauben nun wieder dreimal gespielt werden darf. Da liegen schwere Zeiten vor uns und gerade Decks, die wenig auf Monster setzen (wie etwa Eldlich), dürften von dieser Karte ungemein profitieren.

Fazit

Und damit sind wir am Ende der Betrachtung einer sehr spannenden Banlist, die einige Bewegung in viele Decks bringen wird. Einige Entscheidungen mögen überraschend kommen, so hätte ich persönlich nie damit gerechnet, dass Destrudo der Schauer des verschwundenen Drachen zurückkehrt. Andere Überraschungen sind definitiv gutzuheißen, dazu gehört die Schwächung überstarker Decks wie Bird Up oder Drytron.

Gar nicht nachvollziehen kann ich aber, dass Kräfte rauben wieder dreimal gespielt werden darf. In letzter Konsequenz erscheint es widersprüchlich, dass Kaiserlicher Befehl verboten wird, da dadurch ein ganzer Kartentyp unbrauchbar wird und im gleichen Atemzug eine andere Karte, die im Kern genau dasselbe tut, wieder auf drei gesetzt wird. Ob Kräfte rauben dadurch einen Zuwachs an Plays sieht, bleibt abzuwarten – auf jeden Fall dürfte es gut nervig werden, wenn diese Karte nun in die entsprechenden Decks wandert.

Trotzdem freue ich mich, dass wir endlich einmal wieder eine Liste mit echter Substanz haben.

Was haltet ihr von der Liste? Seid ihr zufrieden mit Konamis Entscheidungen? Was seht ihr kritisch? Lasst uns darüber doch über die Kommentarfunktion diskutieren!

Euer Hyozan

Über Hyozan

Yu-Gi-Oh!-Veteran der ersten Stunde

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert